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Kiel Vor Rathaus Kiel: Mahnwache fürs Klima
Kiel Vor Rathaus Kiel: Mahnwache fürs Klima
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17:17 20.05.2019
Von Sebastian Ernst
Jonas Grünzner, Marei Schippmann, Luca Brunsch, Gaya Langkabel und Anastasia Rutkowski (v.li.) und viele weitere Schüler und Studenten halten vom 17. bis 24. Mai vor dem Rathaus in Kiel eine Mahnwache für das Klima ab. Quelle: Kerstin Tietgen
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Kiel

Seit Freitag, 17. Mai, bis zum nächsten Schulstreik am Freitag, 24. Mai, halten sie durchgängig eine Mahnwache auf den Stufen des Rathauses in Kiel ab. "Wir sind 24/7 hier, auch nachts", sagt Luca Brunsch. "Wir wollen erreichen, dass Klimapolitik bei der Europawahl am Wochenende eine große Rolle spielt."

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Der Theologiestudent ist seit Sonntag um 20 Uhr auf den Beinen. "Nur zwischen 3 und 5.45 Uhr hab ich eine kurze Pause eingelegt", sagt er. Früher habe er als wissenschaftliche Hilfskraft im Bereich erneuerbare Energien gearbeitet. "Das ist so ein Thema, je mehr man sich damit beschäftigt, desto entsetzter ist man", sagt er. "Wir können überall auf der Welt beobachten, dass die Zahl der Rekorddürren dramatisch zunimmt. Wir hatten letztes Jahr auch in Deutschland den Hitzesommer. So langsam merkt, glaube ich, jeder, dass sich etwas zu ändern beginnt."

"Jeder übernimmt einzelne Schichten"

24 Stunden am Stück sitzt aber keiner der Aktivisten von Fridays for Future vor dem Rathaus. "Jeder übernimmt einzelne Schichten", sagt Anastasia Rutkowski. "Leute, die vorbeikommen, um andere abzulösen, bringen oft Essen oder Decken mit." Bei vielen Passanten stößt das Engagement der Aktivisten auf Wohlwollen.

"Das ist eine ganz wichtige Sache, nicht nur für junge Leute, auch für die Älteren", sagt der 74-jährige Ralf Knape. "Ich bin gestern Urgroßvater geworden. Für meine Enkel und Urenkel wünsche ich mir, dass sie wieder in aller Ruhe durch die Wälder gehen können."

Auch Bayan Eqbalbanu begrüßt, dass sich Jugendliche politisch engagieren. "Ich finde das ganz toll, aber ich bin nicht für Schulvernachlässigung", sagt sie. Ihre eigenen Kinder würden zwar nicht an den Streiks teilnehmen, sich aber beispielsweise über Müllsammel-Aktionen für die Umwelt einsetzen. Auch bei ihrer Wahlentscheidung bei der Europawahl am Sonntag will Eqbalbanu einen Schwerpunkt auf die Umwelt- und Klimapolitik der Parteien legen. "Das muss auch so sein", sagt sie. "Sonst steht die Welt vor schweren Zeiten."

Bis zur nächsten Demo am Freitag bleiben die Schüler sitzen

Es kämen aber auch weniger wohlgesonnene Passanten vorbei, sagt Brunsch. "Am Montagmorgen kam einer vorbei und erzählte uns, dass es den menschengemachten Klimawandel gar nicht gebe, aber uns zuhören oder mit uns diskutieren wollte er nicht."

Davon lassen sich die Aktivisten aber nicht entmutigen. Der nächste Schulstreik für das Klima findet am Freitag um 9.30 Uhr statt. Und bis dahin, so verspricht es auch Anastasia Rutkowski, sitzt immer jemand auf den Stufen des Kieler Rathauses sitzen. Rund um die Uhr.

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