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Kiel Mission gegen die Verschwendung
Kiel Mission gegen die Verschwendung
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11:05 26.09.2018
Von Franziska Martin
Alicia Zahradnik sammelt als "Foodsaverin" Lebensmittel in Kiel ein und verteilt sie. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Gelassen sitzt Alicia Zahradnik vor dem Unverpackt-Laden in der Kieler Adelheidstraße. Ein ungewohnter Anblick, denn sonst sieht man sie dort eher in Action: Die Studentin holt hier Lebensmittel ab. Seit vier Jahren engagiert sie sich bei „Foodsharing“ – die deutschlandweite Initiative setzt sich für die Rettung von Lebensmitteln ein, die sonst weggeworfen werden.

„Ziel ist es, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen.“ Diesen Satz wiederholt Alicia Zahradnik mehrmals – es ist ein Anliegen, das ihr am Herzen liegt. Mit Lebensmitteln beschäftigt sich die 26-jährige auch auf wissenschaftlicher Ebene: Sie studiert im vierten Semester im Master Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Kieler Universität. Dafür steht sie momentan viel im Labor, sie befasst sich unter anderem mit Lebensmitteltechnologien.

Alicia Zahradnik rettete 3,5 Tonnen Lebensmittel

Ihr Ehrenamt neben ihrem Studium zu organisieren, bedeutet auch Arbeit: „Foodsharing macht einen Großteil meiner Freizeit aus“, sagt Alicia Zahradnik. Trotz des Aufwandes möchte sie nichts missen – zumal sie besonders die Gemeinschaft innerhalb der Community genießt, zum Beispiel, wenn jemand spontan beim Essenverteilen hilft.

Es war während eines Praktikums in Ecuador, als Alicia Zahradnik anfing, über den Umgang mit Lebensmitteln zu grübeln: „Ich fand es katastrophal zu sehen, wie wenig Essen Leute in anderen Ländern haben.“ Damals war sie 16, seitdem lässt dieser Gedanke sie nicht mehr los. Auf der Foodsharing-Website wird auch berechnet, wie viele Lebensmittel man bereits gerettet hat. Bei der Studentin sind es 3,5 Tonnen, so viel, wie ein Kleintransporter wiegt.

Wenn sie davon erzählt, wie ihre Freunde Lebensmittel dörren und verbacken, strahlen ihre blauen Augen: „Man wird kreativ, wenn man Essen konservieren möchte.“ Foodsharing funktioniert neben dem Engagement vieler auch aufgrund der Kooperationen mit Supermarktketten oder Bäckereien. In Kiel gibt es allein 35 Betriebe, die die Initiative unterstützen. Von ihnen kommt ein Großteil der Lebensmittel, die die Retter („Foodsaver“) abholen.

Foodsaver müssen pünktlich sein

Zahradnik ist eine von ihnen: In der Woche zieht sie ein- bis zweimal los. Wenn man Foodsaver werden möchte, sei es wichtig, verantwortungsvoll und pünktlich zu sein. Die 26-jährige hat fest zugeteilte Betriebe, für die sie die Abholungen koordiniert. Holt Zahradnik das Essen selbst ab, stellt sie dieses auf die Foodsharing-Website sowie in Whatsapp- und Facebookgruppen.

Diejenigen, die kommentieren, können sich das Essen dann bei ihr zu Hause abholen, solange bis es nichts mehr gibt. Manchmal hat die Studentin schon ein mulmiges Gefühl dabei, Fremde in die Wohnung zu lassen – Angst hat sie aber nicht. „Zur Not kann man sich ja auch auf der Straße treffen.“ Mitunter verteilt die Studentin selbst das Essen, das hat auch ihren Horizont erweitert: „Dadurch, dass ich oft Lebensmittel zu Flüchtlingsheimen und Obdachlosenheimen bringe, komme ich ein wenig aus meiner Studienblase heraus.“

Jeder Foodsaver kann selbst entscheiden, was er mit dem geretteten Essen macht. Eine Verpflichtung zum Verteilen gibt es nicht. Die 26-jährige macht das allerdings aus Prinzip: „Ich finde es schön zu sehen, dass die Leute sich über das Essen freuen. Neulich habe ich einen Korb roter Zwiebeln gerettet, der war super schnell weg.“

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