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Kiel Hermann Görings Jacht bleibt in Kiel
Kiel Hermann Görings Jacht bleibt in Kiel
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07:22 25.02.2016
Von Frank Behling
Die 1936 von Hermann Göring zu den Olympischen Spielen in Kiel genutzte Segelyacht „Flamingo“ wird von den Briten zurückgelassen. Ein deutscher Käufer will sie weiter in Kiel segeln. Quelle: Frank Behling
Kiel

Als im Mai 1945 die britischen Truppen nach Kiel kamen, beschlagnahmten sie nicht nur Werftanlagen und U-Boote – auch über die Segeljachten im Hafen bestimmten sie ab sofort. Die segelbegeisterten Engländer richteten im Kieler Yacht Club ihre erste Kommandantur ein und tauften den Club in British Kiel Yacht Club. Viele dieser Segeljachten hatten zuvor Nazis gehört oder waren im Bestand von Kriegsmarine und Luftwaffe. Darunter auch die „Flamingo“: Die weiße Jacht war 1935 bei der Werft Abeking & Rasmussen an der Weser für das Reichsluftfahrtministerium von Hermann Göring gebaut worden – und liegt bis heute in Kiel.

 71 Jahre nach Kriegsende wird die britische Armee in Holtenau in diesem Jahr ihren letzten Stützpunkt in Schleswig-Holstein schließen. Wenn der Union Jack zum letzten Mal niedergeholt wird und die Truppen abziehen, bleibt auch die „Flamingo“ zurück. Die elegante Jacht hat eine bewegte Vergangenheit. Sie begann ihren Dienst beim Fliegerhorst in Kiel-Holtenau. Bekannt wurde sie im Dritten Reich durch Segeltouren, die Nazi-General Hermann Göring auf der Förde unternahm. Die Bombenangriffe überstand sie.

Besitzverhältnisse wurden aufgearbeitet

 Bei der Aufarbeitung der Geschichte und der Besitzverhältnisse stießen britische Soldaten auf Dokumente, die den Luftwaffenchef Hermann Göring während der Segelregatten der Olympischen Spiele im Jahre 1936 an Bord zeigten. Gerüchte besagen, dass er öfter an Bord der „Flamingo“ gewesen sei und sie regelmäßig als „Dienstsegelboot“ nutzte. Das war auch der Grund, weshalb die Segeljacht für Aufsehen sorgte, wo immer sie in den vergangenen Jahren auftauchte. Etwa im Jahr 2013, als die „Flamingo“ in Helsinki als Nazi-Jacht in die Schlagzeilen geriet.

Reichsmarschall Hermann Göring soll die „Flamingo“ regelmäßig als „Dienstsegelboot“ genutzt haben. Quelle: dpa/dpaweb (Archiv)

 Das 17 Meter lange Boot gehörte zu den „Windfall“-Jachten, mit denen die Briten schon wenige Tage nach der Besetzung Kiels zu ersten Segeltouren aufbrachen. Bereits am 31. August 1945 starteten britische Soldaten die erste Kieler Woche der Nachkriegszeit. Den Abschluss bildete am 4. September ein Feuerwerk, das aus britischen Landungsbooten abgefeuert wurde. Die „Flamingo“ war mittendrin.

Verabschiedung am 26. August 2016

 Gefeiert wird in diesem Jahr auch wieder. Am 26. August wollen sich die Soldaten des British Kiel Yacht Clubs unter dem Kommando von Major Adrian Pery aus Kiel mit einem militärischen Zeremoniell verabschieden. Der Großteil der Segelboote sowie das Begleitschiff „Baltic Swift“ und ein Arbeitsboot werden die Reise auf dem Seeweg nach Gosport bei Portsmouth antreten. Die „Flamingo“ soll aber in Kiel bleiben. Sie wurde bereits im Herbst an einen Interessenten aus Deutschland verkauft, bestätigt Pery auf Anfrage. Angaben über den neuen Eigentümer gibt es keine. Nach KN-Informationen stammt er aus Schleswig-Holstein und will der „Flamingo“ in Zukunft im Hafen vor dem Kieler Yacht Club einen Liegeplatz geben. „Davon wissen wir noch nichts“, sagt Jörg Besch, Geschäftsführer des Yacht Clubs. Die Vorbereitungen zur Verabschiedung der Briten laufen aber. „Das Programm für die Feier wird im März feststehen“, sagt Besch.

 „Das wird ein sehr emotionaler Abschied. Die Briten sind als Besatzer gekommen und gehen als Freunde“, sagt Jann Petersen, britischer Honoralkonsul in Kiel. Der kleine Stützpunkt in Holtenau habe einen erheblichen Teil dazu beigetragen, dass viel englischer Spirit und Sportsgeist nach Kiel gekommen seien. In dem Stützpunkt ist auch die „Flamingo“ noch eingelagert. Sie steht mit den anderen Segeljachten im Winterlager in dem großen Hangar am Schusterkrug. Dort wird sie auf ihre letzte Sommersaison unter der Flagge des Union Jacks vorbereitet.

Die Nachricht kommt völlig überraschend: Das Regionale Berufsbildungszentrum Soziales, Ernährung und Bau (RBZ 1) soll laut Aussage des städtischen Pressereferats nach den Sommerferien mit 18 Klassen in die ehemalige Adolf-Reichwein-Schule einziehen. Andere müssen hingegen aus dem Gebäude ausziehen.

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