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Kiel Menschen rotteten etliche Riesen aus
Kiel Menschen rotteten etliche Riesen aus
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21:00 21.02.2017
Von Susanne Blechschmidt
Diese Sedimentkerne stammen von der Expedition 2003, die Prof. Dirk Nürnberg (li.) und Dr. Joachim Schönfeld vor der australischen Bucht aus dem südlichen Indischen Ozean in 1070 Metern Tiefe gewonnen haben. Der 8,40 Meter lange Kern bildet 150000 Jahre Erdgeschichte ab. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Doch, wie so oft in der Erdgeschichte, verschwand auch diese Idylle mit den bis zu drei Meter großen Tieren vor rund 43100 Jahren komplett von der Bildfläche. Lange stritt die Fachwelt über die Gründe des relativ abrupten Massenaussterbens. „Sowohl der Mensch als auch klimatische Veränderungen wurden als Ursachen diskutiert“, sagt der Paläo-Ozeanograph Prof. Dirk Nürnberg vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Doch seit der Veröffentlichung ihrer aktuellsten Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift „Nature Communications“, an der Nürnberg ebenso wie sein Kieler Fachkollege Dr. Joachim Schönfeld als Koautoren in einem internationalen Forschungsteam beteiligt waren, weiß man: Schuld war der Mensch.

„Eigentlich waren wir 2003 ausgezogen, um den südwestlich um Australien fließenden Leeuwin-Strom und dessen Auswirkungen auf das Klima zu erforschen – gefunden haben wir ein jahrhundertelanges Barbecue.“ So beschreibt Ozeanograph Schönfeld (58) die Ausrottung einer ganzen Großfauna durch den Homo sapiens binnen 2000 Jahren durch intensive Bejagung und Verzehr. Die Vorfahren der Aborigines waren vor gut 50000 Jahren über den indonesischen Inselarchipel nach Australien eingewandert. „Unsere Untersuchungen zeigen präzise, dass sich das Verschwinden der Megafauna in Südwest-Australien zwischen 45000 und 43100 Jahren vor heute abgespielt hat“, kann Nürnberg (56) die Informationen vom Meeresgrund interpretieren, die in einem Bohrkern von jener Expedition 2003 vor der Australischen Bucht aus dem südlichen Indischen Ozean stecken. „Dieses kurze Zeitintervall war weder mit größeren Veränderungen des Klimas noch mit der Vegetation verbunden. Aber es passt genau mit der Ausbreitung des Menschen und der damit einhergehenden Bejagung der Megafauna zusammen. “

Die nahezu monochrom beigefarbenen Abschnitte des Bohrkerns, bei deren Anblick der Laie nichts erahnt, stellen für die Wissenschaftler ein riesiges Archiv mit massenhaften Informationen über vergangene Umweltbedingungen dar. Diese lassen sich jedoch nur mit aufwändigen Untersuchungen herausfiltern. So wurden am Geomar mithilfe der Sauerstoff-Isotopen-Methode an Mikrofossilien – überwiegend amöboide Einzeller mit massiver Schale – äußerst genaue Zeitskalen für einen Zeitraum von insgesamt 150000 Jahren erstellt. Den biologischen Durchbruch für jene kurze Periode, in der der Mensch auf die Megafauna Australiens traf, brachte die Entdeckung der Pilzspore Sporomiella. Diese kam ausschließlich auf dem Kot von großen Pflanzenfressern vor und gilt den Forschern als sicheres Indiz für die Megafauna. Um 43100 vor heute fiel die Häufigkeitskurve der Spore schlagartig ab – genau 2000 Jahre nach dem Auftauchen des Menschen. „Dieser für Umweltprozesse sehr kurze Zeitraum lässt auf einen direkten Zusammenhang schließen.“

Mit der gleichen Überzeugung stehen insgesamt acht Koautoren aus Australien, den USA, Deutschland und den Niederlanden hinter ihren jeweiligen Methoden. „Wir sind so weit und stehen zu unserer Aussage“, sagt Nürnberg. Gewissheit für die Tragweite der Ergebnisse schwingt in seiner Stimme mit – und die Sorge, dass sein Appell zu mehr Bewusstsein für unsere Umwelt ungehört verhallt. „Wir forschen mit Steuergeldern und haben eine Bringepflicht an die Öffentlichkeit. Aber diese hat auch eine Nimmschuld!“ So ließe sich aus dem Forschungsergebnis viel für die Gegenwart ableiten. „Der Dorsch wird gerade nachhaltig durch menschliche Ignoranz ausgerottet. Ein Eingriff in die Natur, der nicht zu verantworten ist.“

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