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Kiel Studenten auf Augenhöhe mit Arbeitgebern
Kiel Studenten auf Augenhöhe mit Arbeitgebern
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07:00 24.05.2019
Von Karen Schwenke
Elektrotechnik-Ingenieur und Informatikstudent Leo Stitzing (links) wird umworben von Mitarbeitern der Firma Designa. Das Kieler Unternehmen entwickelt vollautomatische Parksysteme. Mit diesem speziellen Automaten soll allerdings der Nachwuchs angelockt werden. Quelle: Frank Peter
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Kiel

„Der Kontakt zwischen Arbeitgebern und Studenten ist inzwischen auf Augenhöhe“, bringt Messeleiterin Wiebke Gebhardt die Entwicklung auf den Punkt. „Dass die Firmen aber einstellen, wen sie nur kriegen können, davon sind wir noch weit entfernt. Fachkompetenz und eine gute Ausbildung werden immer noch vorausgesetzt.“

Kontaktmesse Contacts der Universität Kiel boomt

Wiebke Gebhardt strahlt über das ganze Gesicht. Denn auch für sie und ihre universitätseigene Messe sind die Zeiten äußerst günstig. Zum 20. Mal lieferte „Contacts“ der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Informationen rund um den Berufseinstieg und die Karriereplanung. Und in diesem Jubiläumsjahr boomt die Messe. „Schon zum Jahreswechsel waren wir ausgebucht. Und wir haben bereits jetzt Reservierungen für die nächste Messe in 2020. Wer dabei sein will, sollte sich beeilen.“ 87 Unternehmen präsentierten sich am Donnerstag auf dem Campus, so viel wie nie zuvor. Im ersten Messejahr 2000 waren es weniger als 40 Firmen.

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Dänen werben um Studenten aus Kiel

Laut Gebhardt sind nicht alle Akademiker gefragt. Geisteswissenschaftler hätten es bei der Jobsuche auch heute noch schwerer. Hingegen würden fast alle Unternehmen händeringend nach IT-Fachkräften oder Ingenieuren suchen. Auch in Dänemark. Die Gemeinden Apenrade, Tondern, Sonderborg und Hadersleben werben an einem gemeinsamen Messestand um Nachwuchs für ihre Unternehmen. Rekrutierungsmanagerin Maria Petersen Heesch machte den Kieler Studierenden ihre Region schmackhaft: „Wir haben auch deutsche Schulen und Kindergärten in Süddänemark. Bei uns gibt es flache Hierarchien, man duzt den Chef und geht mit ihm ein Bier trinken.“

Thore Brüning (26) und Fabian Kühtz (23) sind angehende Wirtschaftsingenieure, sie gehören also zum allseits gefragten Nachwuchs. Ihr nördliches Nachbarland kennen sie gut: „Die Dänen sind locker und sympathisch“, finden beide. Vor allem aber gefällt ihnen die Lebens- und Arbeitsweise in Dänemark besser. Von flachen Hierarchien über die 37-Stunden-Woche bis hin zu flexiblen, familienfreundlichen Arbeitszeiten und -orten, würden dänische Unternehmen „eigentlich schon immer“ das praktizieren, was deutsche Unternehmen jetzt auch bieten müssen, sagte Petersen Heesch.

Work-Life-Balance hat bei Studenten höchste Priorität

„Tatsächlich fragen Arbeitssuchende heute als allererstes nach den Arbeitszeiten“, berichtete Philipp Scharroba, Geschäftsstellenleiter der Personalberatung Bindan in Kiel. „Noch vor drei, vier Jahren standen die Vergütung und Sonderleistungen bei der Jobwahl an erster Stelle.“ Die anständige Bezahlung sei aber inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Wie viele andere seiner Kommilitonen bestätigte das Informatikstudent Leo Stitzing (28): „Mir kommt es auf eine vernünftige Work-Life-Balance an.“ Der 28-jährige Kieler will langfristig in seiner Heimatstadt bleiben und ist mit abgeschlossenem Elektrotechnik-Studium bereits Ingenieur.

Personalabteilungen werden kreativ

An dem Messestand der Kieler Firma Designa ist er daher hochwillkommen. Das Unternehmen entwickelt und baut vollautomatische Parksysteme – unter anderem für die großen Flughäfen dieser Welt wie in Hamburg, New York oder Sydney. Designa-Personalerin Melanie Bumann erzählt von der schwierigen Suche nach IT-Nachwuchs. Neulich habe ein Student ihre Visitenkarte abgewiesen. Daher hat sie von Kollegen nun einen besonderen Parkautomaten bauen lassen. Dort können sich Messebesucher kein Park- sondern ein Karriere-Ticket ziehen. Der QR-Code auf dem Ticket führt zur Bewerbungsseite des Unternehmens mit der Überschrift: „Hightech am Ostseestrand sucht Talente“.

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