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Kiel Sie ist Expertin für Meeresschätze
Kiel Sie ist Expertin für Meeresschätze
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08:00 19.04.2019
Von Annette Göder
Von ihren zahlreichen Exkursionen auf Forschungsschiffen hat die Geomar-Mitarbeiterin Heidi Gonschior in 55 Jahren viele verschiedene Meereslebewesen mitgebracht und präpariert wie zum Beispiel Jakobsmuschels, Hummer, Haie, Krebse, Rochen und Korallen. Quelle: Annette Göder
Kiel

„Schon als Kind mochte ich Tiere sehr gern und habe den einen oder anderen Frosch mit nach Hause gebracht“, erinnert sich die gebürtige Usedomerin, deren Vater Schiffsingenieur war. Als gelernte Medizinisch-technische Assistentin untersuchte sie dann am damaligen Institut für Meereskunde, dem Vorgänger des Geomar, Meerestiere und -pflanzen unter dem Elektronenmikroskop. Außerdem nahm sie an zahlreichen Exkursionen teil. In der Funktion einer Lehrassistentin gab sie ihr Wissen über 30 Jahre lang im Kursus „Bestimmungsübungen an Meerestieren“ an angehende Meeresbiologen weiter. Zu diesem Zweck erstellte die Mitarbeiterin in einer dreijährigen Arbeit einen übersichtlich aufgebauten Leitfaden mit Fotos und knappen Texten zu rund 400 Arten von Meeresbewohnern. 

Exkursionsfahrten ins Kattegat

Die Frau, die seit jeher eine wind- und wetterfeste Kurzhaarfrisur bevorzugt, ist noch immer Fahrtleiterin für Exkursionen ins Kattegat. Außer ihr und der fünfköpfigen Crew sind noch ein Mitarbeiter des Geomar, ein Hiwi und ein Student sowie ein Angestellter des Multimar Wattforum an Bord des Forschungsschiffes. Auch Büroarbeiten gehören zu Gonschiors Aufgaben: Sie schreibt unter anderem Anträge, damit der Forschungskutter in dänisches Gewässer fahren darf, sowie Stationsprotokolle.

Kinder dürfen Krebse anfassen

Die Meerestiere, zum Beispiel besondere Eisseesterne, große Seeigel oder giftige Petermännchen, werden zum Transport in große Bassins gegeben. Ein Teil der Ausbeute ist für das institutseigene Aquarium bestimmt, ein anderer für die Präsentation in Studentenkursen. Eine Reihe von Exemplaren des Fangs präsentiert die Mitarbeiterin bei Tagen der Offenen Tür und Veranstaltungen für Kinder. Die Frau im weißen Kittel lässt die jungen Gäste Krebse anfassen oder Seesterne streicheln. „Die Kinder sind sehr interessiert und gucken mit großen Augen“, erzählt sie. Sie zeigt den Kindern zum Beispiel, dass die Eier des Rochens „wie Ravioli“ aussehen. 

Gonschior war schon mal Landesmeisterin im Jagdhornblasen

Sie erklärt ihnen, dass die vielen Furchen in einem Holzstück der Seebadeanstalt Holtenau auf das Konto des Schiffsbohrwurms gehen. „Dies ist eine eingeschleppte Muschelart mit einem wurmförmigen Körper, der mit seiner kleinen Raspel Holz abschabt.“ Und sie macht den Zuschauern klar, dass das, was wie ein toter Krebs aussieht, in Wahrheit meist nur seine Hülle ist, da er sich häutet. Ihr genaues Alter möchte die Geomar-Mitarbeiterin nicht verraten. Das spiele für ihre Beschäftigung keine Rolle. Um aufzuhören, hat Heidi Gonschior, die auch einen Jagd-, Angel- und Segelschein gemacht hat, viel zu viel Energie. Einmal war sie sogar Landesmeisterin im Jagdhornblasen. Bei all ihren Aktivitäten blieb keine Zeit für eine Familie. Inzwischen arbeitet sie am Geomar zehn Stunden pro Woche für den Bereich „Kommunikation und Medien“, doch in Wirklichkeit investiere sie mehr Zeit. Die Stunden zählt sie nicht. 

Sie präpariert zu Hause Tiere

Auch in ihrer Freizeit beschäftigt sich die in Klausdorf lebende Frau mit Meeresorganismen, wenn auch auf andere Weise. Zum einen präpariert sie Tiere. Ein Beispiel: „Ich lasse tote Seesterne und Seepferdchen drei Monate lang im Heizungskeller trocknen, pumpe sie mit einer Kanüle mit Luft auf, sodass sie praller wirken und lackiere sie dann.“ Außerdem bastelt sie gern mit Muschelschalen, fertigt Mobiles und mit Hilfe von Gips Reliefs. Jedes Jahr übernimmt sie die Dekoration für die Feierlichkeiten zur Verleihung des Wissenschaftspreises der Annette Barthelt-Stiftung.

Freude über eine Urkunde

Sehr gerührt war sie, als sie jetzt eine Urkunde erhielt, mit der ihr die Kollegen zu 55 Dienst-Jahren gratulierten. Auch momentan ist sie wieder mit Vorbereitungen beschäftigt. Sie organisiert eine Fahrt mit dem Forschungsschiff „Littorina“ ins Kattegat sowie das meereskundliche Programm für das Kidsfestival.

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