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Kiel Meike Evers-Rölver: „Es hat sich echt gelohnt“
Kiel Meike Evers-Rölver: „Es hat sich echt gelohnt“
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01:00 20.11.2015
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Meike Evers-Rölver hat einen Gastbeitrag zum Bürgerentscheid Olympia 2024 in Kiel verfasst. Quelle: Patrick Nawe
Kiel

Ich denke dabei an die Fußball-WM 2006. Unabhängig davon, wie die Vergabe gelaufen ist – ich fand es faszinierend, welche Stimmung damals in Deutschland herrschte. Die gemeinsame Freude, Gastgeber bei einem so großen Sportevent zu sein, war allen anzumerken und war auch mitreißend. Ich hatte mir damals sogar extra ein Deutschland-Fähnchen für mein Fahrrad besorgt. Und ich bin sicher, die Stimmung würde bei Olympischen Spielen in Kiel kaum anders sein.

 Ebenso wichtig wie das olympische Flair sind für mich aber auch die städtebaulichen Perspektiven. Kiel und Hamburg haben beide die Kosten möglichst genau ausrechnen lassen. Sicher, die Kosten für Hamburg werden sehr hoch sein. Für Kiel geht es um Millionen, für Hamburg um Milliarden. Ich denke aber, dass die Stadt Kiel hier eine Chance geboten bekommt, einen Zuschuss für städtebauliche Maßnahmen zu erhalten, den sie ohne die Olympischen Spiele nicht bekommen würde. Langfristig ist es eine sinnvolle Investition, von der auch die nachfolgenden Generationen profitieren können. Was für die Segelspiele 1972 entstand, wirkt ja auch heute noch nach. Der Nachhaltigkeitsgedanke wird inzwischen auch beim IOC stärker verfolgt als bei früheren Bewerbungen.

 Als junge Sportlerin waren Olympische Spiele für mich ein Traum. Nun ist es ein Traum, solche Spiele vor der Haustür erleben zu dürfen. Ich werde nie vergessen, dass ich meine ersten Spiele in Atlanta eher durch Zufall erleben durfte. 1996 bin ich da fast ein bisschen reingestolpert. Ich war 19 und hatte bei der Rotsee-Regatta in Luzern nach meinem überraschenden Sieg im Einer-Halbfinale die Qualifikation geschafft. Ich habe gedacht, wie genial ist das denn und habe erst mal vor Freude geweint.

 In Atlanta bin ich dann in der Einer-Konkurrenz 13. von 17 geworden und habe daraus etwas Wichtiges gelernt: Es gibt Teilnehmer, Finalteilnehmer, Medaillengewinner und Sieger. Und der Unterschied zwischen den Kategorien ist jeweils ziemlich groß. Beim nächsten Mal wollte ich dann auf jeden Fall mehr erreichen. Das war fortan mein Ziel für Sydney 2000, wo es ja auch mit der Goldmedaille im Doppelvierer geklappt hat. Dafür habe ich hart trainiert, und ich muss sagen, ich würde es wieder tun, es hat sich mehr als gelohnt.

 Trotzdem habe ich danach aus beruflichen Gründen mit dem Leistungssport aufgehört. Die Ausbildung bei der Polizei war mir wichtiger. Ende 2002 kam ich nach einer Reise nach Athen auf die Idee, doch noch mal Olympische Spiele als Athlet erleben zu wollen und fing wieder mit dem Training an. Ich arbeitete halbtags und hatte die Sicherheit, jederzeit Vollzeit arbeiten zu können, falls etwas schieflaufen sollte. Dadurch hatte ich eine mentale Stärke, die mir half, auch in Athen noch einmal Gold zu gewinnen. Aus meiner Erfahrung kann ich jedem jungen Talent nur raten, alles zu investieren, um sich einen solchen Riesentraum erfüllen zu können. Engagement, Disziplin und Konsequenz, die einen Spitzensportler ausmachen, fördern die Persönlichkeitsentwicklung. Und die Entwicklung einer Stadt kann Olympia ebenfalls nur fördern.

 Steckbrief Meike Evers-Rölver:

 Geboren am 6. Juni 1977 in Berlin, aufgewachsen in Preetz feierte sie 1993 bei der Junioren-WM mit dem Doppelvierer ihren ersten großen Titel. 1995 wurde sie Junioren-Weltmeisterin im Einer und 1996 bei Olympia in Atlanta 13. 1997 wurde sie Weltmeisterin im Doppelzweier, 1999 Weltmeisterin im Doppelvierer. Es folgten die olympischen Goldmedaillen mit den Doppelvierern in Sydney 2000 und Athen 2004. Die Kriminalkommissarin lebt in Kiel, ist verheiratet und Mutter einer Tochter.

Unternehmer sind meist Zahlenmenschen. Aber Zahlenspiele zur Kosten- und Nutzenanalyse Olympischer Spiele sucht man derzeit in Wirtschaftskreisen vergeblich. Trotzdem sind sich die meisten Unternehmer im Norden einig: Schon die Bewerbung allein hätte einen unbezahlbar wertvollen Effekt für die gesamte Region – vorausgesetzt die Bürgerentscheide in Hamburg und Kiel am 29. November laufen auf ein „Ja“ zu den Spielen hinaus.

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