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Kiel Drei Männer vor Gericht
Kiel Drei Männer vor Gericht
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20:31 02.06.2015
Von Thomas Geyer
Der Streit zwischen Gästen einer Bar in Kiel-Suchsdorf endete bei einer feuchtfröhlichen Pfingstparty vor einem Jahr mit Fußtritten gegen den Kopf eines wehrlos am Boden liegenden Mitzechers. Quelle: Arne Dedert/ Archiv/dpa
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Kiel

Jetzt müssen sich die drei mutmaßlichen Angreifer wegen versuchten Totschlags vor dem Kieler Landgericht verantworten.

 Kein Zeuge konnte bisher erklären, worum es bei der blitzschnell eskalierten Auseinandersetzung am Amrumring überhaupt ging. Die 21- bis 25-jährigen Angeklagten schweigen. Und der damals lebensgefährlich Verletzte, den die Täter mit multiplen Schädel- und Gesichtsbrüchen sowie einer Brustbeinfraktur vor dem Lokal liegen ließen, hat keinerlei Erinnerung mehr an den Vorfall.

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 Bis heute leidet der 42-Jährige körperlich und seelisch unter den Folgen. Er ist gehbehindert. Feinmotorik, Gleichgewichtsgefühl und Merkfähigkeit bleiben beeinträchtigt. Zu einem selbstständigen Leben, sagt der Staatsanwalt, sei der als Nebenkläger am Prozess beteiligte Geschädigte nicht mehr in der Lage. „Er ist dauerhaft auf Betreuung und Pflege angewiesen“. Ihm gegenüber sitzen jetzt die drei Angeklagten. Keinen von ihnen, sagt der verlangsamt wirkende 42-Jährige im Gerichtssaal, habe er schon mal gesehen. An jenem Sonntagmorgen hatte er laut rechtsmedizinischem Gutachten 2,5 Promille Alkohol im Blut. Die Angeklagten machen sich dagegen mit Werten zwischen 0,4 und 0,7 Promille geradezu nüchtern aus. Ihre Blutproben weisen allerdings auch auf Cannabis- oder Kokainkonsum.

 Ein Augenzeuge, der in jener Nacht zum Dart-Turnier in die Kneipe geladen hatte, kennt die mutmaßlichen Täter seit Jahren aus dem Stadtteil. „Immer nett, freundlich und höflich“, seien die drei aufgetreten. Deshalb habe er auch nie damit gerechnet, dass die Rangelei so aus dem Ruder lief. Jeder von ihnen, sagt der 32-Jährige, habe mindestens zwei- bis dreimal zugetreten: „Es war so ein Stampfen von oben nach unten.“

 „Wir haben gesungen, wir haben getanzt und gelacht“, schildert eine Augenzeugin (zur Tatzeit 1,6 Promille) die Ausgangsstimmung im Lokal. Als zwei der drei Angeklagten dort auftauchten, sei es laut geworden: „Es flogen die Flaschen.“ Als sich die Rangelei nach draußen verlagert, habe sich das spätere Opfer mit ausgebreiteten Armen in den Türrahmen gestellt, um die Streithähne aufzuhalten.

 Dann steht die 32-Jährige auf, um dem Gericht die Dynamik der Fußtritte zu demonstrieren. Kräftig stampft sie mit dem rechten Absatz schräg vor sich auf den Boden, als wolle sie einen Maulwurfshügel platt machen. Das Opfer lag regungslos da, blutete aus Mund, Nase und Ohren. „Hört auf, ihr bringt den um!“, habe ihre Freundin geschrien. Aber erst nach dem Ausruf „Wir holen die Polizei!“ seien die drei weggerannt.

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