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Kiel Spendenaktion: Hilfe für Obdachlose und ihre Hunde
Kiel

Hilfe für Obdachlose und ihre Hunde - Spendenaktion mit Tierheim Uhlenkrog in Kiel

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16:30 08.12.2020
Von Karen Schwenke
Starten gemeinsam eine Hilfsaktion für Kieler Obdachlose und ihre Vierbeiner (v.li.): Svenja Kroliczak, Özlem Ünsal, Katja Dubberstein, Randie Förter-Barth, Wolfgang Mainz und Heike Menrath.
Starten gemeinsam eine Hilfsaktion für Kieler Obdachlose und ihre Vierbeiner (v.li.): Svenja Kroliczak, Özlem Ünsal, Katja Dubberstein, Randie Förter-Barth, Wolfgang Mainz und Heike Menrath. Quelle: Frank Peter
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Obdachlose haben manchmal nur einen Freund. Und das ist ihr Hund. Tag und Nacht verbringen sie zusammen auf der Straße. Selbst wenn es bitterkalt ist, bleiben sie den Notunterkünften fern. Denn Tiere sind dort nicht zugelassen. Für diese Fälle gibt es aber nun eine Lösung. Die neue Leiterin des Tierheims Uhlenkrog, Katja Dubberstein, macht den Obdachlosen ein Angebot: „Wer in einer Notunterkunft schlafen möchte, kann seinen Hund für die Nacht bei uns abgeben.“

Das Tier bekomme einen warmen Schlafplatz, müsse aber morgens wieder vom Besitzer abgeholt werden. „Es ist zwar eine Trennung für die Nacht, aber vielleicht besser, als bei Minusgraden draußen zusammen im Schlafsack zu liegen“, sagt Dubberstein. Bei dem Gedanken an eine Nacht in der eisigen Kälte fröstele sie selber.

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Die Tierärztin sorgt sich aber auch um die Gesundheit der Hunde: Obdachlose könnten sich daher kostenlos Wurm- und Flohkuren beim Tierheim abholen. „Sofern die Gesundheit der Tiere gewährleistet ist und sie nicht der nächtlichen Eiseskälte ausgeliefert sind, ist es das ideale Hundeleben“ zusammen mit einem Obdachlosen auf der Straße, stellt Dubberstein aber klar: „Die Tiere haben nonstop Kontakt zu ihrem geliebten Besitzer, müssen nie auf ihn warten, sind immer an der frischen Luft und haben ständig Kontakt zu Artgenossen.“ 

Angebot an alle Obdachlosen in Kiel

Das Angebot des Kieler Tierheims richtet sich zwar an alle 36 Obdachlosen, die es zurzeit wohl in der Stadt gebe. Aber nur ein einziger von ihnen besitze derzeit einen Hund. Die Zahlen änderten sich aber, „noch vor einigen Jahren waren es deutlich mehr Hunde, und es könnten schnell wieder welche dazukommen“, berichtet Heike Menrath von der Kieler Initiative für Obdachlose und ihre Vierbeiner. Die Gruppe besteht aus 1800 Mitgliedern bei Facebook, darunter „15 sehr aktive Ehrenamtliche“. Seit 2015 kümmern sie sich um Obdachlose in Kiel und versorgen sie mit dem Nötigsten. In diesem Winter kam der Kontakt zum Tierheim zustande. 

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Vernetzt wurden sie von der Kieler Landtagsabgeordneten Özlem Ünsal (SPD), die im Advent zu einer Spendenaktion zugunsten Obdachloser und ihrer Vierbeiner aufruft. Die Kieler Hilfsinitiative werde die Sach- und Lebensmittelspenden dann an die Bedürftigen verteilen. Die bisher größte Spende kommt von Trixie, Marktführer für Heimtierbedarf. Das Unternehmen mit Sitz in Tarp verschickte drei Paletten mit Hundedecken und -kissen sowie Geschirren – adressiert ans Tierheim. „Weil es so wenig Hunde auf der Straße gibt, kommt uns die Spende zugute, das können wir gut gebrauchen“, sagt Katja Dubberstein.

Aber auch die Kieler Initiative freut sich über Sachspenden wie Lebensmittel, Hygieneartikel, Decken, Isomatten und Schlafsäcke: „Gerade im Corona-Jahr ist der Bedarf extrem hoch, da die Spenden für die Obdachlosen nachgelassen haben“, berichtet Heike Menrath. In den vergangenen Jahren hatte die Hilfsinitiative Weihnachtsfeiern in der Männernotunterkunft Bodelschwingh-Haus und in Schulen organisiert.

Spender befüllen Weihnachtstüten für Bedürftige

Im Corona-Jahr gibt es stattdessen für die Bedürftigen eine Weihnachtstüte, „die jeder Spender selbst befüllen kann mit Socken, Hygieneartikeln, Taschenlampen und allem, was Freude macht“. Die Tüten sind bestimmt für die 36 Obdachlosen in der Stadt, für die 28 Bewohnerinnen der Frauennotunterkunft und die 56 Männer aus dem Bodelschwingh-Haus. Zusätzlich gebe es ein Weihnachtsessen – „coronakonform verpackt“, so Menrath.

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Der Arbeiter Samariter-Bund (ASB) in Kiel spendete bei dieser Gelegenheit unter anderem 30 Schlafsäcke. Damit beteiligt sich der Regionalverband an einer bundesweiten ASB-Kältehilfeaktion: „Sie haben die Kontakte zu den Obdachlosen, und wir wissen, dass unsere Spenden dort ankommen, wo sie gebraucht werden“, sagt Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Mainz mit Blick auf die Anstrengungen der Initiative. 

Offenbar traf der ASB mit dieser Spende ins Schwarze: „Es gibt Obdachlose, die passen auf ihre Schlafsäcke auf. Andere lassen die Schlafsäcke liegen, so werden sie nass und sind nicht mehr zu gebrauchen. Es gibt ja draußen auch keine Möglichkeit, sie zu trocknen“, berichtet Heike Menrath. Daher würden an die 36 Kieler Obdachlosen kontinuierlich neue Schlafsäcke rausgegeben, innerhalb von drei bis vier Monaten etwa 120 Stück. 

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