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Kiel Letzte Ruhe vor Haus Weltclub
Kiel Letzte Ruhe vor Haus Weltclub
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10:24 25.07.2019
Von Christian Trutschel
Der Grabstein von Fritz und Edith Baade wurde gestern feierlich vor Haus Weltclub aufgestellt - mit dabei (v.li.): Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Baade-Enkel Rabbi James Baaden aus London, IfW-Präsident Gabriel Felbermayr, Baade-Enkel Ingenieur Hans Baade mit Söhnen Miles und Alan aus Austin (Texas), Baade-Enkel Andreas Laqueur aus Berlin mit Sohn Simon, IfW-Professor Rolf J. Langhammer, Wolfgang Merten aus Stade, der den Stein ins Rollen gebracht hatte, Baade-Urenkelin Danielle Benesch und Unterstützer Jan-Christoph Kersig, früherer Präses der Kieler Kaufmannschaft. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Den weitesten Weg nach Kiel hatte Hans Baade mit seinen Söhnen Alan und Miles auf sich genommen. Der Enkel von Fritz und Edith Baade ist Ingenieur in Austin/Texas. "Ich bin verantwortlich dafür, dass das Grab unserer Großeltern beinahe verschwunden wäre", sagte er gestern am Rande der feierlichen Neu-Aufstellung des 2,1 Tonnen schweren Findlings, in den die Namen und Lebensdaten von Prof. Fritz und Edith Baade eingraviert sind.

Die Friedhofsverwaltung fragte an, ob der Stein nach Texas solle

Er habe nicht angemessen auf die schriftliche Anfrage des Nordfriedhofs Kiel reagiert, ob er den Stein zu sich nach Texas nehmen wolle. "Ich dachte, sie werden ihn einfach aufbewahren und mir eine Rechnung schicken, welche Gebühren ich zu zahlen hätte. Und doch, von heute betrachtet, ist es wohl das Beste, was ich getan habe."

Denn seit gestern steht der Stein auf dem Rasen vor Haus Weltclub (HWC) an der Kiellinie 76. Bundespräsident Theodor Heuss weihte dieses internationale Studentenwohnheim, das auf der Ruine der Seglerheims der Olympischen Spiele von 1936 entstanden war, im Jahre 1952 ein - zusammen mit Fritz Baade, Direktor des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) von 1948 bis 1961 und SPD-Bundestagsabgeordneter von 1949 bis 1965.

Ohne Edith Baade wäre das Haus Weltclub nicht denkbar

Den Geschäftsbetrieb und Ton im Haus Weltclub hielt Edith Baade aufrecht, unter schwierigen finanziellen Bedingungen. "Ohne sie ist dieses Haus gar nicht denkbar", sagte gestern Prof. Rolf J. Langhammer vom IfW, der das Ehepaar noch persönlich gekannt und sich nun im Schulterschluss mit IfW-Präsident Prof. Gabriel Felbermayr für die Versetzung des Grabsteins engagiert hatte.

"Sie hat sich um die Finanzierung des HWC durch amerikanische Quäker wie Emil Hantsche und Paul Nortz gekümmert, sie hat Fabrikanten eingeladen, sie hat Großes geleistet. Deshalb gehört dieser Stein hierher."

Gabriel Felbermayr dankte allen Unterstützern und sagte den Angehörigen, "es ist uns Ehre und Privileg, Sie hier zu haben. Fritz Baade, einer meiner Vorgänger, war ein außergewöhnlicher Mann. Wir haben ihm viel zu verdanken."

Das Ziel des Ehepaars Baade: Völkerverständigung und Versöhnung

Fritz und Edith Baade - er jüdischer Abstammung und evangelisch, sie jüdisch, er SPD-Reichstagsabgeordneter, sie bekannte Journalistin beim Berliner Börsen-Courier - waren nach 1933 zunächst in die Türkei, später in die USA emigriert und von dort nach Kiel gekommen.

"Sie setzten sich hier ein für Begegnung, für Völkerverständigung, wie man damals sagte, und für Versöhnung", sagte gestern James Baaden, Rabbi in London und Bruder des in Texas lebenden Hans Baade. Seine Großmutter, geborene Editha Wolff, habe zuerst nicht von New York nach Deutschland gewollt. Die meisten ihrer Cousinen und Cousins seien in der Shoa ermordet worden.

"Ein internationales Studentenwohnheim war in den allerersten Jahren der Bundesrepublik, bald nach Kriegsende, etwas ganz Besonderes. Dieses Haus war ein Mittelpunkt für internationale Begegnung. Und die Gründerin war eine deutsche Jüdin, die sich dafür einsetzte, dass dieses Zeichen von Frieden und Versöhnung entstehen konnte."

Ohne Wolfgang Merten wäre der Stein wohl zerschreddert worden

Kiel sei "ein schöner und gesegneter Ort - durch den Einsatz von Menschen, die hier gewirkt haben." Wie seine Großmutter, "die ich sehr geliebt habe", und sein bedeutender Großvater. Wie die, die jetzt dafür gesorgt hätten, dass der Grabstein nun hier stehe. "Es bedeutet mir viel, wenn ihr Andenken auf diese Weise in Kiel geehrt wird."

Wolfgang Merten aus Stade, gebürtiger Elmschenhagener, Eisenbahner im Ruhestand und Hobby-Historiker, hatte den Findling im Steinlager des Nordfriedhofes gefunden, als er Spuren von Fritz Baade nachgegangen war. "Baade leistete unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg viel für eine Verbesserung des schwer beschädigten Rufs der Deutschen."

Ohne Merten wäre der Stein, letzte sichtbare Spur des Ehepaars Baade, wohl zerschreddert worden. "Thank you for your good eyes", sagte Hans Baade aus Texas gestern zu ihm: "Danke für Ihre guten Augen."

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