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Kiel Gesche Joost: "Wir müssen einfach mutiger sein"
Kiel Gesche Joost: "Wir müssen einfach mutiger sein"
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09:15 16.09.2017
Von Anne Steinmetz
Die gebürtige Kielerin Gesche Joost ist Digital-Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Sie selbst mache es stolz, erzählt die 43-Jährige. „Ich finde die Digitale Woche toll.“ Schon lange beobachte sie aus der Ferne, was sich in Kiel im Bereich Digitalisierung tut und sei begeistert von dem Vorhaben der Landeshauptstadt. Dabei sieht die 43-Jährige bei diesem Thema durchaus in ganz Deutschland noch Nachholbedarf. „Es wurde lange unterschätzt, welche Bedeutung die Digitalisierung hat“, sagt Gesche Joost. Deshalb sei das Thema erst spät auf die politische Agenda gesetzt worden.

„Das Problem ist, dass die Digitalisierung so wahnsinnig schnell voranschreitet.“ Da wird es immer schwerer, die anderen einzuholen. Gerade im Bereich der Digitalen Bildung sieht Gesche Joost Defizite. „Wir haben in Deutschland große Widerstände gegenüber der digitalen Bildung.“ Das habe viel mit Ängsten und Unsicherheit auf Seiten der Beteiligten zu tun, weil sie nicht wissen, was da mit der Digitalisierung auf sie zu kommt. Das Thema ist aus Sicht der Professorin aber besonders wichtig. Es gehe zum einen darum, die Kinder und Jugendlichen auf die digitale Gesellschaft vorzubereiten.

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Über neue Art des Unterrichts nachdenken

Wie funktioniert ungefähr Software? Wie wird programmiert? Was sind eigentlich Fake-News? Und was passiert mit meinen Daten? „Das sind Fragen, die wir beantworten müssen.“ Die Kinder seien sowieso alle online, fast 90 Prozent der Jugendlichen haben ein Smartphone. „Deshalb muss man sie begleiten“, so Joost. Zum anderen müsse man durch die Digitalisierung auch über eine völlig neue Art des Unterrichts nachdenken. „Da muss man mutiger sein und auch experimenteller“, sagt Joost. Denn längst gehe es im Unterricht nicht mehr nur um die reine Vermittlung von Wissen. Das Wissen sei über das Netz verfügbar. Im Unterricht könne es dann um die Anwendung gehen.

„Man muss darüber nachdenken: Was heißt eigentlich Unterricht? Jeder Schüler könnte sich beispielsweise in einem Online-Kurs Wissen aneignen. Die Schule ist dann der Ort, an dem man es reflektiert und vertieft“, schlägt Joost vor. Jeder könne so in seinem eigenen Tempo arbeiten. „Man muss viel stärker fragen: Was sind das für neue Formen, die wir durch die Wissensrevolution erreichen, die wir auch mal ausprobieren können?“ Einen Beitrag für diese Revolution will Joost mit Calliope leisten, einem sternförmiger Mini-Computer, benannt nach der griechischen Muse der Weisheit und der Wissenschaft.

Calliope soll an Drittklässler verteilt werden

„Calliope ist der Zirkel des 21. Jahrhunderts. Er ist ein Werkzeug, das man einfach so einsetzen kann“, erläutert sie. Mit dem Mini-Computer sollen die Schüler erste Schritte im Programmieren lernen. Dabei soll Calliope aber nicht nur in einem Fach oder einer eigenen Unterrichtseinheit zum Einsatz kommen, sondern in allen Fächern. „Es ist ganz wichtig, dass er im Unterricht integriert wird“, erläutert Joost. Für den Sportunterricht könnte man etwa einen Schrittzähler programmieren, im Kunstunterricht mit einem Farbsensor die Farben in einem Kunstwerk zählen oder im Musikunterricht Lieder komponieren.

Gemeinsam mit Cornelsen haben Joost und ihre Mitstreiter von der Calliope gGmbH Schulbücher für die verschiedenen Bundesländer entwickelt und bieten in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut Lehrerfortbildungen an. „Wir haben das ehrgeizige Ziel, dass Calliope an alle Drittklässler in Deutschland verteilt wird“, sagt Joost. In einigen Bundesländern sei man schon weiter als in anderen. Die erste Klasse in Schleswig-Holstein bekommt am Sonnabend bei der Eröffnung der Digitalen Woche einen Calliope. Gesche Joost wird einen Satz der sternförmigen Mini-Computer an die dritte Klasse der Kieler Fritz-Reuter-Schule übergeben.

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