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Kiel Hafenmeister bringt Ordnung ins Chaos
Kiel Hafenmeister bringt Ordnung ins Chaos
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18:39 24.06.2013
Von Carola Jeschke
Der Düsternbrooker Hafenmeister Andreas Stranghöner. Quelle: Pregla
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Kiel

Das grelle Startsignal des Welcome Race – der traditionellen Regatta der Offshore-Jachten nach Eckernförde – zerschneidet die morgendliche Stille an der Kiellinie. Noch sind die Holzbuden fest verschlossen, die Grillöfen kalt, die Lautsprecher stumm. Die Kieler Woche schläft noch. Andreas Stranghöner schon lange nicht mehr. Seit 7 Uhr kontrolliert er die Lage im Hafen, gibt Duschmarken an Segler aus, beantwortet Fragen, kassiert Gebühren für die Liegeplätze. Weit hat er es nicht zu seinem Arbeitsplatz: Im Sommer wohnt er auf seinem Segelboot, das nur einen Steinwurf entfernt am Steg liegt. Jetzt greift der 45-Jährige zum Fernglas und nimmt Becken 4 ins Visier. „Wenn die Regattateilnehmer starten, muss das Becken leer sein, denn dort laufen gleich die Holzschiffe ein.“ Mit diesem Satz fasst er auch schon die schwierigste Aufgabe der Hafenmeister zur Kieler Woche zusammen: Liegeplätze verteilen, Liegeplätze frei halten, Liegeplätze überwachen. Wer wann wo liegen darf, ändert sich täglich, manchmal sogar stündlich. „Die Kapazität der Häfen ist erschöpft, wir arbeiten hier jeden Tag eine komplizierte Liste ab”, sagt auch Kollege Seehusen (40).

 Das geht nicht nur vom Büro aus. Während Seehusen an diesem ersten Kieler Woche-Sonnabend den Innendienst übernimmt, macht sich Andreas Stranghöner auf den Weg zur Kontrolle. Ob zu Fuß, mit dem Rad oder per Motorboot – fünf Häfen zwischen Wik und Seeburg müssen betreut werden. „Für uns dauert die Kieler Woche immer drei Wochen”, sagt Stranghöner, während er entschlossenen Schrittes eine Jacht ansteuert, die ihren Platz eigentlich schon längst hätte frei machen sollen. „Davor müssen wir die Schiffe aus Schilksee unterbringen, dann Gastsegler und Regattateilnehmer verteilen und nachher aufräumen.” Die Segler wissen, dass sie flexibel sein müssen. Und doch sind nicht immer alle kooperativ, wenn der Hafenmeister sie ruhig, aber deutlich mit den Regeln konfrontiert. Manchmal spielt Alkohol eine Rolle, oft Gedankenlosigkeit. Liegeplatz-Inhaber zeigen ihre Abwesenheit nicht an oder Gastsegler machen einfach irgendwo fest, ohne sich mit dem Hafenmeister abzustimmen. „Es kommt vor, dass wir ein Boot wegschleppen müssen oder in Einzelfällen auch schon mal die Polizei rufen”, sagt Stranghöner. So schnell kann ihn allerdings nichts aus der Ruhe bringen. Seit 14 Jahren ist der gelernte Bootsbauer schon dabei und hat gelernt, sein Klientel blitzschnell einzuschätzen. Auf die „richtige Sprache” komme es an, sagt er, und erzählt grinsend von den Motorbootfahrern an der Seeburg, die vor allem Party machen wollten. „Da sollte man morgens besser nicht anklopfen.”

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 Er klopft an diesem Morgen auf viele Kajüten und Decks, bringt verschlafene Skipper ans Tageslicht und gibt Tipps für „seine“ Häfen. Freundlich, sachlich, aber entschieden. „Können Sie bitte gleich wegfahren, wir suchen bereits einen neuen Platz für Sie“, versichert er einer Crew. „Ihr Platz ist jetzt frei“, ruft er der nächsten zu. Mit viel Erfahrung verschiebt Andreas Stranghöner die Boote im Hafen, während er nebenbei Müll einsammelt, kopfschüttelnd riskante Manöver bei der Hafeneinfahrt beobachtet und „Eis-Carl“ mit dem neuesten Wetterbericht versorgt. „Wir betreuen auch einige Schausteller, die von uns Strom und Wasser beziehen.“ Mit „Wir“ meint er seinen Arbeitgeber, die Sporthafen Kiel GmbH, die neun Marinas, 2300 Wasserliegeplätze und 400 Landliegeplätze rund um die Kieler Förde verwaltet. Zeit, um Freundschaften oder Familie zu pflegen, hat der Düsternbrooker Hafenmeister im Sommer kaum – und zur Kieler Woche schon gar nicht. Abends mal auf die Festmeile? Andreas Stranghöner winkt ab. „Da falle ich nur noch in meine Koje.“