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Kiel Zuwachs für Callcenter-Branche
Kiel Zuwachs für Callcenter-Branche
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01:01 24.11.2014
Von Oliver Hamel
Datenkabelsalat: Kiels OB Ulf Kämpfer (Mitte) und Werner Kässens (KiWi GmbH) schauten sich mit ammg-Chef Martin Aye (li.) auf der Baustelle um. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

„Sieht aus, als ob hier was entsteht.“ OB Kämpfer dachte wohl, was viele dachten: Es gibt noch viel zu tun, bis das neue Kommunikationscenter „asf Kiel GmbH“ volle Fahrt aufnehmen kann. Bis auf die entkernten 800 Quadratmeter Bürofläche selbst fehlt noch nahezu alles, was ein Callcenter ausmachen könnte. Und das, was schon da ist, macht Probleme: Die wuchtigen Datenleitungen können zunächst nicht ausgebaut werden, weil der städtische Kampfmittelräumdienst sein Veto eingelegt hat. Irgendwo auf der langen Strecke vom Verteiler soll eine Weltkriegsbombe im Weg sein. Könnte gut sein, dass Aye sein Vorhaben am 5. Januar mit einem Notbehelf starten muss.

 Der 48-Jährige fängt nicht bei Null an, Hürden sind ihm nicht fremd. 1999 war er Mitgründer und Geschäftsführer der asf in Lübeck, die er heute als „Keimzelle“ der ammg bezeichnet. Es folgen weitere Gründungen von Firmen, deren Geschäfte Aye führt: die Medienwerker (seit 2006), carebyphone (seit 2007), asf sales & help (seit 2010) sowie carebyphone Integration (seit 2013). Mitte August gab der gebürtige Flensburger bekannt, dass seine Media Marketing Group die Schwelle von 1000 Mitarbeitern überschritten habe. Im September eröffnete Aye neue Geschäftsräume seines Unternehmens asf sales&help im Wuppertaler Zentrum, wodurch Fläche und Anzahl der Arbeitsplätze verdoppelt wurden. Laut Aye entstanden 100 neue Arbeitsplätze „aufgrund der hohen Nachfrage der namhaften Auftraggeber aus der Telekommunikationsbranche“. Inzwischen sei die aus acht Unternehmen bestehende ammg-Gruppe „einer der größten inhabergeführten Marketing- und Vertriebsservice-Anbieter in Deutschland“.

 Kiel erweist sich somit erneut als offenkundig reizvolles Pflaster für die Callcenter-Branche. Vor Ort hat sich inzwischen eine Vielzahl solcher Firmen niedergelassen, unter anderem die Invoco Holding GmbH (280 Mitarbeiter), Perry & Knoor (350) und Avocis (150) nicht zuletzt die Telekom (350, alles Schätzungen). Laut Volker Lenke, Geschäftsführer bei der Arbeitsagentur Kiel, sind rund 2000 Menschen in Kiel bei Callcentern beschäftigt. „100 neue Arbeitsplätze sind schon eine echte Nummer“, sagte OB Kämpfer gestern auf der Baustelle. „Dienstleistungsarbeitsplätze dieser Art braucht die Stadt dringend.“ Fördergelder bekomme die asf Kiel dennoch nicht.

 Ab 1. Januar gilt auch für Callcenter ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Die asf Kiel will ihren Mitarbeitern mehr zahlen. „Wir führen in unseren Unternehmen durchgängig die Regelung ,9 plus x’ ein“, berichtete Aye. Der Grundlohn von neun Euro soll um eine Variable – „eine nach oben offene, leistungsabhängige Komponente“ – aufgestockt werden. Der Standort mitten in Kiel wurde auch gewählt, um die Attraktivität des Arbeitsplatzes zu erhöhen. Der Mietvertrag wurde auf zehn Jahre abgeschlossen. In drei Großräumen soll künftig kommuniziert werden. Zunächst will man sich um Kunden des Internetdienstanbieters 1&1 kümmern. Die ammg arbeitet unter anderem für die Telekom, die AOK, die staatliche Bankengruppe KfW und das Kreditkartenunternehmen Barclaycard. Ab sofort sucht die asf Kiel (www.asf-kiel.de) also Mitarbeiter in unterschiedlichen Altergruppen. „Mit und ohne Handicap.“