Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel „Sie haben das Herz am rechten Fleck“
Kiel „Sie haben das Herz am rechten Fleck“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:40 02.12.2019
Von Christian Trutschel
Dr. Friederike Boissevain ist Oberärztin der Palliativstation des Städtischen Krankenhauses Kiel. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Dr. Friederike Boissevain ist Vorsitzende des Hospizvereins Dänischer Wohld und seit anderthalb Jahren auch ehrenamtliche Geschäftsführerin der „Hospiz im Wohld gGmbH“. Das ist die Trägergesellschaft des stationären Hospizes in Gettorf, das in der zweiten Jahreshälfte 2020 in Betrieb gehen soll.

Zwei der zehn Plätze sind reserviert für chronisch schwerstkranke Kinder und Jugendliche, für die es bisher keine derartige stationäre palliative Versorgung in Schleswig-Holstein gibt. Welche Unterschiede zwischen einer Palliativstation und einem Hospiz bestehen, aber auch welche Gemeinsamkeiten, das erläutert Boissevain im Interview.

Frau Dr. Boissevain, was unterscheidet eine Palliativstation von einem Hospiz?

Der Hauptunterschied besteht in der Zielsetzung. Auf einer Palliativstation, die es nur in Krankenhäusern gibt, sollen die Beschwerden chronisch schwerkranker Patienten mit einer unheilbaren, lebensverkürzenden Erkrankung so weit gelindert werden, dass die Patienten in die Häuslichkeit entlassen werden können. Ein Hospiz ist für chronisch schwerkranke Menschen mit einer stark begrenzten Lebenserwartung, im Durchschnitt etwa vier Wochen, und für die meisten Bewohner der Ort, an dem sie sterben. Allerdings: Etwa 30 Prozent verlassen ein Hospiz lebend.

Sind es ausschließlich Tumorpatienten?

Nein. Sowohl in einem Hospiz als auch auf einer Palliativstation ist eine unheilbare Erkrankung Bedingung für die Aufnahme und palliativmedizinische Behandlung. Die Patienten müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Nicht jeder alte Mensch erfüllt diese Kriterien. Es sind Patienten mit großen, komplexen Beschwerden. Häufig leiden sie unter schwerer Luftnot, Schmerzen, Bauchproblemen, sie haben schwere Wunden, die oft versorgt werden müssen, oft auch eine spezielle soziale Situation mit Krisen zu Hause. Zur Linderung werden auf einer Palliativstation unter anderem medikamentöse Therapien, Bluttherapie, Operationen und Physiotherapie eingesetzt. Zusätzliche Krankheiten, die auftreten können, sollen bestmöglich behandelt werden. Auch Angehörige sollen eine Pause von der Versorgung haben und mit ihren Sorgen und Nöten gehört werden.

Müssen Patienten für diese Rundum-Behandlung mehr zahlen?

Beides – Hospiz und Palliativstation – ist für die Patienten kostenneutral. Die Krankenkassen zahlen für die komplexe Behandlung auf einer Palliativstation, die einen etwas höheren Personalschlüssel hat als eine Normalstation, bis zu 21 Tage lang zusätzliches Geld. Auch den Antrag für eine Aufnahme im Hospiz stellt man bei der jeweiligen Krankenkasse, was in vielen Fällen vom behandelnden Arzt oder dem Sozialdienst des Krankenhauses gemacht wird.

Was ist aus Ihrer Sicht der Vorzug ehrenamtlicher Hospizarbeit?

Ausgebildete ehrenamtliche Hospizarbeiter haben Zeit – mehr, als zum Beispiel Mitarbeiter einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) aufbringen können. Sie können zum Beispiel vier Stunden einer Familie mit zwei Kindern zur Verfügung stehen, in der die Frau schwerkrank ist und der Mann berufstätig. Sie können mit einem Schwerkranken zum Einkaufen fahren oder zum Kuchenessen, oder sie können, weil niemand sonst dabei helfen möchte, mit ihm seine Schallplattensammlung sortieren. Ehrenamtliche Hospizarbeiter – von der Friseurangestellten bis zur Sparkassenleiterin – haben das Herz am rechten Fleck. Sie haben nicht die Bürde der Spezialisten, aber ein untrügliches Gespür für die Situation. Und sie können zuhören. Das ist Teil der Haltung.

Welcher Haltung?

Der hospizlichen. Bei hospizlich steht die Haltung im Vordergrund. Sie ist der Boden, auf dem die Begleitung von schwerkranken Menschen an ihrem Lebensende stehen sollte. Bei palliativ steht eher die Handlung, der Einsatz von Apparaten, von Technik und von verschiedenen Methoden zur Schmerzlinderung und Symptom-Verbesserung im Vordergrund.

Weil palliativ längeres Leben bedeutet?

Es kommt – im Idealfall – vor, dass man besser und länger lebt durch palliative Medizin. Eine Patientin, über die Sie berichtet haben, lebte 17 Jahre mit ihrer Krebserkrankung. Aber fairerweise muss man sagen, dass etwa 30 Prozent der unheilbar kranken Patienten mit Tumoren eine Chemotherapie bis zur letzten Lebenswoche erhalten. Diese Zahl ist trotz aller Palliative-Care-Bemühungen in den letzten 20 Jahren konstant geblieben. Wir können diese Patienten nicht heilen. Aber wir können versuchen, heilsame Impulse zu bestärken.

Wirken diese Impulse auch?

Es ist ein Prozess, idealerweise von Begegnungen. Begegnungen nicht unbedingt von Sorgenden und Erkrankten, sondern von Mensch zu Mensch. Heute sprach ich mit einem Palliativpatienten, der mir sagte: „Ich fühle mich gut. Bis auf meinen Krebs bin ich total gesund.“ Es gibt keine klaren Antworten für alle Eventualitäten, aber wir konzentrieren uns manchmal sehr auf Laborwerte. Zuwendung spielt eine große Rolle. Wer mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit konfrontiert wird, verliert einen Teil seiner Geschichte und seiner Identität. Ein Patient sagte mir, das Schlimmste sei, seiner Frau beim Rasenmähen zuzusehen. Wer ich bin, wie ich aussehe, was ich mache und kann, wird durch eine solche Erkrankung erbarmungslos abgebaut.

Sprechen so schwer Kranke viel übers Sterben?

Auf der letzten Strecke wird wenig übers Sterben gesprochen, das wissen wir vom Ehrenamt der Hospizarbeit. Es sind eher alltägliche Dinge, wie die Frage: Muss ich mir eigentlich noch die Zähne putzen? Studien zur Frage, worüber auf Palliativstationen geredet werden soll, zeigten: Es sind nicht die großen Themen. Sondern die Betonung liegt auf: Noch bin ich hier.

So können Sie Gutes tun

Der Verein „KN hilft“ sammelt Spenden für die Hospizarbeit in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Plön, Segeberg sowie in den Städten Kiel und Neumünster. Ein Spendenkonto bei der Förde Sparkasse ist eingerichtet. Unter dem Stichwort „Gutes tun im Advent“ können Sie spenden auf das Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00.Möchten Sie nicht, dass Kieler Nachrichten oder Segeberger Zeitung Sie als Spender erwähnen, so schreiben Sie bitte hinter den Verwendungszweck den Hinweis „kein Name“. Spenden können Sie bis zum Ende des Jahres.

Zusätzlich unterstützen die Kieler Nachrichten die Sammelaktion: Von jeder Ausgabe, die der Verlag am 21. Dezember 2019 im Einzelhandel verkauft, fließen 20 Cent direkt auf das Spendenkonto.

Außerdem geht der Gewinn aus dem Verkauf der KN-Adventskalender-Lose an den Hospizverband. Der Verband wird das Geld an Einrichtungen und Vereine im Verbreitungsgebiet von Kieler Nachrichten und Segeberger Zeitung weiterleiten.

Kiel Zeugen waren aufmerksam - Zwei Einbrüche in Kiel aufgeklärt

In Ravensberg und Damperhof hat die Polizei Kiel am Donnerstag und Sonnabend nach zwei Einbrüchen die mutmaßlichen Täter gestellt – in beiden Fällen haben Zeugen mitgeholfen. Am Donnerstag wurde ein 48-Jähriger in der Bremerstraße gefasst, am Sonnabend zwei Jugendliche in der Wilhelminenstraße.

Niklas Wieczorek 02.12.2019
Kiel A-Junioren-Regionalliga - Doppelpack für Leon Gino Schmidt

Vor der anstehenden Bundesliga-Spielpause zum Jahresende fressen sich die Jungstörche Winterspeck an. Nach 90 Minuten souverän und zu Beginn furios entführte Holstein Kiels U19 drei Zähler bei Mitaufsteiger Chemnitzer FC. Beim 4:0-Auswärtssieg traf Leon Gino Schmidt doppelt für die Jungstörche.

Jürgen Schinke 02.12.2019
Kiel Fußball-Regionalliga Nord - "Keinen Vorwurf" an Holstein Kiel II

Holstein Kiel II hat das Auswärtsspiel-Jahr mit einer Niederlage beendet: Vor 217 Zuschauern unterlagen die Jungstörche in der Fußball-Regionalliga Nord beim SV Werder Bremen II mit 1:3. Die Kieler rutschten durch die fünfte Auswärtsniederlage auf Platz sieben ab.

Jan-Phillip Wottge 02.12.2019