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Kiel Frau stirbt nach Feuerdrama
Kiel Frau stirbt nach Feuerdrama
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21:25 07.12.2016
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
 Eine Frau wurde vor der Mare Klinik in Brand gesteckt. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Grauenhafte Szenen in Kronshagen bei Kiel: Eine brennende Frau läuft über eine Straße, Passanten kommen ihr zu Hilfe. Wenig später nehmen Einsatzkräfte einen 41-Jährigen fest, der die Frau angezündet haben soll. Es ist ihr Ehemann. Die Kinder werden in Obhut genommen. Ein 41-jähriger Mann hat am Mittwochmorgen vor dem Mare Klinikum in Kronshagen seine getrennt von ihm lebende Ehefrau in Brand gesteckt. Sie wurde mit schweren Brandverletzungen in eine Spezialklinik eingeliefert. Dort starb sie um 17.30 Uhr an den schweren Brandverletzungen. Der Tatverdächtige wurde festgenommen. Nach Informationen der Polizei ist er 41 Jahre alt und vor 20 Jahren aus dem Togo nach Deutschland eingereist. Sein Aufenthaltstitel ist unbefristet. Das 38 Jahre alte Opfer ist die getrennt lebende Ehefrau des Mannes, die kurze Zeit nach ihm ebenfalls nach Deutschland eingereist ist.

Beide haben ihren Wohnsitz seit vielen Jahren in Kiel. Die Hintergründe seien zwar noch nicht abschließend geklärt, eine Beziehungstat kann jedoch angenommen werden.

Der Tatverdächtige habe sie unbestätigten Quellenberichten zufolge mit Benzin übergossen und daraufhin angezündet. Die Polizei bestätigte gegenüber KN-online, dass "ein Brandbeschleuniger" eingesetzt worden sei.

Brandanschlag wird rekonstruiert

Wie der Brandanschlag genau ablief, versuchen die Ermittler derzeit zu rekonstruieren. Nach Angaben der Polizei setzten mehrere Zeugen nach der Tat Notrufe ab, zwischen zehn und 20 Personen versuchten umgehend die Frau zu löschen. Diese lief vor dem Tatverdächtigen davon und ließ ihr Auto auf dem Gehweg zurück. Das Feuer mit herbeigeholten Decken und anderen Gegenständen zu ersticken gelang nur schwer, wie die 61-jährige Angela Hauschild aus Kiel berichtete. Sie beobachtete das schreckliche Geschehen und half.

Eine Frau ist auf einem Gehweg vor einer Klinik in Brand gesteckt worden. Hier zeigen wir Ihnen Bilder von den Ermittlungen.

Das Opfer stand ihrer Schilderung gemäß zunächst vollständig in Flammen und habe immer wieder laut geschrien. Nachdem das Feuer fast erloschen gewesen sei, flammte es aber plötzlich wieder auf. Hauschild beschrieb, wie ein Helfer daraufhin einen Feuerlöscher aus dem Mare Klinikum einsetzte. Auch die Hosenbeine des Tatverdächtigen brannten, er konnte das Feuer aber ausschlagen und flüchtete zunächst auf das Gelände eines nahen Industriebetriebs und dann in die Straße Eichkoppelweg, wo ihn herbeigerufene Polizeibeamte widerstandslos festnehmen konnetn. Ein Eintrag im anonymen Sozialen Netzwerk "Jodel" zu den Umständen der Festnahme erwies sich als falsch.

Opfer "hat so geschrien"

Das Bild der verbrannten Frau sei grauenhaft gewesen, erläuterte Zeugin Hauschild. "Es war nicht mehr erkennbar, ob es eine Frau oder ein Mann war", sagte ein Feuerwehrmann. Das Opfer hat bei der Tat schwere, lebensbedrohliche Verbrennungen erlitten. Die Frau wurde zunächst in den Schockraum der Uniklinik in Kiel gebracht und später in eine Spezialklinik in Lübeck eingeliefert.

Fakten zu Brandverletzungen

Jährlich werden in Deutschland zwischen 10 000 und 15 000 Menschen mit Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert. 10 Prozent davon haben  so schwere Verbrennungen, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden

Gemessen an der Ausdehnung werden 15 % verbrannte Körperoberfläche bei Erwachsenen und 10 % verbrannte Körperoberfläche bei Kindern als lebensbedrohlich angesehen.

Die Einteilung in die Schweregrade gibt erste Hinweise auf die Bedrohlichkeit der Verbrennung.

Verbrennungen 1. Grades

Grad I ist eine oberflächliche Verbrennung bei Temperaturen über 45 °C. Die Haut ist gerötet, doch nach wenigen Tagen abgeheilt. Dazu gehört auch ein Sonnenbrand.

Verbrennungen 2. Grades

Bei einer Verbrennung von Grad II ist die Haut oberflächlich bis tief verbrannt, und es kommt oftmals zur Blasenbildung. Es können Narben zurückbleiben.

Verbrennungen 3. Grades

Grad III ist eine Verbrennung, die bei Temperaturen über 60 °C entstehen kann. Diese ist bereits als schwer anzusehen, da die Unterhaut so geschädigt ist, dass die Haut durch ein Transplantat ersetzt werden muss.

Verbrennungen 4. Grades

Bei Grad IV ist die komplette Haut bis zum Fettgewebe zerstört und auch die Nerven, Muskulatur und schlimmstenfalls die Knochen sind beschädigt. Die Wunde muss intensivmedizinisch betreut werden.

"Das werde ich meinen Lebtag nicht vergessen", sagte Augenzeugin Hauschild. "Sie hat so geschrien." Als die Frau schließlich von den Einsatzkräften in den Rettungswagen geschoben wurde, habe das Opfer gerufen: "Meine Kinder, meine Kinder, was wird mit meinen Kindern?"

Kinder in Obhut genommen

Die beiden Kinder sind drei und sieben Jahre alt, sie wurden bereits von dem Kieler Jugendamt in Obhut genommen. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer sagte dazu am Abend: „Diese unfassbar grausame Gewalttat erschüttert mich zutiefst. Meine Gedanken sind bei beiden Kindern.“

Weitere Zeugen wurden am Mittwoch von Kriseninterventionsteams im Mare Klinikum betreut und gleichzeitig befragt, um weitere Details zur Tat herauszufinden. Der Bereich um das Mare Klinikum am Eichkoppelweg/Eckernförder Straße war zur Spurensicherung vollständig abgesperrt. "Für uns ist das hier eine Großlage", sagte Polizeisprecher Pohl.

Rückschau auf ähnliche Fälle

Die schreckliche Tat in Kronshagen ist in Deutschland kein Einzelfall, wie folgende Timeline zeigt:

Von Niklas Wieczorek und Günter Schellhase

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