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Kiel Mit dem perfekten Rad in die Saison
Kiel Mit dem perfekten Rad in die Saison
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10:13 27.05.2019
Das verstärkte Sonnenlicht und die Bewegung an der frischen Luft wirken wie ein Stimmungsaufheller. Noch besser wird die Radtour mit dem perfekten Fahrrad. Quelle: Zucchi Uwe/dpa
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Pedelec und Lastenrad liegen voll im Trend, doch diese Fahrräder passen nicht zu jedem. "Individuelle Beratungen sind wichtig um das passende Fahrrad für den Kunden zu finden", sagt Annika Koch von Annis Fahrradladen. Die ehemalige Radsportlerin hat sich vor zwei Jahren einen Traum erfüllt und ihren eigenen Fahrradladen eröffnet. "Ich will jedem das passende Rad verkaufen, sonst macht Radfahren keinen Spaß", sagt die passionierte Rennradfahrerin.

Um das richtige Fahrrad für den Kunden zu finden vereinbart die 40-Jährige Konfigurations-Termine für eine unverbindliche Beratung. Dabei geht sie auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Kunden ein. Wichtig ist es, auf den Zweck des Fahrrads einzugehen. Berufspendler, Freizeitfahrer oder Adrenalin-Junkie – anderer Zweck, andere Anforderungen an das Rad.

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Schlüsselfrage Sitzposition: "Die Geometrie muss stimmen"

Auch die Sitzposition ist wichtig für die Auswahl des Rads. Ob aufrecht, senkrecht oder sportlich – der Fahrradmarkt kennt keine Grenzen. Dazu werden auch mögliche Erkrankungen beachtet. "Die Geometrie muss stimmen", sagt Koch und betont: "Rennräder sind von der Sitzposition gut für Menschen mit Knie-Erkrankungen."

Ein weiterer Aspekt in der Beratung ist die Erfahrungen der Kunden. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, beispielsweise die Strecken für die das Rad genutzt wird. Ein Rad für Berufspendler muss andere Anforderungen erfüllen als ein Rad für Adrenalin-Junkies. Auch die Umgebung ist wichtig mit einzubeziehen. Soll es in der Stadt gefahren werden oder im Gelände? Wenn mit dem Rad viel transportiert werden soll, muss das Material anders sein, als wenn es nur für den kurzen Arbeitsweg ist.

Bike-Fitting: Mit Lasermessung zum perfekten Sitz

Wer ganz sicher sein will, dass sein Fahrrad perfekt auf den eigenen Körper zugeschnitten ist, kann zum Bike-Fitting gehen. Angeboten wird dieser Service unter anderem von den Sportwissenschaftlern beim Gesundheitsspezialisten Kriwat. Per Laser vermessen Sophie Müller und ihre Kollegen die Körper der Kunden.

Anhand einiger Parameter, etwa der Armlänge oder der Beininnenlänge und aktuellen wissenschaftlichen Studien kann ein Computer errechnen, welches Fahrrad – vom Rennrad über das Mountainbike bis hin zum Citybike – am besten passt. "Wir haben über 10000 Modelle von allen gängigen Herstellern im System", sagt Müller.

"Man kann für Fahrräder wirklich viel Geld ausgeben"

Daraus ein passendes Fahrrad herauszusuchen sei kompliziert. Viele Kunden hätten sich aber schon tiefer mit dem Thema befasst, sodass sie einige Modelle zur Auswahl vorschlagen. "Man kann für Fahrräder wirklich viel Geld ausgeben. Manche kosten so viel wie Kleinwagen", so die Sportwissenschaftlerin. "Da wollen viele Leute schon sichergehen, dass das Fahrrad auch optimal passt."

Wenn ein Rad gut zu den Werten eines Kunden passt – oft erkennbar an der Rahmengröße – kann das Fahrrad über kleine Einstellungen, etwa an der Lenkerhöhe, der Sitzhöhe oder der Sattelposition, individualisiert werden. Diesen Service gibt es auch einzeln, sodass Kunden ihr Fahrrad zum Beispiel zur neuen Saison optimal einstellen lassen können.

Durch diese Einstellungen verbessere sich die Sitzposition auf dem Fahrrad, erklärt Müller. "Dadurch wird die Kraft optimal auf die Pedalen übertragen und man kann auf Beschwerden, die durch mögliche Fehlhaltungen entstanden sind, reagieren."

Außerdem kann der Luftwiderstand verringert und ein ergonomischeres Sitzen gewährleistet werden. Das ist nicht nur für Rennrad-Sportler wichtig. Auch für Menschen, die täglich einige Kilometer zur Arbeit fahren, sei ein solches Fitting sinnvoll, vor allem um Dysbalancen auszugleichen. "Gerade im Alter, wo der Körper weniger Fehlbelastungen verzeiht, kann das sehr wichtig sein."

Fahrradkauf lieber im Herbst statt im Frühjahr

Egal für welches Fahrrad man sich am Ende entscheidet: Auch der Zeitpunkt, zu dem man sein Fahrrad kauft, spielt eine Rolle. Denn anders als die Fahrrad-Saison, die sich für die meisten von April bis September erstreckt, bringen Fahrradhersteller ihre neuen Modelle erst im Herbst auf den Markt. "Dadurch kann es passieren, dass Kunden im Frühjahr ein Fahrrad kaufen wollen, das schon nicht mehr oder nur mit erheblichen Wartezeiten zu bekommen ist", sagt Oliver Bahtke vom Fahrradladen Velocenter. Sein Vorschlag: Im Herbst kaufen und sich auf die Fahrradtouren in der neuen Saison im Frühling freuen.

Interaktive Karte: Radtouren in der Region

Auch für Leute, die ihr Fahrrad bei den ersten Sonnenstrahlen aus dem Winterschlaf im Keller holen hat Bahtke einige Tipps. "Das ist jedes Frühjahr das gleiche", sagt er. "Kaum scheint die Sonne, wollen die Leute ihre Fahrräder aufbereitet haben." Fahrradläden kämen bei dem Ansturm an ihre Kapazitätsgrenzen. "Für die ersten Kunden haben wir natürlich noch Termine, aber dann kann es sein, dass man vier oder fünf Wochen warten muss."

Für viele Fahrräder braucht man Spezialwerkzeug

Die Zeiten, in denen man selbst am Fahrrad schraubt, seien vorbei, so der Fahrradhändler. "Die Räder sind komplexer geworden, oft braucht man Spezialwerkzeug", sagt Bahtke. Deswegen empfiehlt er seinen Kunden einen jährlichen Fahrradcheck.

Dabei wird das Fahrrad von Bremse bis Kette geprüft und bei Bedarf repariert. "Bei den Bremsen sind vor allem die Bremsbeläge anfällig", so Bahtke. "Dort schleift Metall auf Metall und da gibt es Verschleiß." Aber auch die Bremszüge müssen überprüft werden. Die dünnen Drahtseile könnten beispielsweise rosten. Auch die Felgen leiden unter der Reibung beim Bremsen. "Wenn die Felgenflanke durchgebremst ist, ist das ein echtes Sicherheitsrisiko", sagt Bahtke. Dann ist die Seite der Felge, dort wo die Bremsklötze greifen, nach innen ausgeschliffen, wodurch die Felge an Stabilität verliert.

Riemen statt Kette - das neue It-Piece für Radler

Die Kette ist bei vielen Fahrrädern die Achillesferse. Oft rostet sie, häufig hat sie aber auch nicht mehr die richtige Spannung. Dann besteht die Gefahr, dass sie bei der Fahrt vom Ritzel springt. Hier empfiehlt Bahtke eine Alternative. "Der Riemen besteht aus einer Kautschukart und ist mit Karbon verstärkt. Bei Fahrrädern mit Nabenschaltung kann er die Kette ersetzen." Das Bauteil ist deutlich stabiler, deswegen weniger anfällig für Pannen und weil er nicht geölt werden muss, auch leichter zu reinigen. "Mit einem Riemen kann man 6000 bis 15000 Kilometer fahren, dreimal so viel wie mit einer Kette."

Weitere Problemzonen am Drahtesel sind die Reifen und das Licht. "Wenn die Reifen nicht mit genug Druck aufgepumpt sind, ist das fahren nicht nur anstrengend, es kann auch zu Pannen an der Felge kommen", sagt Bahtke. "Und dass ein Fahrrad funktionierende Lampen haben muss, sollte selbstverständlich sein."

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Checkliste: Ist mein Fahrrad fit für die Saison?

Auch wenn man kein Fahrradexperte ist, sollte man einige Dinge prüfen, bevor man in die Fahrrad-Saison startet. Oliver Bahtke verrät, worauf man achten sollte, damit man sicher unterwegs ist.

1. Ist die Bremse noch wirksam?

2. Haben die reifen genug Druck?

3. Funktionieren Vorder- und Rücklicht?

4. Hängt die Kette durch?

Von Lisa Reschka und Sebastian Ernst

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Von KN-online

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