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Kiel Grüne Freude, schwarz-roter Kummer
Kiel Grüne Freude, schwarz-roter Kummer
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08:08 28.05.2019
Von Michael Kluth
Freude am Wahlabend bei den Grünen in der Kieler "Pumpe": Der Spitzenkandidat Rasmus Andresen strahlt mit der Bundestagsabgeordneten Luise Amtsberg und der Landtagsabgeordneten Aminata Touré um die Wette. Quelle: Frank Peter
Kiel

Am siegestrunkenen Wahlabend in der "Pumpe" sei die meistgestellte Frage die nach einem eigenen grünen Kandidaten bei der Oberbürgermeister-Wahl am 27. Oktober gewesen, berichtet der Grünen-Kreisvorsitzende Johannes Albig. "Wir werden die Frage ein bisschen neu diskutieren", sagt er.

Die grüne Gretchenfrage lautet: Wie hältst Du’s mit Ulf Kämpfer? Der Sozialdemokrat war bei der OB-Wahl 2014 auch der Kandidat der Grünen gewesen. Mit einem Kieler Europawahlergebnis von 37 Prozent für die Grünen und 16,4 Prozent für die SPD stellt die Kandidatenfrage sich neu.

Interaktive Karte: Europawahlergebnis von Kiel nach Parteien

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Entscheidung am 15. Juni

"Wir gehen da jetzt erst mal mit kühlem Kopf ran", sagt Albig. Die Findungskommission werde "planmäßig in den nächsten Termin gehen", der noch gar nicht feststehe, und dann eine Empfehlung für die Mitgliederversammlung am 15. Juni abgeben. Die Mitglieder würden dann die letzte Entscheidung treffen.

Bis dahin will Albig den Ball flach halten. "Wir sind euphorisch und freudig, aber wir gehen nicht betrunken durch die Gegend", sagt er. Ohnehin gehe Inhalt vor Personal.

Grüne wollen sich "in der Breite besser aufstellen"

Im fulminanten Kieler Wahlergebnis erkennt Albig Rückenwind für das Ziel der Partei, "in der Stadt in der Breite besser aufgestellt" zu sein. Tatsächlich weist das Ergebnis die Grünen in allen Stadtteilen außer Schilksee als stärkste politische Kraft aus.

Dazu passt, dass die Kieler Grünen just am Freitag vor der Wahl das 600. Mitglied begrüßt haben. Bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren seien es 330 gewesen, berichtet Albig. Die allermeisten Neumitglieder seien unter 30 Jahre alt.

CDU spricht von einem "grünen Tsunami"

Mit einem "grünen Tsunami" vergleicht der Kieler CDU-Chef Thomas Stritzl das Europawahlergebnis. Seine Partei werde "die sehr unterschiedlichen Ergebnisse in den Stadtteilen auswerten, um Schwachstellen ,auszubessern’". So habe die CDU in Schilksee einen Prozentpunkt zugelegt, in Pries-Friedrichsort aber 10,9 Punkte verloren. Stritzl hob hervor, dass die CDU in Kiel zum zweiten Mal in Folge nach der Bundestagswahl 2017 vor der SPD gelandet sei. Rückenwind für die Kür des Oberbürgermeister-Kandidaten Andreas Ellendt beim Parteitag am 15. Juni im Haus des Sports.

SPD-Chefin nennt das Wahlergebnis "katastrophal"

"Die Europawahl war eine Klimawahl", stellt SPD-Kreischefin Gesine Stück fest. Ihre Partei habe "nicht vermitteln können, dass wir Umweltschutz mit sozialem Augenmaß betreiben", sagt sie und nennt das SPD-Ergebnis "katastrophal". Für die OB-Wahl ist die Sozialdemokratin gleichwohl frohgemut: Es sei "klar, dass die Oberbürgermeisterwahl eine Personenwahl ist", und es gebe in Kiel "viel Zustimmung zur Politik in der Stadt und insbesondere zur Arbeit des Oberbürgermeisters" mit den Schwerpunkten Klimaschutz, Verkehrswende, Digitalisierung und bezahlbares Wohnen.

Die Linke sieht "Licht und Schatten"

Die Linke ist "froh, dass es in Kiel gelungen ist, vor der AfD und der FDP ins Ziel einzulaufen", erkennt im Wahlergebnis von 6,0 Prozent aber durchaus "Licht und Schatten": Die Linke habe "zwar in absoluten Zahlen zugelegt, prozentual 2014 aber etwas verloren". Auch die Linke wolle auf einer Mitgliederversammlung am 15. Juni "über das eigene Eingreifen in den OB-Wahlkampf diskutieren", teilte Vorstandssprecher Uli Schippels mit.

AfD meldet sich nicht

Der AfD-Kreisverband hat auf die Bitte von KN-online nach einer Stellungnahme zur Wahl nicht reagiert.

FDP hatte "ein bisschen mehr erwartet"

Der FDP-Kreisvorsitzende Ingmar Soll ist über 4,8 Prozent eher enttäuscht: "Wir hätten ein bisschen mehr erwartet", sagt er. "Wir hoffen, den Anstieg in Zukunft noch auszubauen." Die Grünen ermunterte er zu einer eigenen OB-Kandidatur: "Wer mit 37 Prozent mehr Stimmen holt als CDU und SPD zusammen, sollte selbst antreten."

Die Satire-"Partei" frohlockt

Die satirische "Partei" freut sich über 4,6 Prozent, "das beste Ergebnis bei einer Europawahl seit Kriegsende". Kreischef Jens Wemhöner sagt: "Wir bedauern den noch großen Abstand zur SPD und geloben gegenüber unseren Wählerinnen und Wählern Besserung." Er dankte den Wählern in Gaarden, wo die "Partei" mit 10,1 Prozent als viertstärkste Kraft noch vor der CDU liegt. Wemhöner: "Ein starkes Zeichen für die Oberbürgermeisterwahl und unseren Kandidaten Florian Wrobel ist gesetzt."

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