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Kiel NDR-Redakteur hat als „Berater“ eine halbe Million kassiert
Kiel NDR-Redakteur hat als „Berater“ eine halbe Million kassiert
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20:17 18.02.2016
Von Thomas Geyer
Ein früherer Redakteur des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in Kiel soll seine Tätigkeit im öffentlich-rechtlichen Sender ausgenutzt haben, um sich zu bereichern. Quelle: Arne Dedert/dpa
Kiel

Das Geld hätten er und seine Frau für einen luxuriösen Lebensstil genutzt, erklärte der Staatsanwalt. Neben dem Bauernverband und der Deutschen Bahn gehörten auch der Bund der Steuerzahler und das Kieler Institut für Weltwirtschaft zu seinen zahlenden Kunden.

Kaminkehrer bringen bekanntlich Glück. Laut Anklage habe allein die Landesinnung der Schornsteinfeger, die nach einer EU-Forderung die Aufhebung ihrer Bezirksmonopole befürchtete, 186000 Euro investiert. Doch letztlich hätten die Schornsteinfeger das Geld auch durch den Kamin jagen können. Denn der wegen Bestechlichkeit und Betrugs angeklagte Redakteur nahm sein Vorschlagsrecht für die Programmgestaltung des Senders nie wahr.

So soll es in fast allen 69 angeklagten Korruptionsfällen gelaufen sein: Die zahlenden Vertragspartner des Journalisten, der als Amtsträger bei der Rundfunkanstalt und als Vorsitzender der Landespressekonferenz der Objektivität besonders verpflichtet war, glaubten in ihm einen verdeckten Lobbyisten in Politik und Medien zu haben. Die Verfahren gegen die Vertragspartner von Gerd R. sind laut Staatsanwaltschaft inzwischen alle eingestellt worden.

Die erhoffte Image-Aufbesserung ließen sich Unternehmen wie die damals auf Expansion bedachten Kliniken der Damp Holding bis zu 6000 Euro monatlich kosten. Am 1. April 2010 überwies auch das Institut für Weltwirtschaft 5950 Euro auf das Konto von Gerd R.s Ehefrau.

Dann wurden die Korruptionsvorwürfe publik, zogen sich das IfW und andere Partner zurück. Kein Verantwortlicher der betroffenen Institutionen will jemals eine Unrechtsvereinbarung mit dem Angeklagten getroffen haben.

IfW-Präsident Dennis J. Snower (65) nahm es nach den Worten von Staatsanwalt Bijan Nowrousian damals jedoch „positiv auf“, dass der Angeklagte dem Institut auch Fernsehberichte bei anderen ARD-Sendern in Aussicht gestellt habe. Gestern wehrte sich Gerd R. in einer von Strafverteidigerin Annette Marberth-Kubicki verlesenen Erklärung gegen den Vorwurf, jemals Sendezeiten verkauft zu haben. Und ließ erklären: „Ich habe nie journalistische Grundsätze verletzt.“

Dagegen sprechen sichergestellte Mails des Angeklagten an seine Partner mit belastenden Formulierungen wie „Da ich Sie so häufig ins Programm drücke…“ (Bund der Steuerzahler) oder „Ich habe das beim NDR ins Gespräch gebracht“ (Stadtwerke Flensburg). „Klappern gehört zum Handwerk“, erklärt Gerd R. heute solche Äußerungen.

Tatsächlich brauchte der Angeklagte gar nicht selbst tätig zu werden, meist hatten andere NDR-Kollegen bereits aus eigenem Antrieb über seine Klienten berichtet. Dem Eindruck, an diesem „Erfolg“ mitgewirkt zu haben, habe er zumindest nicht widersprochen, räumt der Angeklagte ein. Er habe versucht, seine Kunden zu halten, aber keine ausdrücklichen Absprachen getroffen. Ob diese Erklärung dem „werthaltigen Geständnis“ entspricht, für das die Wirtschaftsstrafkammer im Rahmen eines Deals maximal zwei Jahre auf Bewährung zugesagt hat, bleibt abzuwarten. Das Verfahren gegen die wegen Beihilfe angeklagte Ehefrau (59), die vor Gericht von Wolfgang Kubicki vertreten wird, hat das Gericht bereits gegen Zahlung von 15000 Euro an eine Blindenhilfsorganisation eingestellt. Zudem muss das Ehepaar damit rechnen, dass der Staat bis zu 170000 ihres zu Unrecht erworbenen Vermögens einzieht. Einige Fälle seien verjährt und Gerd R. habe teilweise auch legale PR-Arbeit geleistet, argumentierte das Gericht.

Günther Jesumann, Vorsitzender des Deutschen Journalisten Verbandes Schleswig-Holstein, hat sein Urteil gefällt. Der Ex-NDR-Mann habe dem „Journalismus einen Bärendienst erwiesen“ und „seinen Kunden glaubhaft gemacht, journalistische Inhalte seien kaufbar“, sagte Jesumann am Rande des Verfahrens.

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