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Kiel Stadt sucht Kontakt zu Flüchtlingen
Kiel Stadt sucht Kontakt zu Flüchtlingen
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00:52 19.11.2014
Von Günter Schellhase
Die Stadt Kiel möchte Flüchtlingen bei der Integration helfen. Quelle: Lara Eckstein (Symbolfoto)
Kiel

Unterdessen hat die Kieler SPD Ideen skizziert, wie die Flüchtlinge Kontakt zu Familien in den Krisenregionen aufnehmen können, um die sich sehr sorgen.

Einige Flüchtlinge wohnen in den Gemeinschaftsunterkünften in der Gaardener Straße Zum Brook, in der Containersiedlung in Ellerbek und in Russee. Der Großteil lebt in zahlreichen über das Stadtgebiet verteilten Wohnungen und hat somit Kontakt zu den Kielern. „Wir dürfen diese Menschen nicht überfordern, weil sie teilweise noch auf ihr Anhörungsverfahren warten“, sagte Sozialdezernent Gerwin Stöcken (SPD). Verschiedentlich gingen Nachbarn auf Flüchtlinge zu und sprächen mit ihnen Deutsch. „Das läuft ganz prima“, so der Stadtrat.

 Derzeit laufen Planungen, beispielsweise ein Fußballturnier zu organisieren. Viele Vereine hätten signalisiert, daran mitzuwirken. Ort und Datum stehen allerdings noch nicht fest. Damit die Menschen aus den Krisenregionen Kiel besser kennenlernen, müssen sie mobil werden. Stöcken spricht bereits mit dem Ordnungsamt über Fahrräder, die dort als Fundsachen gesammelt werden. „Wer noch ein verkehrstüchtiges Rad im Keller hat und nicht benötigt, kann es auch gerne spenden“, sagte der Verwaltungsmann.

 Die Kieler SPD hat in der Fraktion und den Ortsvereinen Vorschläge erarbeitet. „Die Bereitschaft, etwas Sinnvolles zu machen, ist sehr hoch“, sagte SPD-Ratsherr Torsten Stargars. Ganz wichtig sei, dass es ausreichend Hilfsangebote gebe, damit die Flüchtlinge die schlimmen Erlebnisse in den Heimatländern verarbeiten können. Auch eine adäquate Unterbringung sei unabdingbar. „Auf jeden Fall muss eine Gettobildung verhindert werden“, sagte der SPD-Politiker. Bisher gab es Pläne, Flüchtlinge in drei Kasernengebäuden auf dem Gelände des ehemaligen Marinefliegergeschwaders in Holtenau unterzubringen.

 Was die Flüchtlinge aber am meisten umtreibt, ist die Sorge um ihre Familien in den Heimatländern. Sie wollen unbedingt wissen, wie dort die aktuelle Lage ist und mit den Menschen dort in Kontakt stehen. „Damit sie mit Verwandten und Freunden kommunizieren können, sind sie auf Notebooks, Handys und Internet angewiesen, was ihnen meistens nicht zur Verfügung steht“, sagte Stargars. Unter dem Motto Projekt Flüchtling Mensch bittet die SPD die Kieler um Spenden derartiger Geräte, die aber funktionstüchtig sein sollten.

 Damit die Menschen aus den fernen Ländern auch die nähere Umgebung um ihre Unterkünfte kennenlernen können, will die Partei sie in die Stadtteile locken und ihnen die Quartiere zeigen. Bei kleineren Willkommensveranstaltungen sollen die Menschen mit den Kielern in Kontakt kommen. „Dazu habe ich aus den Ortsvereinen bereits ein großes Echo erhalten“, sagte Stargars. Gespräche über konkrete Vorhaben laufen bereits.