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Kiel Innenminister verteidigt Leichensuche
Kiel Innenminister verteidigt Leichensuche
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13:06 12.07.2012
Beschädigter Kantstein, Dreck auf der Fahrbahn: Der siebenwöchige Einsatz der Polizei hat in Altenholz Spuren hinterlassen. Quelle: bos
Kiel/Altenholz

Am Morgen nach der Beendigung der Leichensuche war von der Polizei an der Teichkoppel nichts mehr zu sehen. Stattdessen nahmen einige Hells Angels das Grundstück in Augenschein. Hier hatte die Halle gestanden, von der aus Tätowierfarbe vertrieben worden war. Während des siebenwöchigen Polizeieinsatzes war das Geschäft in einem Zelt neben dem Grundstück weitergelaufen.

Nach der ergebnislosen Leichensuche in einer Lagerhalle der Hells Angels schreiten die Aufräumarbeiten im Altenholzer Gewerbegebiet Lehmkaten voran. Auf dem Hallengelände ist nur noch eine Sandfläche zu sehen. Am Tag nach dem Abbruch der Suche hat Innenminister Andreas Breitner (SPD) der Staatsanwaltschaft und der Polizei den Rücken gestärkt. „Die Sicherheitsbehörden konnten gar nicht anders handeln, als sie gehandelt haben“, sagte Breitner.

Die Polizei will sich bis zum Wochenende vollständig aus dem Gewerbegebiet zurückziehen. Ob und wann die vollständig abgetragene Halle wieder aufgebaut wird, steht noch nicht fest. Beobachter gehen fest davon aus, dass der Eigentümer beim Land Schleswig-Holstein Anspruch auf Schadenersatz erhebt.

Innenminister Breitner betonte am Mittwoch, dass der Abbruch der Untersuchungen in Altenholz kein Rückschlag im Kampf gegen die Rockerkriminalität sei. Von einem Scheitern zu sprechen, sei „Ausdruck von Unwissenheit und fehlendem Verständnis für die zwingenden Notwendigkeiten strafrechtlicher Ermittlungsarbeit“. Das Land bleibe bei seiner Null-Toleranz-Strategie gegen Rockerkriminalität. „Es gibt keinen Grund, davon nur einen Millimeter abzuweichen.“

Die Suche nach der Leiche des vermissten Tekin Bicer war am Dienstag ergebnislos abgebrochen worden. Ein Hells-Angels-Aussteiger hatte der Polizei zuvor als Kronzeuge von Informationen Dritter berichtet, nach denen unter der Altenholzer Lagerhalle TekinBicers Leiche liegen sollte. Leichenspürhunde hatten dort zwar angeschlagen, doch auch nach sieben Wochen, in denen die gesamte Halle samt Fundament akribisch untersucht und abgetragen worden war, fanden sich keine entsprechenden Hinweise. „Wir gehen nach wie vor von einem Tötungsdelikt aus und stützen uns dabei auf den Zeugen, aber auch auf andere Hinweise“, sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Mittwoch.

Medien hatten berichtet, dass am Dienstag zwei Rocker aus der Haft entlassen worden waren, weil ohne Leiche kein dringender Tatverdacht mehr bestehe. Diese Zahl sei definitiv falsch, stellte Heß klar, ohne die richtige Zahl zu nennen. Im Zuge der Großrazzia am 24. Mai in Kiel und dem übrigen Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen waren fünf Männer festgenommen worden, später kam eine Festnahme in Polen hinzu. „Nicht alle sitzen im Fall Tekin Bicer ein.“ Fakt sei jedoch, dass alle Inhaftierten „für die Hells Angels bedeutsame Personen“ seien.

Nach Angaben von Michael Gubitz, dem Verteidiger des noch immer inhaftierten ehemaligen Kieler Charter-Präsidenten Dirk R., ist bislang „mindestens ein Inhaftierter“ entlassen worden. „Unsere Mandanten werden hingehalten“, meint Gubitz. „Die Staatsanwaltschaft schiebt unliebsame Entscheidungen vor sich her – nämlich die Männer aus der Untersuchungshaft zu entlassen.“ Die Anwälte würden auch die weiteren Vorwürfe anfechten und darum kämpfen, die Staatsanwaltschaft „von der Unglaubwürdigkeit ihres Zeugen zu überzeugen“. Aus seiner Sicht sei das bereits erwiesen, sagte Gubitz.

Die Polizei sucht in einer Lagerhalle der Hells Angels in Altenholz seit dem 24. Mai nach der Leiche des seit zwei Jahren vermissten Tekin Bicer.

Einschlägige Foren der Rocker im Internet, in denen Hells Angels und ihre Sympathisanten am Vortag noch intensiv miteinander diskutiert hatten, waren gestern abgeschaltet.

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