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Kiel Der „Bürgermeister" von Rönne
Kiel Der „Bürgermeister" von Rönne
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18:20 01.02.2020
Von Annette Göder
Vorliebe für Reet: Martin Itzke wohnt im ältesten Haus von Rönne, das 1635 erbaut wurde und in dem seine Frau Martina aufgewachsen ist. Quelle: Annette Göder
Kiel

Er gehört zu Rönne wie ein Deckel auf den Topf: Hans Martin Itzke wohnt im ältesten Haus des Stadtteils an der höchsten Erhebung Kiels und wird auch augenzwinkernd „Bürgermeister von Rönne“ genannt. Der 66-Jährige setzt sich nicht nur im Ortsbeirat für seine Mitbürger ein.

Mit seiner Band spielt Itzke regelmäßig im Seniorencafé: er und ein anderes Mitglied an der Gitarre, begleitet vom Keyboard. Schon in seiner Familie ging es musikalisch zu: „Meine Mutter spielte auf der Quetsche, also dem Akkordeon, und wir Kinder saßen um sie herum, wie um eine Glucke“, erinnert sich der Senior. Als einziger Junge wuchs er mit fünf Schwestern auf – eine von ihnen war sein Zwilling. „Meine Schwestern haben es immer sehr gut mit mir gemeint.“

Itzkes wohnte mal am Wilhelmplatz

Damals wohnten die Itzkes noch nicht in Rönne, sondern in der Nähe des Wilhelmplatzes. Als „Buber“ – so wurde der einzige Sohn genannt – 14 Jahre alt war, zog die Familie in den Rönner Petersilienweg. „Mit 18 Jahren gehörte es sich, in die Feuerwehr zu gehen“, erzählt Itzke. „Doch als der Wehrführer meine langen Haare sah, weigerte er sich, mich aufzunehmen.“ Itzkes Reaktion: „Ich war traurig, aber ich war auch eigen. Ich bin auch später nicht in die aktive Wehr eingetreten.“ Allerdings wurde er förderndes Mitglied.

Auch in einer weiteren Situation bewies der junge Mann Selbstbewusstsein. Er gehörte der „Rönner Beliebung“ an, einem traditionellen Verein mit Schießwettbewerben und weiteren Angeboten. Bei einer Ausflugsfahrt freundete er sich mit seiner jetzigen Frau an. „In ihrer ganzen Familie waren Schützenkönige, Prinzessinnen und so weiter vertreten“, berichtet Itzke. „Die sagten mir, dass ich auch Schütze werden müsse. Aber ich hatte keine Zeit, da ich sehr aktiv Fußball spielte.“ So lautete seine Antwort klipp und klar: „Nein“. Im Jahr 1978 heiratete er seine Martina, und im Jahr 1984 kam Sohn Bastian zur Welt.

Das Haus stammt aus dem Jahr 1635

Zeitweise wohnten die Itzkes in Mietswohnungen außerhalb von Rönne. „Doch wir hatten den Wunsch, zurückzukehren“, so der Senior. Schließlich zog die Familie ins Elternhaus von Martina Itzke, geborene Müller. Das reetgedeckte Gebäude von 1635, das ursprünglich als Bauernstelle diente, war 1891 in den Besitz der Familie Müller übergegangen. Vom Haus aus fällt der Blick auf Kiels höchste Erhebung, die 74 Meter über Meeresspiegel misst. Im Garten erholte sich Itzke von seinem Schichtdienst.

Bei der Eisenbahn arbeitete er sich bis zum Fahrdienstleiter für den Kieler Hauptbahnhof hoch und stellte am Pult per Hand Signale und Weichenhebel. An das Wochenende vor mehr als zehn Jahren, als der Betrieb in Kiel auf Computer-Technik umgestellt wurde und auf Hannover überging, erinnert er sich noch genau: „Es war ein komisches Gefühl: Die Züge fuhren ohne mein Zutun ein.“ Etwas Wehmut schwingt in seinen Worten mit. Eineinhalb Jahre später ging der damals 56-jährige Beamte nach 40 Dienstjahren in Pension.

Hans Martin Itzke leitet die Rönner Speeldeel

Ein Ausgleich zur Arbeit war für Itzke die plattdeutsche Theatergruppe Rönner Speeldeel, der er 1983 beitrat. Inzwischen leitet er die Gruppe – er gilt als Mann mit klaren Ansagen. Was bislang seine Lieblingsrolle war? Der Laienschauspieler muss nicht lange überlegen: „In der Doppelrolle im Stück `Kreuzfahrt im Schweinestall` habe ich den Ehemann gespielt und auch die Frau mit Hackenschuhen.“

Seit 17 Jahren ist Itzke für die CDU Mitglied im Ortsbeirat Wellsee/Kronsburg/Rönne. Er schätzt die „überparteiliche, gute Zusammenarbeit“ im Gremium. Bei manchen Veranstaltungen wird der engagierte Rönner Lokalpolitiker scherzhaft „Bürgermeister von Rönne“ genannt. „Ich spiele das Spiel gern mit“, erklärt Itzke, der auch selbst lockere Sprüche parat hat und in Sitzungen einen harten Kurs verfolgen kann. Doch butterweich wird er im Zusammensein mit seiner fünfjährigen Enkelin Ida Itzke, die er liebevoll „Mausekatze“ nennt und mit der er durch die Straßen spazieren geht. Was er an Rönne besonders liebt, ist der „dörfliche Charakter, die Hilfsbereitschaft untereinander und die Gemeinschaft“, von der er hofft, dass sie auch in Zukunft den Stadtteil bestimmen wird.

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