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Kiel Gaardens Wohnprobleme wachsen
Kiel Gaardens Wohnprobleme wachsen
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06:15 11.11.2016
Von Martin Geist
Wilde Müllablagerungen sind ein Dauerproblem in Gaarden. Quelle: Martin Geist
Gaarden

Das könne nur bedeuten, dass zahlreiche vorhandene Wohnungen viel dichter belegt sind als zuvor, schlussfolgerte Stadtrat Gerwin Stöcken und nannte Extremfälle, in denen sich bis zu zehn Menschen eine Zwei-Zimmer-Wohnung teilen.

 Und das aus teils absurden Gründen. Nicht zuletzt in den sozialen Netzwerken kursiert offenbar das Gerücht, dass es in Kiel leichter sei, eingebürgert zu werden als in anderen Städten. Auch heißt es bei Facebook und Co., man müsse nur ein paar Wochen in einer überfüllten Wohnung ausharren und habe dann einen Anspruch, von der Stadt eine eigene Bleibe zugewiesen zu bekommen. „Woher das kommt, weiß ich nicht“, wunderte sich Stöcken, der noch weitere Ursachen für den Zustrom nach Gaarden nannte: Zwar habe die Verwaltung im Stadtteil mit Bedacht – abgesehen von der bereits vorhandenen Gemeinschaftsunterkunft im Brook mit 100 Plätzen – keine weiteren derartigen Einrichtungen geschaffen, auch vermittle man Flüchtlingen mit Aufenthaltsstatus nur in Ausnahmefällen eine Wohnung in Gaarden. Vielfach entschieden sich die aus Syrien, dem Irak oder anderen Ländern stammenden Neu-Kieler aber aus freien Stücken für Gaarden. Vergleichsweise günstige Mieten und der Umstand, dass schon Freunde oder Verwandte dort leben, geben meist den Ausschlag für diese Entscheidung.

 4200 Flüchtlinge hat die Stadt Kiel im vergangenen Jahr aufgenommen, davon leben aktuell inklusive der Unterkunft im Brook 660 in Gaarden. Weil es sich dabei zu einem großen Teil um Familien handelt und damit zu rechnen ist, dass in etlichen Fällen über kurz oder lang Angehörige aus den Herkunftsländern nachziehen, steigt der Bedarf an Kindergarten- und mit entsprechender Verzögerung auch an Schulplätzen. Eine neue Kita soll deshalb im Ernestinenstraße entstehen, das Thema Schule hat die Stadt ebenfalls im Blick.

 Verschärft wird der Druck auf Gaarden durch ein noch weitaus problematischeres Phänomen: die sogenannten „EU-freizügigkeitsberechtigten Ausländer“. Schätzungen beziffern deren Zahl auf etwa 900 größtenteils in Gaarden lebende Menschen, die meisten von ihnen stammen aus Bulgarien und Rumänien und gehören wohl zu einem großen Teil zur Volksgruppe der Roma. „Die haben ein Recht, sich in Deutschland aufzuhalten“, betonte Stöcken.

 „Nahe an Sklavenhalterei“ seien jedoch vielfach die Lebensbedingungen dieser Personengruppe. Ein Zimmer für zehn Leute, Vermieter, die zugleich Arbeitgeber sind und nur zum Schein den Mindestlohn zahlen, handfeste Drohungen gegen jene, die sich zur Wehr setzen: All das ist laut Stöcken in hohem Maße prägend. Über Subunternehmen von Subunternehmen landen die Betroffenen beispielsweise auf Schiffen, wo sie für Hungerlöhne auf Schiffen putzen. Begehren sie auf, dann werden sie von mächtigen Hintermännern zurück in ihre Heimat geschickt.

 Solche Machenschaften nachzuweisen und juristisch aufzuarbeiten, gilt allerdings als extrem schwierig. Zumal die meisten Bulgaren und Rumänen wegen schlechter Erfahrungen in ihrer Heimat vor der Zusammenarbeit mit den Behörden zurückschrecken. Etwas Hoffnung macht lediglich ein von der EU gefördertes Projekt, in dem sich die Türkische Gemeinde und der Landesverband der Sinti und Roma um die Problematik kümmern wollen.

 Doch klar ist, dass von der öffentlichen Ordnung bis zum Run auf Schulen und Kindergärten der Druck auf Gaarden gewaltig ist. „Wir machen uns Sorgen“, bekannte SPD-Ortsbeiratsmitglied Ute Kohrs-Heimann. Ihr Vorschlag: Alle sozialen Träger aus dem Stadtteil sollten an einen Tisch kommen, um sich neue Konzepte für den Umgang mit der Situation stricken.

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