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Kiel Wie die neue Marine entstand
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13:36 01.10.2019
Von Frank Behling
Im November 1990 machte das brandneue Raketenschiff „Sassnitz“ der Volksmarine im Tirpitzhafen beim 7. Schnellbootgeschwader fest. Es war der erste Besuch von Einheiten der ehemaligen DDR im Westen. Quelle: Frank Behling
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Kiel

Die Namen „Meteor“, „Komet“ und „Jasmund“ kannte jeder Soldat der Bundesmarine. Die drei grauen Spezialschiffe waren früher Aufklärer der Volksmarine der DDR. Fast immer ankerte eines der drei Schiffe bis November 1989 kurz vor dem Kieler Leuchtturm, wo die bundesdeutschen Hoheitsgewässer endeten.

Die „elektronischen Ohren“ waren weit in die Kieler Förde und die Eckernförder Bucht gerichtet. In die Landeshauptstadt Kiel einlaufen durften diese Schiffe nie. Auch die Passage des Nord-Ostsee-Kanals oder die Teilnahme an der Kieler Woche war für die rund 130 Einheiten und 14000 Soldaten der Volksmarine der DDR bis zur deutschen Einheit tabu.

Erst als am 2. Oktober abends Vizeadmiral Henrik Born als letzter Befehlshaber die Volksmarine der DDR offiziell außer Dienst stellte, waren die Weichen zum Kennenlernen endgültig gestellt. „Das war damals eine wirklich spannende Zeit, eine Zeit des sich gegenseitigen Beschnupperns“, sagt Fregattenkapitän Achim Winkler, der damals Kommandant des Schnellbootes „Pelikan“ in der Bundesmarine war.

Bundesmarine übernahm 30 der 130 Einheiten

30 der 130 Einheiten wurden am 3. Oktober 1990 in die Bundesmarine übernommen. Dazu zählte auch die „Sassnitz“, die damals modernste Einheit der Volksmarine. Das kleine Raketenschiff vom Projekt 151, so die Bezeichnung in der DDR, war erst drei Monate vor der Wiedervereinigung in Dienst gestellt worden.

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Mitte November 1990 gehörte die „Sassnitz“ zu einem Verband aus Minensuchern, Korvetten und U-Bootjägern, die zum ersten Besuch im Westen Kurs auf Kiel nahmen. Zusammen mit der aus dem Sowjetbestand stammenden Flugkörperkorvette „Hiddensee“ kam die „Sassnitz“ in die Kieler Förde.

Die Nato-Kennung P1665 hatte die NVA-Nummer 591 am Rumpf abgelöst, und die Flagge der Bundesmarine wehte im Mast. Unverändert waren dagegen zunächst Bewaffnung und Anstrich.

Als das Kontaktverbot fiel, erfolgten gegenseitige Besuche

Vor dem 3. Oktober 1990 gab es keine Kontakte – weder auf See noch in den Häfen. „Wenige Tage nach der Wiedervereinigung sind wir mit mehreren Booten rübergefahren. Wir sind mit dem ,Pelikan’ nach Stralsund. „Die Bevölkerung war zunächst noch zurückhaltend. Es hat sich dann aber schnell gelegt“, so Fregattenkapitän Achim Winkler.

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Für wenige Tage lagen „Sassnitz“ und „Hiddenseein Kiel im Kreis der Boote des 7. Schnellbootgeschwaders an der Weddigenbrücke. Ähnliche Treffen folgten: Die U-Boot-Jäger „Gadebusch“ und „Wismar“ trafen die Boote des 1. U-Bootgeschwaders und Minenjäger der Kondor-Klasse die in Kiel stationierten Einheiten des 3. Minensuchgeschwaders.

Die jeweils anderen Kameraden waren "doch nicht so übel"

„Es brauchte einige Zeit, bis beide Seiten feststellten, dass die jeweils anderen Kameraden doch nicht so übel waren“, erinnert sich Winkler. Die „Gadebusch“ kam zu uns ins Geschwader und wurde dort für ein Jahr integriert. Man hat schon gespürt, dass für die Kameraden der Volksmarine die Situation eine andere war“, so Winkler.

Nur knapp 2000 der 14000 Soldaten wurden übernommen. Für die meisten Soldaten war es wie mit den Schiffen: Sie hatten ausgedient. „Das war für diese Menschen nicht einfach, da sie einfach nicht übernommen wurden“, sagt Winkler.

Und was wurde aus den drei Schiffen?

Von den drei Aufklärungsschiffen aus Ostdeutschland wurden zwei verschrottet. Die „Jasmund“ heißt heute „Alerta“ und fährt für die spanische Marine im Mittelmeer.

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