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Kiel "Zuiderdam" kommt weiter nach Kiel
Kiel "Zuiderdam" kommt weiter nach Kiel
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11:31 12.06.2019
Die "Zuiderdam" konnte Kiel am Sonntag verspätet verlassen. Grund dafür war eine Protestaktion von Klima-Aktivsten. Quelle: Frank Behling
Kiel/Seattle

Rund 50 Klimaaktivisten hatten am Sonntag das Auslaufen der „Zuiderdam“ für sechs Stunden verzögert. Laut Reederei kam das Schiff am Montag zwei Stunden später als geplant in Kopenhagen an.

Demonstranten hatten zwei Stunden vor dem geplanten Ablegen des Schiffs begonnen, mit kleinen Booten vor dem Bug der „Zuiderdam“ zu kreuzen und hielten es so auf. Fünf Aktivisten besetzten darüber hinaus am Ostseekai einen Kran, zwei von ihnen wollten diesen nicht verlassen und mussten abgeseilt werden. Die Blockierer der Gruppe „Smash Cruiseshit“ werteten ihren Protest als Erfolg und kündigten weitere Aktionen an. Sie fordern ein Ende der gesamten Kreuzfahrtbranche.

Wasserschutzpolizei in Kiel wurde ausgedünnt

Beim Seehafen Kiel herrschte deshalb Krisenstimmung. Hafenchef Dirk Claus wurde noch am Dienstag beim Innenminister vorstellig. Grund: Die Sicherung der Wasserfläche vor dem Terminal ist allein Aufgabe der Wasserschutzpolizei (WSP).

Das Kieler Revier war jedoch über Pfingsten nur schwach besetzt. „Die Wasserschutzpolizei ist über Jahre massiv ausgedünnt worden, die Folgen hat man jetzt gesehen“, sagt Thomas Nommensen von der Deutschen Polizeigewerkschaft

Im Innenministerium sieht man bei der Wasserschutzpolizei dagegen  keinen Bedarf für Sofortmaßnahmen: „Im Rahmen der Fortentwicklung der Landespolizei wird auch die Wasserschutzpolizei in einem ersten Schritt um etwa 22 Stellen verstärkt“, betont Ministeriums-Sprecher Dirk Hundertmark.

Außerdem widersprach das Innenressort den Darstellungen des Hafens und der eigenen Einsatzkräfte. „Für die Sicherheit entscheidend ist zunächst, dass die teilnehmenden Personen bei der Aktion am vergangenen Sonntag nach hiesiger Erkenntnis nicht in den sogenannten ISPS-Hafensicherheitsbereich eindrangen“, so Hundertmark.

Richtig ist jedoch: Die Aktivisten waren mit Booten an die Kaikanten gefahren und auf Poller geklettert, die unstrittig zum ISPS-Bereich gehören. Das hatte auch die Kieler Polizei auch so bestätigt.

Strafverfahren gegen 46 Aktivisten

Gegen 46 Aktivisten leitete die Polizei Strafverfahren wegen Nötigung, Widerstands und Hausfriedensbruchs ein. Polizeisprecher Torge Stelck sprach von einem hohen Organisierungsgrad und verteidigte die Einsatzkräfte gegen Kritik. „Wir können da nicht mit der Brechstange rangehen, weil die Gesundheitsgefahr für Demonstranten und Beamte groß ist.“

Ein Sprecher des Innenministeriums sprach von einer besonderen Gefahrenlage. Diese habe ein behutsames Vorgehen nötig gemacht. „Erschwerend kam hinzu, dass sich die rund 50 Personen nach der Auflösung der Versammlung unkooperativ verhielten, so dass zunächst zusätzliche und spezialisierte Einsatzkräfte alarmiert werden mussten, um die polizeilichen Maßnahmen durchzusetzen.“

Die „Zuiderdam“ bietet Platz für knapp 2000 Passagiere. Sie wird Anfang Juli erneut in Kiel erwartet.

Lesen Sie auch: Kreuzfahrtkalender für Kiel - Alle Anläufe im Überblick

Von KN/dpa

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