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Kiel Kapellenpläne gestoppt
Kiel Kapellenpläne gestoppt
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00:16 27.01.2014
Von Tamo Schwarz
Foto: Entwurf der Niemeyer Kapelle: Seit ist das Projekt Geschichte. Quelle: Stadt Kiel
Kiel

Letzter Auslöser war eine am Mittwochabend sehr gut besuchte und erneut hitzig geführte Ortsbeiratssitzung in Schilksee. „In der Sitzung sind Fragen aufgeworfen worden, die geeignet sind, die Würde der Opfer und Hinterbliebenen zu beschädigen. Die öffentliche Resonanz der letzten Wochen hat mich bewogen, von Kiel als Standort Abstand zu nehmen“, sagte Fernanda von Oppersdorff, Witwe von Moritz Kock. Der Sohn des Kieler Bildhauers Hans Kock war bei dem Absturz des Fluges AF447 auf dem Weg von Brasilien nach Paris ums Leben gekommen. Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) nahm die Entscheidung „mit Bedauern“ zur Kenntnis. Die Baukosten für die Kapelle am Stubbekredder vor der Steilküste von 450000 Euro wären komplett mit Spendengeld bezahlt worden, das vom Hinterbliebenenverein aufgebracht werden sollte. Lediglich die Unterhaltungskosten in Höhe von geschätzten 5000 Euro jährlich hätte die Stadt Kiel getragen

 Die Fronten zwischen Befürwortern des Projektes und den Gegnern, die im Stadtteil über 2500 Unterschriften gesammelt hatten und der Stadt Kiel und insbesondere Todeskino mangelnde Transparenz bei der Standortsuche vorwarfen, waren verhärtet. Jürgen Falkenhagen, einer Initiatoren der Unterschriftensammlung, reagierte gestern zufrieden: „Der massive Protest hat offenbar zu der Einsicht geführt, dass das Projekt an dieser Stelle nicht zu verwirklichen ist. Herr Todeskino hat es überreizt. Aber wir wollten weder das Projekt noch den Architekten diskreditieren.“ Jens Jacobus, ein weiterer Wortführer der Protestbewegung, hatte sogar von einem „Deal“ der Stadt Kiel „mit einer Privatperson“ gesprochen.

 Christoph Holst (CDU), Vorsitzender des Schilkseer Ortsbeirates, hatte bis zuletzt auf eine Realisierung dieser „Perle für Schilksee“ gehofft und zeigte sich „traurig, dass das Projekt für Kiel verloren geht.“ Kritisch äußerte sich Holst über das Verhalten einiger Schilkseer: „Einerseits Bürgerbeteiligung fordern und dann eine von der Stadt für Februar geplante Informationsveranstaltung ablehnen – das ist eine bornierte Einstellung.“ Dietrich Onnasch, Schilkseer und Befürworter der Kapelle, war nicht überrascht, dass Kiel nun nicht Standort für den einzigen Niemeyer-Sakralbau Europas wird: „Das war zu befürchten. Leider wurde teilweise polemisch diskutiert.“

 Unverständnis herrschte bei den Hinterbliebenen. Deren Vorsitzender Bernd Gans aus Vaterstetten bei München, der bei dem AF-447-Absturz seine 31-jährige Tochter verlor, zeigte sich im Gespräch mit KN-online erschöpft: „Ich bin aufgewühlt und habe jetzt keine Kraft mehr, um über einen anderen Standort nachzudenken.“ Die „Kuhwiese“ sieht Gans weiter als „wunderschöne Stelle für das Andenken der Opfer“. „Aber wenn man unser Geschenk nicht will, können wir nichts machen.“ In der Nachbargemeinde Strande steht man der Erinnerungskapelle wohlwollender gegenüber. Bürgermeister Holger Klink nennt den Niemeyer-Bau ein „interessantes Projekt“ und kündigt an, „jede Offerte seitens der Hinterbliebenen zu prüfen“. Die Bevölkerung müsse mitgenommen, Verkehrsproblematiken, beispielsweise an einem möglichen Standort an der Bülker Huk, müssten geklärt sein. Klink: „Wir sind immer gesprächsbereit.“