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Kiel Prima Klima für die Party
Kiel Prima Klima für die Party
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20:30 27.06.2014
Von Paul Wagner
Ein Vorreiter in Sachen nachhaltiges Feiern ist der Muddi-Markt auf der Holstenbrücke. Dazu gehört auch die Leisedisco für die späten Stunden: Über 300 Kopfhörer stehen für die tanzenden Partygäste bereit – ein Lärmschutz der besonderen Art. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Schließlich ist die Landeshauptstadt „Klimaschutzstadt“. Zahlreiche Initiativen nutzen die Kieler Woche und sammeln für Klimaschutzprojekte in aller Welt. Doch auch vor Ort wächst das Interesse, das größte Volksfest Nordeuropas nachhaltiger zu feiern. Die Uni wirbt für „Goldeimer“-Kompost-Toiletten auf Großveranstaltungen, immer mehr Stände arbeiten mit Porzellangeschirr, um den Abfall zu minimieren. Zudem setzt eine kleine, aber steigende Zahl von Anbietern auf Lebensmittel aus ökologischem Anbau. Vor allem bei der jüngeren Generation spielt das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle.

 Ein Vorreiter in Sachen nachhaltiges Feiern ist der Muddi-Markt auf der Holstenbrücke. Dort legen die Organisatoren großen Wert darauf, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Zudem gibt es Workshops zur Energiewende, Vorträge zur Fair-Trade-Kleidung oder Mitmachaktionen zum Konsumverhalten. „Social Business“ heißt das Geschäftsmodell des Muddi-Marktes.

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 „Unsere Zielgruppe ist sensibilisiert, und sie wächst stetig“, sagt Organisator Lasse Kroll. Auch beim gemeinnützigen Verein Muddi-Markt bekommen die Leute hinter dem Tresen ihren Stundenlohn. Aber: „Wir müssen keine Eigentümer oder Gesellschafter mitfinanzieren.“ Hinzu komme ein geringerer Steuersatz als bei gewerblichen Standbetreibern. Durch diesen Vorteil könne zum Beispiel das Öko-Bier, bei dem der Einkaufspreis deutlich über dem herkömmlicher Industriebiere liegt, zum durchschnittlichen Kieler-Woche-Bierpreis verkauft werden.

 Für die Zukunft wünschen sich Lasse Kroll und seine Mitstreiter, dass sie auch beim Stromverbrauch von Bühne, Ausschank und Kühlung ihre Klimabilanz verbessern können. „Wenn es geht, würden wir gern Ökostrom nutzen.“ Dies ist bisher für die Standbetreiber auf der Kieler Woche nicht möglich. Stadtwerke und Landeshauptstadt verkaufen den Buden und Fahrgeschäften bisher ein gesondertes Energie-Produkt.

 Dessen Mix hat zwar von Jahr zu Jahr einen steigenden Anteil an erneuerbaren Energien, doch liegt dieser aktuell erst bei 32,5 Prozent. Der Rest stammt aus Kohle (60,3 Prozent), Erdgas (5 Prozent), Kernenergie (1,8 Prozent) und sonstigen fossilen Brennstoffen (0,4 Prozent).

 „Wir begrüßen das Bestreben der Standbetreiber, die Kieler Woche klimaneutral zu gestalten und würden die Klimaschutzstadt Kiel dabei gerne unterstützen. Selbstverständlich können wir uns vorstellen, die Kieler Woche in Zukunft auch mit Ökostrom zu versorgen“, sagt Sönke Schuster, Referent bei den Kieler Stadtwerken. Zwar sei der organisatorische Aufwand für die Energieversorgung der Kieler Woche in Sachen Verkabelung und Verteilung vergleichsweise hoch, „die Belieferung mit CO2-neutralem Ökostrom würde aber keinen nennenswerten Mehraufwand bedeuten“, so Schuster.