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Kiel Kehrseite erneuerbarer Energien
Kiel Kehrseite erneuerbarer Energien
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20:36 25.03.2015
Von Heike Stüben
4000 Schüler, ein Minister: Als Schlusspunkt diskutierten gestern Schüler im Kieler Metro-Kino mit (v.l.) Minister Robert Habeck, Wolfgang Herda von Green Screen und Filmemacher Steffen Weber. Quelle: Volker Rebehn
Kiel

Bis zum Jahr 2050 sollen die Stromanbieter ihren Strom ohne den Ausstoß von CO2 produzieren. Dafür wird auf erneuerbare Energien – vor allem Biomasse – gesetzt. Die ist vermeintlich klimaneutral und deshalb massiv gefördert worden. Doch die Schüler von der Christlichen Schule, der Gelehrtenschule, der Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule, dem Regionalen Berufsbildungszentrum Technik (RBZ, alle Kiel) und dem Städtischen Gymnasium Bad Segeberg lernten gestern: Die Klimabilanz wird sauber gerechnet.

Die Filmemacher belegen das unter anderem am Biogas: Für Biogasanlagen werden massenhaft Energiepflanzen wie Mais und Raps angebaut. Mehr als fünf Millionen Tonnen CO2 werden jährlich allein in Deutschland durch Kultivierung, Ernte und Transport von Biogas-Pflanzen emittiert. Hinzu kommt, dass viele Anlagen mit der Zeit undicht werden. So wird Methan frei, das 25-mal klimaschädlicher als CO2 ist. „Das wurde bei 80 Prozent der kontrollierten Anlagen nachgewiesen. Aber es wird kaum kontrolliert“, sagte Steffen Weber.

Durch diese Effekte werde der vermeintliche Klimaschutzeffekt von Biogas nahezu nivelliert. Zudem löse der Biogasboom eine Kettenreaktion aus: Bei uns werden Flächen für Nahrungsmittel teuer und knapp. Immer mehr Biomasse muss importiert werden. In Brasilien und Indonesien werden dafür wertvolle Regenwälder abgeholzt und niedergebrannt und damit riesige Mengen CO2 freigesetzt.

„Wenn das CO2-Problem so nicht gelöst wird, warum setzt man dann nicht auf klimafreundliche Atomkraft“, wollte ein Schüler wissen. Die Frage sei ja richtig, meinte der bekennende Atomkraftgegner Habeck. Er ziehe aber andere Wege vor, weil die Folgen bei Reaktorunfällen gravierender als bei jeder anderen Technologie seien. Zudem ist das Problem des Atommülls – in Brunsbüttel rosten die Fässer mit der strahlenden Fracht – ungelöst.

Ob er in Wasserkraft eine Lösung sehe, wollte ein Schüler daraufhin wissen. Ja, meinte Habeck – aber nur, wenn man vorhandene Wasserkraftwerke nutze. „Deshalb haben wir einen Vertrag mit Norwegen gemacht. So kann unser Windstrom dort gespeichert und jederzeit verfügbar gemacht werden.“ Neue Wasserkraftwerke bedeuteten hingegen massiven Natureingriffe.

Am Ende meinte eine Schülerin: Die Klimaproblematik gehe jeden an. Aber wie könne der Einzelne zur Lösung beitragen? Habeck riet zu einem bewussteren Energieverbrauch – etwa bei der Fortbewegung, aber auch bei der Nutzung digitaler Medien. Der Stromverbrauch für Handy, Tablet und Co. sei so hoch wie der des Flugverkehrs. Auch für Filmemacher Weber wird es nicht ohne Verzicht gehen. „Vor allem aber muss die Politik endlich Fehlentwicklungen stoppen. Wird die Biogasanlage mit Gülle und anderen Abfällen betrieben und kontrolliert, ist die Technologie durchaus sinnvoll.“ Und Sofie? Sie will künftig weniger Energie verbrauchen. „Als Erstes mach ich nachts das Handy aus.“

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