Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Ein besonderes Gemeinschaftserlebnis
Kiel Ein besonderes Gemeinschaftserlebnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:43 19.07.2016
Von Heike Stüben
Ein gewohnter Anblick auf der Kieler Förde, der dennoch nicht allen Kielern bekannt ist: die "Hansekogge". Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Dass die Kogge überhaupt gebaut werden konnte, ist Bauarbeitern aus Bremen zu verdanken. Sie entdeckten 1962 im Weserschlick eine Kogge – der erste fast komplette Originalnachweis eines typischen Hanse-Frachtschiffs, das man bis dahin nur von Darstellungen kannte. Der Lastsegler war wahrscheinlich im Jahre 1380 vom Bauplatz bei einer Flut ins Wasser gespült worden, denn die Kogge war noch nicht ganz fertiggestellt – an Bord wurden noch Werkzeug, ein Teerfass und ein Schuh gefunden.

Inspiriert durch Bremen

Kurz nachdem in Bremen ein Nachbau auf Kiel gelegt wurde, fand sich auch in Kiel eine Initiative für eine originalgetreue Rekonstruktion: Über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sollten Jugendliche unter Anleitung von Bootsbaumeister Uwe Baykowski die Kogge nachbauen und sich so für den Arbeitsmarkt qualifizieren. „Zum Glück ahnten wir alle nicht, was auf uns zukommt, sonst hätten wir mit dem Bau wohl nie begonnen“, erinnert sich Wolf-Rüdiger Janzen, der Vorsitzende des Fördervereins Historische Hansekogge Kiel.

Anfang 1988 begann der eigentliche Bau der Kogge in einer Halle der Yacht- und Bootswerft Rathje in Friedrichsort. 56 Kubikmeter Eichenholz wurden verbaut, 11000 Nägel von Hand geschmiedet und 1600 Holzdübel gefertigt. Reinhard Ziermann erinnert sich, wie ihn Baykowski damals ins Team holte. „Ich war Lehrer, es gab damals keine Chance auf eine feste Stelle. Also wollte ich zum Tischler umschulen, was das Arbeitsamt aber nicht mitmachte. Der Bau der Kogge kam für mich wie gerufen. Auch wenn ich nur als Helfer mitarbeiten konnte, war das eine ganz tolle Zeit.“

Kredit über 90000 Euro

1991 wird das Schiff auf den Namen „Hansekogge“ getauft. Seit 1992 ist Ziermann Schiffsführer, hat alle Höhen und Tiefen miterlebt: bei den ersten Fahrten die Überraschung, dass sich der Nachbau so gut manövrieren lässt; die Erkenntnis, dass der Segler mit zwei Dieselmotoren ausgerüstet werden muss, weil man nicht immer ein Begleitschiff anheuern kann; die Segeltörns, bei denen die Crew und die Gäste in den Häfen begeistert empfangen werden; die Sorge, wie der neue Mast 2014 finanziert werden kann und das Entsetzen, als nur ein Jahr später klar wird, dass auch die Motoren ersetzt werden müssen. Für den Förderverein mit seinen 160 Mitgliedern ist das nicht zu finanzieren. Der Vereinsvorsitzende Wolf-Rüdiger Janzen geht Klinken putzen, schreibt Bettelbriefe. Die aktiven Vereinsmitglieder versuchen durch Eigenleistungen, die Kosten so weit wie möglich zu drücken. Doch am Ende rettet die Kogge nur ein Kredit über 90000 Euro.

Seit der Kieler Woche ist die „Hansekogge“ nun wieder einsatzbereit. Jetzt versuchen die 30 bis 40 ehrenamtlich Aktiven, das Holzschiff nicht nur zu erhalten, sondern damit auch das Geld für den Kredit „einzusegeln“. Enthusiasten wie Axel Mohr (52), der Physiker, der seit sieben Jahren an Bord den handwerklichen Ausgleich zu seinem Beruf findet. Wie Sonja Winzler (24), die angehende Schiffbau-Ingenieurin, die auf einem Hausboot zur Welt kam und von den besonderen Segel-Eigenschaften der Kogge fasziniert ist. Oder wie Ulrike Löptien (47), die neben ihren Törns auf der eigenen Segeljacht die Fahrten auf der Kogge nicht missen möchte: „Hier arbeiten und segeln generationsübergreifend Menschen zwischen 16 und 80 Jahren mit ganz unterschiedlichem Hintergrund zusammen. Das ist wirklich ein ganz besonderes Gemeinschaftserlebnis“, sagt die 47-Jährige und hofft, dass das noch mehr Menschen erleben. „Wir brauchen immer Verstärkung – beim Handwerklichen, der Logistik und Werbung, aber auch für Papierkram und Führungen.“ Man kann die Kogge aber auch für Törns und Veranstaltungen mieten. Oder einfach mal mitsegeln. Der nächste Törn im August führt zur Hanse Sail nach Rostock.

Der Kieler Radsportler Klaus Möller steigt im Urlaub auf seinen „Qualitätsdrahtesel“ vom Typ „Stevens Xenit“, tritt kräftig in die Pedale und macht Strecke. Insgesamt 4361 Kilometer fuhr er jetzt von Holtenau bis Holtenau – und passierte auf seinem Weg die zehn höchsten Alpenpässe.

Ingrid Haese 19.07.2016

Die Sommerschule, vor drei Jahren erstmals am Gymnasium Wellingdorf während der Sommerferien angeboten, ist ein Erfolg. Schüler werden seitdem gezielt gefördert. Im Rahmen der Sommerschule bietet die Schule jetzt erstmals das „Science Camp“ für begabte Schüler an.

Volker Rebehn 18.07.2016
Kiel „Faces Behind The Voices“ Die Stimmen der Stars

Die Ausstellung „Faces Behind The Voices“ würdigt einen Künstlerberuf der extremen Spaltung in Prominenz und Anonymität: Synchronschauspieler. Initiator und kreativer Kopf ist der in Berlin lebende Marco Justus Schöler, der die Ausstellung jetzt im Hauptbahnhof Kiel eröffnete.

Christian Trutschel 18.07.2016