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Kiel Kleinkunst ist ein hartes Brot
Kiel Kleinkunst ist ein hartes Brot
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22:44 22.06.2014
Von Anne Holbach
Anne Holbach hatte heute zum ersten Mal eine Melodica in der Hand. Für „Alle meine Entchen“ hat es gereicht. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Die Holstenstraße ist proppenvoll. Auf dem Asmus-Bremer-Platz packt die Polizei-Big-Band gerade ihre Instrumente ein, an der Ecke zum Holstenplatz verdient ein silbern angesprühter Mann als lebende Statue sein Geld. Der perfekte Platz, um sich als Kleinkünstler auszuprobieren.

 Ich starte mit einer Darbietung von „Alle meine Entchen“ und ernte irritierte Blicke. Immerhin eine Mutter mit Kind bleibt stehen, zeigt freudig auf mein Instrument: „Guck mal, eine Melodica.“ Eine ältere Dame sagt zu ihrem Mann „Och schön.“ Motiviert starte ich mit meinem zweiten Stück: „Bruder Jakob“ – und verspiele mich prompt. „So spielst du auch...“, sagt die Mutter zu ihrer vielleicht sechsjährigen Tochter und geht weiter. Applaus? Fehlanzeige. Ohnehin bleibt kaum jemand stehen, auch nicht, wenn ich mitten auf der Straße stehe. Keiner wirft Geld in meinen Hut.

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 Ich probiere es mit einem Instrumentenwechsel, packe den Schellenkranz aus und schlage mich ein bisschen warm. „Toll, ist das alles?“, fordert mich ein Mann heraus. Natürlich nicht. „Para bailar la bamba, para bailar la bamba“, fange ich an zu singen – zwar schief, aber voller Inbrunst und immerhin auf Spanisch. Tatsächlich singt eine Passantin kurz mit und ein älterer Herr tänzelt ein paar Schritte. Ich freue mich über diesen kleinen Erfolg. Denn die meisten Passanten gucken mich nur mitleidig an oder steigern peinlich berührt ihr Lauftempo. „Welche Wette hat die denn verloren?“, höre ich mehrfach. „Da kannst du dich ja auch hinstellen“, sagt ein Mann zu seiner Gattin.

 Mit einem altbewährten Kennenlernspiel aus dem Ferienlager will ich versuchen, die Leute zum Mitmachen zu animieren. „Hey Du, wie heißt denn Du?“ spreche ich gezielt einen Jungen an. „Spielst du mit mir das Schüttelspiel?“ Die ernüchternde Antwort: „Nö.“ Mache ich eben alleine weiter: „Und oben schüttel, schüttel, schüttel...“ Ich höre noch, wie die Mutter im Vorbeigehen sagt: „Dabei kennst du das Spiel doch.“ Das Kieler Publikum ist eine harte Nuss. Nichts können reicht nicht.

 Deswegen habe ich mithilfe von Youtube-Videos auch zwei Zaubertricks vorbereitet. Ich kann ein Gummiband vom kleinen Finger zum Zeigefinger wandern lassen. Dieser zugegebenermaßen schlechte Trick bringt auf der Straße immerhin ein paar Menschen dazu anzuhalten. Erfreut über mein plötzliches Publikum, zeige ich gleich ein zweites Kunststück und lasse einen Fünf-Euro-Schein scheinbar auf meiner Hand schweben. Leider können alle die seitlich von mir stehen, sehen, wie das funktioniert. Die enttäuschten Zuschauer gehen weiter. Ich ziehe meinen letzten Joker: Kirchenlieder.

 Bei „Laudato si“ schunkeln zwei Männer mit. Verdient habe ich immer noch nichts. Tapfer stimme ich mein letztes Lied an: „Danke für meine Arbeitsstelle, danke für jedes kleine Glück, danke für alles Frohe, Helle und für die Musik.“

 Tango, Wakeboard oder Bierkrüge?

 Unsere Kieler-Woche-Reporter sind unermüdlich. Unter dem Motto „Frei nach Wahl“ stellen sich heute wieder Anne Holbach und Niklas Schomburg der Abstimmung auf kn-online. Dort bestimmen unsere Leser, wer welches der drei Themen in Angriff nehmen soll. Die Reportage lesen Sie dann in der Mittwoch-Ausgabe. Zur Auswahl stehen diesmal:

 Der Tango-Test: Wir belegen eine Stunde am argentinischen Stand, berichten über den Unterricht und hoffen, dass wir niemandem auf die Füße treten.

 Der Wasser-Test: Wir nehmen am Wakeboard-Rennen im Bootshafen teil und lassen uns übers Wasser ziehen. Ein Tipp: Beim Paula-Print-Run ab 16 Uhr kann jeder teilnehmen.

 Der Bierkrug-Test: Wir bewerben uns im Bayernzelt und helfen beim Waschen der Bierkrüge an.

 Und so funktioniert es: Die Online-Abstimmung über die Themen ist bis Montag um 16 Uhr möglich auf www.kn-online.de/freinachwahl

 Sie haben einen Vorschlag, welche Themen unsere Reporter auf der Kieler Woche in Angriff nehmen sollen? Mailen Sie uns an lokalredaktion@kieler-nachrichten.de oder schreiben sie an Lokalredaktion, Fleethörn 1-7, 24103 Kiel.