Heizkraftwerk in Kiel - Bagger frisst Schornstein von oben auf
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Kiel Bagger frisst Schornstein von oben auf
Kiel Bagger frisst Schornstein von oben auf
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21:04 27.05.2020
Von Frank Behling
Der 85 Meter hohe Schornstein des Heizkraftwerks in der Humboldtstraße soll von oben abgetragen werden.
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Kiel

 „Stimmt. Die Sprengung wäre natürlich sehr viel günstiger. Sie birgt in einem so eng bebauten Gebiet aber auch ein gewisses Risiko“, sagt Jörg Teupen, Vorstand Technik und Personal der Stadtwerke Kiel. Da die Stadtwerke aber auf gute Nachbarschaft aus sind, wurde die zweite Variante gewählt: Es ist der teurere und deutlich langwierigere Weg, um den 85 Meter hohen Schornstein am Heizkraftwerk in der Humboldtstraße „zurückzubauen“. Direkt nach Pfingsten beginnt der etwa zweijährige und mehrere Millionen Euro teure Abriss des Schornsteins und des ehemaligen Kesselhauses.

Kran setzt einen Bagger auf den Schornstein

Der 51 Jahre alte Schornstein und das Bauwerk werden zunächst eingerüstet. Dann wird ein großer Kran einen Bagger oben auf den Schornstein setzen. Dieser Bagger wird sich dann mit seinem Greifer von oben Meter für Meter nach unten fressen. 

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Den abgebrochenen Schutt lässt der Bagger in dem Schornsteinschacht nach unten fallen, wo er dann von Baggern auf Lastwagen geladen wird. Diese Arbeiten sollen im kommenden Winterhalbjahr erfolgen. „Natürlich wird auch diese Art des Abbruchs etwas Lärmbelästigung und Staub mit sich bringen“, so Teupen. Aber das Risiko für die Nachbarn ist deutlich geringer als bei einer Sprengung.

Kraftwerk liefert seit mehr als 100 Jahren Fernwärme

„Wir sind uns über die besondere Lage des Kraftwerks und insbesondere des Schornsteins bewusst. Daher haben wir mit großer Sorgfalt ein Unternehmen ausgewählt, das umfangreiche Erfahrungen mit entsprechenden Projekten hat“, so Jörg Teupen. In dem Kraftwerk wird seit mehr als 100 Jahren Fernwärme für Kiel erzeugt – bis 2002 ausschließlich im Rahmen der Heizdampftechnologie. Die alten Kessel und AEG-Dampfturbinen stehen noch in dem Bauwerk, das zum Teil auch unter Denkmalschutz steht. 

Seitdem löste die energieeffizientere Heizwasserversorgung schrittweise den Heizdampf ab. Diese sogenannte Dampfnetzumstellung wurde 2017 beendet. Seitdem bauen die Stadtwerke am Schrevenpark die nicht mehr benötigte Infrastruktur zurück. 

Auch am GKK wird wohl nicht gesprengt

Die Gasturbinen und ihre vier kleinen Schornsteine bleiben bestehen. Sie sind aber nicht so stadtbildprägend wie der 85 Meter hohe Stahlbeton-Schornstein. 

Der Abriss ist auch ein Vorbild für das Ende des über 100 Meter hohen Schornsteins des Gemeinschaftskraftwerks in Dietrichsdorf. Auch dieser Schornstein wird das Jahr 2021 nicht überstehen. Details über diesen Abriss werden aber erst später feststehen, wenn das Gelände verkauft ist und der Plan für den Abriss des Kraftwerks auf die Tagesordnung kommt. Freunden spektakulärer Bauwerkssprengungen machte Teupen aber auch für das GKK keine großen Hoffnungen.

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