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Kiel Momentan steht nur noch die Hülle
Kiel Momentan steht nur noch die Hülle
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00:15 21.01.2014
Von Christoph Jürgensen
Die massiven gemauerten Gewölbe des unteren Wassertanks sind entfernt. Im Moment bietet der Wasserturm einen einzigen großen Innenraum. Quelle: Christoph Jürgensen
Kiel

Tonnenweise Erde hat der Bagger in den letzten Wochen bewegt. Der Sockel des unteren Wassertanks unter dem eigentlichen Wasserturm ist freigelegt. „Wir haben den Turm auf ein verstärktes Fundament gestellt“, erklärte Bauleiter Kelm. Per Hochdruckinjektion wurde dafür an 250 Stellen rundherum ein Zement-Wasser-Gemisch eingepresst. Das Ergebnis: 250 zusätzliche Pfähle, die bis in zwei Meter Tiefe reichen.

 Im Moment schaffen Bagger rund um den Turm den Aushub für die künftige Tiefgarage. Parallel werden die nötigen Grundleitungen, etwa zur Wasserver- und entsorgung, gelegt. Im Anschluss soll das Fundament für die Tiefgarage gegossen werden. Sie wird einmal 77 Stellplätze zur Verfügung stellen. Etwa die Hälfte davon ist für die Wasserturm-Bewohner vorgesehen, die restlichen Plätze können extern vergeben werden, zum Beispiel an Anwohner der näheren Umgebung.

Es ist ein weit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus einmaliges Wohnungsbauprojekt: In den alten Wasserturm auf dem Ravensberg soll neues Leben einkehren. Inzwischen ist das Bauwerk auf seine historische Hülle reduziert. Im Ortsbeirat berichteten Projektleiter Michael Kelm und Peter Plambeck von der GVI Immobilien GmbH über den aktuellen Stand der Bauarbeiten.

 Auch im Inneren des historischen Zweckbaus hat sich einiges getan. Wo einmal der Haupteingang des Wohnhauses entstehen soll, wurde mit schwerem Gerät ein Loch in das bis zu zwei Meter dicke Mauerwerk gefräst und dann so aufgeweitet, dass ein ausgewachsener Bagger hindurch fahren konnte. Denn es galt, die massiven Gewölbedecken, die einst schwere Pumpen und Maschinen getragen haben, zu entfernen. Stück für Stück hat sich der Bagger durch bis zu anderthalb Meter kompakten Backstein und diverse Stahlträger gefressen.

 Inzwischen ist die Zwischendecke restlos verschwunden, nur noch die kunstvoll gemauerten Verzahnungen zur Außenwand sind zu erkennen. Demnächst wird das alte Mauerwerk von Farbe und Beschichtungen befreit, um seinen besonderen Reiz herauszuarbeiten.

 Ende Januar geht das Projekt dann in eine neue Phase. Auf dem Baugrundstück soll ein 50 Meter hoher Kran mit einem 65 Meter langen Ausleger in die Höhe wachsen. „Es ist schon eine Herausforderung, dieses Geschütz auf eine relativ kleine Baustelle zu bringen“, so Kelm. Am 29. Januar soll der Kran betriebsbereit sein und dann in den nächsten Monaten die verschiedenen Baumaterialien an ihren Bestimmungsort bringen. Eine seiner ersten Aufgaben wird es sein, Teile des alten Turmdaches zu entfernen, um Arbeiten am oberen Tankbereich zu ermöglichen.

 Im Juni 2015 soll das Wohnhaus der besonderen Art fertiggestellt sein. Insgesamt 34 Eigentumswohnungen zwischen 87 und 180 Quadratmetern – jede ein Unikat – haben die Hamburger Projektentwicklungsfirma BPB und die GVI Immobilien GmbH Kiel in und um den alten Wasserturm geplant, dazu eine weitere Wohnung im ehemaligen Trafohäuschen auf dem Grundstück. „Der Wasserturm ist das Gebäude mit der größten Kaufpreisspanne in Kiel“, berichtete Peter Plambeck von GVI Immobilien. Je nach Lage rangierten die Quadratmeterpreise zwischen 2250 und 4930 Euro. 70 Prozent der Wohnungen seien bereits verkauft, fast ausschließlich an Eigennutzer.

 Der Ortsbeirat zeigte sich hocherfreut über den Verlauf des Projekts. Die anfängliche Unruhe und die bange Frage „Was wird aus unserem Wasserturm?“ seien großer Begeisterung gewichen, so Alexander Blazek (CDU). „Wir dürfen dankbar sein, dass dieses Denkmal mit einem solch tollen Projekt erhalten bleibt“, sagte er und erinnerte daran, dass der zunehmende Verfall des Wasserturms die Alternative gewesen wäre.