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Kiel So weit die Füße tragen
Kiel So weit die Füße tragen
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07:00 26.02.2016
Von Bastian Karkossa
Inga Valk und Christian Staack zelteten auf ihrem Roadtrip auch inmitten eines ehemaligen Waldbrandgebietes. Quelle: Christian Staack
Kiel

Von Anfang April bis Ende September 2014 war das Paar insgesamt 173 Tage lang auf dem vielseitigen und kräftezehrenden Wanderweg, der sich auf 4279 Kilometern von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze durch die Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington erstreckt, unterwegs. Die Kieler gehören damit zu knapp 300 bis 400 sogenannten „Thru-Hikern“, die den Trail jährlich in einem Stück absolvieren.

 „Bis ich Christian 2011 kennengelernt habe, kam für mich nur Fünf-Sterne-all-inclusive-Urlaub in Frage“, blickt Inga Valk lachend zurück. Staack hingegen war schon immer ein Outdoor-Fan. Der 50-Jährige war in der Kieler Kletterszene aktiv und baute in der Landeshauptstadt den Kletterkeller mit auf. Frisch verliebt ließ sich Valk noch im selben Jahr von ihrem neuen Partner überreden, gemeinsam in den Dolomiten wandern zu gehen. Auf den Geschmack gekommen, folgten weitere Wandertouren durch Schottland, Norwegen, die Türkei und die Alpen. Der Grundstein für das Abenteuer PCT war gelegt.

 Aber wie schafft man es, knapp ein halbes Jahr auf Wanderschaft zu gehen, wenn man mitten im Berufsleben steht? Und was muss man bedenken, wenn man einen solchen Trip plant? Derlei Fragen beschäftigten die beiden erfahrenen Traveller vor ihrer Reise. Die Ärztin und der Mathematiker nahmen eine berufliche Auszeit, beantragten die notwendigen Visa und waren zur Vorbereitung im Alltag stets mit Gepäck zu Fuß unterwegs. Anfang April vorletzten Jahres ging es dann tatsächlich los. Ausgestattet mit ultraleichtem Equipment von nur acht Kilogramm, musste das Duo zunächst 700 Kilometer kalifornischer Wüste hinter sich bringen. „Wir haben uns einfach immer wieder gesagt, dass wir da durch müssen“, berichtet Valk. Die Wasserversorgung stellten die Weitwanderer per PCT-App sicher, die ihnen stets die nächste Wasserquelle anzeigte. Mit der Zeit stellte sich eine gewisse Reiseroutine ein: Aufstehen um 5.30 Uhr, knapp zwölf Stunden am Tag wandern – rund 35 Kilometer im Schnitt – und abends wieder einen geeigneten Zeltplatz suchen. Wenn nicht gerade „Trail Angels“, freiwillige Helfer, am Wegesrand kostenlos Obst bereitstellten, ernährten sich Valk und Staack unterwegs hauptsächlich von Schokoriegeln, Chips und Instantnudeln. „Es ist ein riesiges Abenteuer, aber auch ein Job“, stellt die 34-Jährige klar. Für die Strapazen wurden die beiden Reisenden allerdings regelmäßig mit atemberaubenden Ausblicken und tollen Landschaften belohnt – zum Beispiel auf der Bergetappe durch die Sierra Nevada samt Besteigung des 4421 Meter hohen Mount Whitney.

 Nach dem Gebirge durchlebte das Paar den „Nordkalifornien-Blues“, wie die auf dem schwülen Waldabschnitt des Trails herrschende Stimmung unter Wanderern genannt wird. Eine willkommene Abwechslung stellten die Pausentage dar. An den „Zero Days“ wurde Kraft getankt, Wäsche gewaschen und neue Essenspakete gepackt. Diese schickten die Kieler per Post insbesondere in Oregon und Washington an die nächste Raststation, „um möglichst wenig Gepäck zu schultern“, wie Valk erklärt. In diesem Abschnitt des Wanderpfades hatte das Duo längst von anderen Reisenden den obligatorischen „Trailnamen“ verpasst bekommen, sodass Valk auf „Princess“ und Staack aufgrund seiner speziellen Sandalen auf „Mr. Sandals“ hörte. Die Abschnitte in Oregon bezeichnet Valk als „Cruising“, also als verhältnismäßig entspanntes Wandern, während es in Washington nochmal richtig anstrengend geworden sei.

 Und wie war es für „Princess“ und „Mr. Sandals“, nach fast sechs Monaten durch Sand, Wald und Schnee, geplagt von Gelenkschmerzen und Entzündungen durch Überbelastung, und Aufeinandertreffen mit Bären und Klapperschlangen das Zielmonument unweit der kanadischen Grenze zu erreichen? „Einfach unglaublich“, erklärt Valk, „weil es uns unheimlich stolz gemacht hat“. Das Besondere, was von der Reise bis heute überdauere, sei zum einen die Freundlichkeit von Fremden, so die Mutter der sechs Monate alten Frieda, und zum anderen die Erkenntnis, „dass man immer mehr schaffen kann, als man denkt“.

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