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Kiel Weißes Wild für die älteren Mitbürger
Kiel Weißes Wild für die älteren Mitbürger
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00:17 09.01.2014
Von Karina Dreyer
Das Wildtier ist den Umgang mit Menschen schon gewohnt: Der anderthalbjährige Jonne nähert sich mit seinem Papa Marvin Raschkewitz. Quelle: eye: Karina Dreyer
Kiel

Die ganzjährig geöffneten und eintrittsfreien Tiergehege Hammer, Uhlenkrog, Tannenberg, Hasseldieksdamm und Suchsdorf werden gerne zur Naherholung genutzt. Viele der rund 200 Tiere von heimischen und in Schleswig-Holstein eingebürgerten Wildtierarten sowie europäische Haustierarten haben sich schon an die Nähe zum Menschen gewöhnt. Der Natur farblich angepasst sind sie manchmal dennoch schwer wahrzunehmen.

 „Wir haben in allen Tiergehegen mindestens ein weißes Damwild dabei, damit die Tiere besser gesehen werden, auch für uns zur Kontrolle“, erklärt Gondorf. Die weißen Tiere seien aber keine Albinos, „die natürliche Fellfarbe beim Damwild variiert von schwarz, wildfarben bis weiß mit allen Zwischentönen“, sagt er. Dennoch sind sie eine Seltenheit, denn nur zwei Prozent werden in der Natur mit weißen Fell geboren. Das sei auch gut so, denn durch ihre helles Fell wären sie für ihre Fressfeinde schneller zu erkennen.

 Und diese Erkennbarkeit brachte Gondorf vor zwölf Jahren auf eine Idee. „Auf einem Rundgang traf ich eine ältere Dame, die sich jeden Morgen ein Stück Obst aufsparte, um es im Tiergehege Uhlenkrog an einen Hirschen, den sie Hansi nannte, zu verfüttern“, erzählt Gondorf. Ihm wurde klar, dass der Besuch im Tiergehege für die Dame aus dem benachbarten Seniorenheim „das einzige war, war sie fußläufig noch schaffen konnte“. Mit Kollegen stellte er eine Gruppe von zwölf Damwild-Tieren, davon drei männliche) aus den Tiergehegen und benachbarten Damwild-Haltern zusammen. Auch für den Winter wurde vorgesorgt: „Da haben wir Soay-Schafe, die sich mit ihrem braunen Fell farblich vom Schnee absetzen“, so der Forsttechniker.

 Über die soziale Komponente eine Tiergeheges ist sich Gondorf bewusst, vor allem dass es den Besuchern viel Spaß macht, die Tiere zu füttern. „Generell gilt in allen Tiergehegen aber: Füttern verboten“, sagt er.

 Doch, da sich viele dennoch nicht abhalten lassen, wird er nicht müde zu erklären, dass nur das gefüttert werden darf, was die Tiere auch sonst in der Natur finden und fressen würden: „Kleine Mengen an Äpfeln, Möhren oder Salatblätter sind okay“, sagt er. Richtig gefährlich für die Tiere seien hingegen Nudeln, Kuchen und Brot in jeglicher Form. „Da sind Gewürze und Treibmittel drin, die die Tiere nicht vertragen“, sagt er. Es seien schon etliche Tier aus falsch verstandener Tierliebe elendig zugrunde gegangen.

 Die Tiergehege haben jährlich rund 150000 Besucher, deshalb bietet das Grünflächenamt auch regelmäßig Führungen an. Wer an einer solchen teilnehmen und sich näher informieren möchte, kann sich an das Grünflächenamt unter Tel. 0431/522924 wenden.