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Kiel Erneuter Anschlag auf die Bahn
Kiel Erneuter Anschlag auf die Bahn
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07:49 27.02.2014
Von Bastian Modrow
Brennpunkt Elmschenhagen: Nach einem Dutzend schwerer Zwischenfälle will die Polizei ihre Streifen rund um den Kieler Haltepunkt deutlich erhöhen. Quelle: Jordt
Kiel

Schrecksekunden im Feierabendverkehr: Nur wenige Minuten nach der Abfahrt im Kieler Hauptbahnhof ist am Dienstagabend gegen 18 Uhr ein Regionalexpress in Richtung Lüneburg in Höhe Elmschenhagen in einen Einkaufswagen gefahren. Unbekannte hatten diesen in einer Kurve gezielt auf den Gleisen platziert. „Der Fahrer hupte noch, bevor der Zug das Hindernis trotz Notbremsung überrollte“, berichtet ein Augenzeuge. Funken und Metallteile flogen, der Drahtkorb verkeilte sich an den Rädern des Triebwagens. Die Leitstelle der Bahn stoppte sofort den gesamten Linienverkehr auf der Pendlerstrecke. Nach 20 Minuten gelang es dem Fahrer und Zugbegleiter schließlich, die Überreste des zerfetzten Einkaufswagens unter dem Schienenfahrzeug herauszuziehen. Menschen wurden bei der Karambolage nicht verletzt, am Triebwagen entstand Sachschaden in Höhe von mehreren Tausend Euro.

Der bislang jüngste Vorfall einer ganzen Reihe von schweren Zwischenfällen in Elmschenhagen. Erst am vergangenen Wochenende war schon einmal ein Einkaufswagen auf die Schienen gestellt worden. Zuvor waren nicht nur mehrfach die Fahrkarten-Automaten an dem Haltepunkt gesprengt worden, den Behörden wurden auch diverse „Manipulationen an Gleisanlagen“ angezeigt. „Elmschenhagen ist landesweit zum Brennpunkt avanciert“, sagt Stelke. Einen Zusammenhang zwischen den Sprengungen und den Anschlägen sehen die Ermittler zwar nicht, „die Häufung ist allerdings ungewöhnlich“, so der Behördensprecher.

Längst sind die Zwischenfälle auch bei den Anwohnern Gesprächsthema und beschäftigen die Kommunalpolitik. „Ursprünglich sollte am Dienstag ein Vertreter der Deutschen Bahn bei uns im Ortsbeirat zu Gast gewesen sein, war allerdings nicht erschienen“, sagt Detlef Langfeldt, Vorsitzender des Ortsbeirats. Die Betroffenheit über die Ballung von Straftaten an der Bahnlinie sei groß, „zumal Sprengungen und Hindernisse auch für Unbeteiligte gefährlich sind“, so der SPD-Politiker. Die Bundespolizei pflichtet bei, spricht gar von Lebensgefahr durch umherfliegende Spreng- und Trümmerteile. „Solche Aktionen sind kriminell, haben mit dummen Streichen nichts mehr zu tun“, sagt Stelke. Nicht ohne Grund drohen bei gefährlichen Eingriffen in den Bahnverkehr empfindliche Strafen. DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis kündigte an, dass Täter zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.