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Kiel Fiona überrascht alle Ärzte
Kiel Fiona überrascht alle Ärzte
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09:28 20.06.2018
Von Anne Steinmetz
Fiona und ihre Mutter Yvonne Brunner sind gerne draußen. Hier gibt es neben Trampolin und Kaninchenstall eine Schaukel, einen Sandkasten, ein Holzpferd und Ruhe. Eine Wohlfühl-Umgebung, die Fionas Entwicklung unterstützt. Quelle: Sonja Paar
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Kiel/Selent

Höher und höher springt Fiona auf dem Trampolin. Die Achtjährige reckt die Arme in die Höhe, streckt die Beine von sich und macht Kunststücke. Dabei lächelt sie. Dann hat sie plötzlich keine Lust mehr. „Ich will jetzt zu den Kaninchen“, sagt sie zu ihrer Mutter Yvonne Brunner.

Wer Fiona zuletzt vor fünf Jahren gesehen oder von ihr gehört hat, kommt beim Zusehen ins Staunen. So eine Entwicklung hätten wohl die Wenigsten erwartet. Fiona bewegt sich geschickt und interagiert im Spiel mit ihrer Schwester Amelie. Sie spricht manchmal vielleicht etwas undeutlich, aber in zusammenhängenden Sätzen, grammatikalisch richtig und mit einem großen Wortschatz. An ihrem Gesicht und vor allem am Korsett, das sie trägt, erkennt man aber, dass irgendetwas anders ist.

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Bei Fiona ist Chromosom 9 nicht vollständig ausgebildet

Fiona hat partielle Monosomie 9p. Das heißt, das Chromosom 9 ist bei ihr nicht vollständig ausgebildet. Einige der Gene, die sich hier befinden, fehlen der Achtjährigen. Deshalb hat sie unter anderem eine schmale Stirn, eine breitere Nasenwurzel, das Philtrum, die Furche zwischen Nase und Oberlippe, ist bei ihr länger, außerdem hat Fiona einen hohen Gaumen und eine verdeckte Gaumenspalte. Geistig und körperlich ist sie nicht altersgemäß entwickelt. Sie hat eine verkrümmte Wirbelsäule und muss deshalb ein Korsett tragen. Ihr Körper bildet außerdem keine Schlafhormone, Fiona ist deshalb nachts oft wach.

„Es gibt medizinisch keinen Fall, der so ist wie der von Fiona“, sagt ihre Mutter Yvonne Brunner, während sie ihren Töchtern zum Kaninchenstall folgt und die Tür des fliederfarbenen Verschlags öffnet. Fiona und Amelie klettern hinein und versuchen, die Kaninchen zu füttern. Ein richtiges Kinderparadies haben die 33-Jährige und ihr Mann Florian (36) in ihrem Garten in Selent geschaffen. „Wir sind extra von Kiel hergezogen, um Fiona Ruhe zu geben und auch diese Möglichkeiten hier.“

Ärzte sind von der Entwicklung überrascht

Yvonne Brunner geht mit einer bemerkenswerten Gelassenheit mit ihrer Tochter und deren genetischer Besonderheit um. „Es ist bei uns einfach so, dass Fiona den Tagesablauf bestimmt“, sagt Yvonne Brunner. Mehrmals in der Woche hat die Achtjährige Termine bei Ärzten, Physiotherapeuten oder Logopäden. Der Erfolg dieser Förderung ist dem Mädchen anzumerken.

Bei ihrer Geburt hatten die Ärzte Fiona eine Lebenserwartung von drei Jahren vorausgesagt. Jetzt ist sie acht, geht auf eine Förderschule in Preetz und macht täglich neue Fortschritte. Heute bestätigten Mediziner ihr, dass sich ihre Tochter großartig entwickle und sie bei ihrer Geburt damit nicht gerechnet haben. „Die Ärzte meinen, dass die Entwicklung auch dem, was ich so mache, zu verdanken ist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das stimmt“, sagt sie bescheiden.

Fiona macht Delfin-Therapie

Vor ihrem Geburtstag Ende des Jahres steht für Fiona erst mal ein anderes großes Ereignis an, von dem sie schon jetzt gerne erzählt. Im Herbst fliegt die Familie zu einer Delfin-Therapie in die Türkei. „Wir haben inzwischen schon vier gemacht, und jedes Mal waren bei Fiona große Entwicklungserfolge zu beobachten.“

Weil die Therapie nicht von der Krankenkasse bezahlt wird, hat Yvonne Brunner Spendenaufrufe gestartet, um die Therapie zu finanzieren. „Ich möchte ihr einfach diese Möglichkeit geben.“ Denn auch das Schwimmen mit den Meeressäugern trägt dazu bei, dass Fiona alle Ärzte überrascht. Da ist sich ihre Mutter sicher.

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