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Kiel Konto einer 91-Jährigen abgeräumt
Kiel Konto einer 91-Jährigen abgeräumt
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10:40 14.08.2019
Von Thomas Geyer
Immer wieder soll die Angeklagte Beträge von den Konten einer 91-Jährigen abgehoben haben – insgesamt 37.500 Euro. Nun wird der Fall vor Gericht verhandelt. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft gewann die seit 2015 bei der Seniorin beschäftigte Haushaltshilfe schnell das Vertrauen der Alleinstehenden. Im Januar 2016 erteilte ihr die Seniorin eine Generalvollmacht für ihre Bankkonten, die „nur für den Notfall gedacht“ gewesen sein soll. Zudem ließ sie ihrer Vertrauten eine EC-Karte für ihr Privatkonto ausstellen.

Vier Wochen später begann die Angeklagte, drei- bis vierstellige Beträge von den Konten abzuheben – insgesamt 37.500 Euro. Das Geld verwendete sie laut Vorwurf für sich und ihren Ehemann. Die Abhebungen zwischen Februar und Juli 2016 räumte die Angeklagte am Dienstag zum Prozessauftakt ein. Sie will aber ausdrücklich im Auftrag und mit Wissen der Geschädigten gehandelt haben. „Nur weil sie es so wollte“, habe sie das Geld abgehoben und ihr stets sofort ausgehändigt, behauptet sie vor Gericht.

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Angeklagte bestreitet die Vorwürfe

Die resolut und selbstbewusst auftretende Angeklagte zeichnet die Geschädigte als geizige Frau, die „immer mehr“ von ihr gewollt habe. „Sie hat mich geliebt wie eine Tochter, die sie nie hatte“, verkündet sie. Die Bankvollmacht sei ihr förmlich aufgedrängt worden. Nach ihrer Darstellung wollte die Seniorin ihr Geld vom Konto abheben, damit es ihr im Fall eines Heimaufenthalts nicht weggenommen wird.

Eine Erklärung für das spurlose Verschwinden der Geldscheine lieferte die Angeklagte gleich mit: Die Seniorin habe die Beträge aus Misstrauen vor ihren Angehörigen immer wieder woanders versteckt. Im Sommer 2016 seien ihr die ständig wachsenden Ansprüche der 91-Jährigen zu viel geworden: „Sie wollte meine Pflege.“ Da sei sie auf Abstand gegangen. „Nein, wir machen hier einen kompletten Cut“, habe sie gesagt. „Wir gehen getrennte Wege, aus und vorbei.“

Seniorin kann sich nur schwer erinnern

Die Kontoinhaberin will jedoch nichts von den angeblich gewünschten Abhebungen gewusst haben. Das erklärte sie jedenfalls nachdrücklich zu Beginn des Ermittlungsverfahrens. Doch seit den Geldabhebungen sind mehr als drei Jahre vergangen. Und diese Zeit spielt für die Angeklagte: Die gebrechlich wirkende Zeugin, die sich am Dienstag am Rollator in Begleitung einer Betreuerin vorsichtig in den Saal tastete, hat ihre Erinnerung an die Vorfälle längst verloren.

Wegen der Schwerhörigkeit und fortgeschrittenen Demenz der Zeugin gestaltete sich die Vernehmung von Anfang an schwierig. An dem mittig im Saal platzierten Zeugentisch konnte die Seniorin die Fragen der Richterin trotz erhobener Stimme nicht ansatzweise verstehen. Auch die Verschiebung des Zeugenstuhls bis an die Kante des Richtertischs brachte keine Lösung.

Ältere Aussagen sollen nun helfen

Zwar konnte die 91-Jährige die Fragen der Vorsitzenden nun akustisch besser hören. Sie erfasste jedoch nicht vollständig deren Sinn. Die lautstarke Belehrung zur Wahrheitspflicht quittierte die Zeugin noch mit einem eindeutigen Bekenntnis. Doch die angeklagte Haushaltshilfe hatte sie nach eigenen Angaben noch nie gesehen. Auch an den Verlust ihrer Ersparnisse kann sie sich kaum noch erinnern.

Die Richterin brach die Vernehmung ab. Ersatzweise sollen im Prozess ältere Aussagen der Geschädigten verlesen werden. Auch den damals ermittelnden Vernehmungsbeamten will die Vorsitzende zum Fortsetzungstermin in zwei Wochen laden.

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