Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Fiskus gefährdet Regattafahrten
Kiel Fiskus gefährdet Regattafahrten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 29.06.2013
Von Martina Drexler
Die Ausgaben für Regattabegleitfahrten sind steuerlich nicht abzugsfähig - anders zum Beispiel als ein Besuch auf dem Oktoberfest an Land. Quelle: Paesler
Anzeige
Kiel

Die wachsende Zurückhaltung von Firmen, Kieler Woche-Fahrten zu buchen, fasst Uwe Wanger, Chef von Kiel Marketing, in einer für ihn bitteren Zahl zusammen: Dieses Jahr kam es zu Umsatzeinbußen von 35 Prozent gegenüber 2012. Betriebe, beschreibt Wanger die Veränderung, kaufen lieber 30 Einzeltickets, während sie noch vor einigen Jahren ganze Schiffe charterten.

„Hier trifft sich derzeit doch auch die Welt, die beste Gelegenheit also für Firmen, um Marketing zu betreiben und sich zu präsentieren“, verweisen die Hauptgeschäftsführer Ingo Scheuse (Unternehmensverband Kiel), Jörn Biel, (IHK Kiel) und Carsten Döring von der Steuer- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG auf die steuerlichen Entlastungen für Unternehmen in Bayern. Wer zum Beispiel seine Geschäftspartner und Kunden während des Oktoberfestes in Zelten bewirten lässt, kann Werbe- und Bewirtungskosten zu großen Teilen geltend machen. Doch als ein Kieler Unternehmen, das 50 Gäste während der Kieler Woche 2006 an Bord eingeladen hatte, nach dem VIP-Logen-Erlass abrechnen wollte, erkannte dies die Finanzverwaltung nicht an. Auch der Bundesfinanzhof wies im August 2012 die Klage der Gesellschaft mit folgender Begründung zurück: Die Aufwendungen für Schiffsreisen mit Geschäftspartnern sind grundsätzlich nicht abziehbar, da es sich um eine unangemessene Repräsentation bzw. reine Unterhaltung handele.

Anzeige

Die unterschiedliche Handhabung stößt bei den Wirtschaftsvertretern auf Unverständnis: „Wir verstehen nicht, warum wir bestraft werden“, beklagt Scheuse eine wachsende Verunsicherung in der Wirtschaft, zumal es schon der zweite Schlag ins Kontor für sie sei: 2007 gerieten Einladungen zu Begleitfahrten an städtische Vertreter ins Visier des Staatsanwalts wegen angeblicher Vorteilsgewährung, 2010 folgten 57 Ermittlungsverfahren gegen Kieler-Woche-Gäste der Kieler Stadtwerke. Zwar wurden alle eingestellt, doch die Erinnerung an den Eklat überschatte alles, erklärten alle einmütig.