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Kiel Voller Einsatz morgens um sechs
Kiel Voller Einsatz morgens um sechs
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07:10 21.06.2014
Von Günter Schellhase
Frische Croissants gehören zu einem gemütlichen Frühstück und sind schnell aufgefuttert. Hotelpraktikant Günter Schellhase holt Nachschub aus der Küche und füllt das Büfett wieder auf. Quelle: fpr: Frank Peter
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Kiel

Geschirr abräumen, Tische wischen, Saft nachfüllen – dafür benötigt man kein Diplom, denkt der Rechercheur. Also auf geht’s in den Saal zu den fixen Damen vom Service. Sie, liebe KN-Leser, wollten es so.

Nach und nach kommen die Gäste, um sich für den Tag zu stärken. Manche fröhlich frisch, andere unausgeschlafen auf der Suche nach einem starken Kaffee. „Wir begrüßen jeden Gast mit einem freundlichen ,Guten Morgen’“, erklärt mir die 21-jährige Frühstücksdirektorin. Also lockere ich meine Gesichtsmuskeln, versuche, die Mundwinkeln nach oben zu ziehen. Bei der jungen Frau hinter dem Pult, an der die Besucher vorbei defilieren müssen, scheint es zu klappen – sie schenkt dem Hotelpraktikanten ein Grinsen.

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 Das „Guten Morgen“ kommt beim ersten Gast flüssig über die Lippen und wird freundlich erwidert. Erste Lektion verstanden. Die zweite: Abräumen und abwischen. „Sie nehmen sich jetzt ein Tablett, machen die Lappen nass und gucken, wo benutztes Geschirr steht. Und aus der Küche immer rechts aus der Schiebetür gehen, damit wir keine Unfälle haben. Reingegangen wird links“, erklärt mir Merle Petersen. Auch das sollte ich hinkriegen. Also flugs forsch raus und unerschrocken ermittelt, wer schon sein Frühstück intus hat oder wo ein Tisch wie ein Schlachtfeld aussieht. Etwa 50 Monteure einer arabischen Firma nächtigen seit Wochen im Atlantic und werden früh zu ihrer Arbeitsstelle nach Rendsburg gefahren. Sie sind jeden Morgen die Ersten am Büfett. Die habe ich scharf im Blick, sobald sie aufstehen, bin ich sofort da. Vielleicht gibt es bessere Methoden, Geschirr auf dem winzigen Tablett zu stapeln, aber es fällt nichts runter.

 Nachdem ich die Eierschalen und Brötchenreste in der Küche „Schweineeimer“ abgesondert habe, will ich eigentlich wieder neu eindecken. Doch die Tassen kann ich gleich wieder mitnehmen – da war wohl eine der netten Servicedamen schneller. Mir scheint, die jungen und schnieke aussehenden Frauen sind heute besonders gut gelaunt. Ganz entfernt in meinem hinteren Kopf schafft sich eine winzig kleine Ahnung Platz, dass möglicherweise ich es bin, der sie erfreut. Diese Ahnung verstärkt sich ein wenig, wenn ich sehe, wie die Profis jeden Gang optimal nutzen und tausend Dinge gleichzeitig machen. Dafür kann ich aber einen Kugelschreiber zusammenbauen, mit Feder und so...

 Würde ich auch gerne zeigen, soll aber in einem Bürokabuff erst einmal Messer, Gabel und Löffel für das Frühstück am kommenden Tag ordnungsgemäß in Stoffservietten einpacken. Bei 187 Zimmern kommen gut und gerne 300 Gäste zum Morgenmahl. Merle Petersen zeigt die Handgriffe. Als ich dann das zehnte Päckchen fertig habe, finde ich Gefallen daran. Hat was Meditatives, kann ich zehn Stunden weitermachen, Käffchen dabei, perfekt. Aber denkste!

 Frühstücksdirektorin Petersen scheucht mich schon wieder los – die Tagungsräume mit Getränken bestücken. Ich drapiere Cola, Saft und Wasser in Kühlbehältern, kriege aber gleich die Anweisung, dass das doch auf jedem Tisch identisch auszusehen hat. Hätte ich auch selbst drauf kommen können! Unglücklicherweise habe ich so den Ansturm auf das Büfett verpasst, konnte zu meinem Bedauern nicht großartig helfen. Klammheimlich schleiche ich mich ins Bürokabuff zurück und rolle schnell noch ein paar Messer, Gabeln und Löffel in Stoffservietten.