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Kiel In der Kieler Innenstadt wurde es eng
Kiel In der Kieler Innenstadt wurde es eng
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08:17 08.10.2012
Von Thomas Eisenkrätzer
Trotz des kühlen und wechselhaften Wetters war die Innenstadt gestern voll. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Vom Alten Markt bis zum Ende des Sophienhofes Massen von Menschen: Ob jung oder alt, ob mit Freunden oder in Familie schauen, essen, klönen, kaufen, ohne Stress in entspannter Atmosphäre – ein Konzept, das auch in diesem Jahr wieder aufging. „Ein bisschen bummeln, ein bisschen in den Geschäften gucken, sich mit Freunden treffen, ein bisschen was mit den Kindern erleben und nachher noch auf den Herbstmarkt“, so haben sich Annika Förster (37) und Sven Herborg-Förster (43) vorgestellt – und so war es dann auch.

Verkaufsoffener Sonntag mit Bauern- und Regionalmarkt lockte die Besucher in Kiels City

Auf dem Alten Markt waren die Schmiede wieder am Werk, 20 an der Zahl, aus ganz Schleswig-Holstein, in den offenen Feuern glühte das Metall, bevor es unter den Hammer kam, wuchs zu Figuren aus der Unterwasserwelt – zu Fischen, zu Quallen, zu Meerjungfrauen, die am Ende eine mehrere Meter hohe Skulptur schmückten, eine Wasserpflanze, die bereits ihren Käufer gefunden hat. Der Erlös von 6000 Euro kommt Rüdiger Nehbergs Organisation „Target“ zugute, die sich gegen die Genitalverstümmelung junger Frauen einsetzt. Und jeder Besucher, der hier unter fachkundiger Anleitung ein Herzchen schmiedete und kaufte, trug seinen Teil zur Spende bei.
 
Über die Holstenbrücke schob sich der Menschenstrom in Richtung Asmus-Bremer-Platz. Wer hier Halt machte, entdeckte das Fair-Trade-Dorf, eine Neuheit des Bauern- und Regionalmarktes: Weltläden und andere Anbieter fair gehandelter Produkte aus Schleswig-Holstein und Hamburg präsentierten hier Waren aus kleinbäuerlichen Betrieben ferner Länder: Kaffee, schokolade, Wein, Früchte, Kunsthandwerkliches, direkt beim Erzeuger und zu einem Preis eingekauft, der dessen Existenz sichert; der Kieler Weltladen war mit leckeren Schokoladen vertreten.
 
Weiter ging es in Richtung Holstenplatz, vorbei an Musikanten, Oldtimer-Traktoren und einem Forellenräucherofen, an Käse-, Wurst-, Krabben-, Marmeladen-, Honig-, Obst-, Gemüse-, Bier- und vielen anderen Ständen - regionale Produkte für Kunden aus der Region. So machte Christmut Anders aus Russee, der einzige Ökobauer imKieler Stadtgebiet, mit einem großen Anhänger voller Saisongemüse auf sich, seinen Hof und seinen Hofladen aufmerksam. Für die Preetzerin Gunda Christiansen (63) stimmte da alles. „Bei den ganzen leckeren Sachen läuft einem ja schon vom Hingucken das Wasser im Mund zusammen“, sagte sie.
 
Für Kinder standen Ponys zum Reiten und Ziegen zum Streicheln bereit, außerdem konnten sie ihr „Bauern-Diplom“ ablegen – sie mussten ihre Geschicklichkeit bei Gummistiefel-Weitwurf, Strohschlacht und Schatzsuche unter Beweis stellen. Der fünfjährigen Laura-Luna und ihrem kleinen Bruder Jona-Elia (2) reichte das bei weitem nicht. So strahlten sie vom Sitz eines Lanz-Bulldog-Traktors durch dessen großes Lenkrad und hatten dabei auch noch einen tollen Überblick über das Geschehen ringsherum.
Trotz des bisweilen kühlen Wetters riss der Strom an beiden Wochenendtagen kaum ab – wem es zu kalt und feucht wurde, der fuhr die Rolltreppen zum Holstentörn hinauf, wo sich das Flair von draußen bis in den Sophienhof hinein fortsetzte. Auch wenn die meisten Geschäfte gut frequentiert wurden, das pralle Leben fand davor statt, und wer gestern shoppen wollte, konnte dies zumeist in aller Ruhe tun.
 
Nicht nur die Geschäfte in der Innen- und Altstadt beteiligten sich am verkaufsoffenen Sonntag. Dem Motto „Kiel macht auf!“ folgten auch die Holtenauer Straße, der Handels- und Gewerbeverein Pries-Friedrichsort, Ikea, CITTI-Park und Plaza. Und wie war die Resonanz? „In Anbetracht des Wetters können wir sehr zufrieden sein“, resümierte Kiel-Marketing-Chef Uwe Wanger. Allein in der Innenstadt seien an allen drei Tagen zusammen überschlagen 120000 bis 130 000 Menschen unterwegs, im CITTI-Park sei es voll, bei Plaza kein Parkplatz mehr frei gewesen. „Wie es in der Kasse geklingelt hat, wissen wir noch nicht. Das wird sich noch zeigen.“