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Kiel Gastronom kritisiert Vergabekriterien
Kiel Gastronom kritisiert Vergabekriterien
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08:00 01.04.2019
Von Jürgen Küppers
Foto: Curryhouse-Betreiber Om Mehra macht aus Protest in diesem Jahr keinen indischen Stand auf dem Internationalen Markt. 
Curryhouse-Betreiber Om Mehra macht aus Protest in diesem Jahr keinen indischen Stand auf dem Internationalen Markt.  Quelle: Frank Peter
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Kiel

Die Stadt erklärte vor einigen Wochen in ihrer Pressemitteilung zum Internationalen Markt: Sein „Angebot ist weniger attraktiv als das der anderen Bewerber“. „Stimmt überhaupt nicht“, hält Om Mehra dagegen. In Wahrheit habe er selber die Beteiligung am Internationalen Markt abgelehnt – aus Protest: „Denn ich lasse mich vom Kieler-Woche-Büro nicht unter Druck setzen.“ 

Individualisierung war Auslöser

Hintergrund des Zoffs ist der Plan des Kieler-Woche-Büros, die Stände auf dem Internationalen Markt stärker zu „individualisieren“. Dabei soll auch Holz zum Einsatz kommen: in Form von Flaggenmasten an den Ständen, Freisitzmöbeln oder auch durch individuelle neue Holzstände, die die Stadt an Speisenanbieter ohne eigene Stände vermietet. Dieses Angebot werde laut einem Stadtsprecher von anderen Standbetreibern auch „positiv angenommen“. 

Mietpreise stark gestiegen

Om Mehra bezweifelt das allerdings angesichts stark gestiegener Mietpreise für die städtischen Holzhütten. Denn statt bisher insgesamt rund 1800 Euro für zwei je 25 Quadratmeter große Pagodenzelte solle er laut Angebot des Kieler-Woche-Büros für wesentlich kleinere Holzhütten (zehn Quadratmeter) bis zu 6000 Euro pro Stück (inklusive Umsatzsteuer und Indien-Deko) Miete zahlen. „Abgesehen von den damit für mich extrem stark steigenden Kosten sind so kleine Hütten mit ihren Zwischenwänden auch noch völlig ungeeignet, um dort zwischen 2000 und 3000 Portionen am Tag zuzubereiten und auszugeben.“ 

Seinen Vorschlag lehnte die Stadt ab

Also ersann der 44-Jährige eine Alternative zur Miete: Er sei bereit, eine große Holzhütte inklusive individualisierter Indien-Deko auf eigene Kosten – laut Voranschlag rund 45 000 Euro teuer – herstellen zu lassen. Allerdings knüpfte er an den Vorschlag die Bedingung, dass ihm das Kieler-Woche-Büro im Gegenzug für ein paar Jahre eine Beteiligung am Internationalen Markt zusichere, um seine Investitionskosten wieder zu erwirtschaften. Doch diesen Vorschlag lehnte die Stadt mit Verweis auf die jährliche Ausschreibung der Länderbeteiligung ab. 

Welche Ausschreibungskriterien („gastronomisches und kulturelles Angebot, authentische Länderpräsentation“) der Indien-Stand in diesem Jahr aus Sicht der Stadt nicht erfüllte und deshalb zur Nicht-Zulassung führte, ließ sie in ihrer Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Kieler Nachrichten unbeantwortet.

Stadt erläutert Situation der Stände

Stattdessen erläuterte der Stadt-Sprecher die aktuelle Situation zum Thema Stände auf dem Internationalen Markt. Viele Betreiber hätten aus Holz ganz neue Stände kreiert oder Dekorationen von neutralen Zelten und Buden entwickelt. Weiterhin würden neben Holzbauten auch Zelt- oder andere Materialstände zugelassen, wenn sie die erforderlichen Kriterien einer landestypischen Präsentation erfüllten.

Andererseits stelle die Stadt aber keine Miet-Zelte mehr zur Verfügung. Begründung: Die Nachfrage danach sei gesunken, außerdem könnten sie nur bedingt landestypisch gestaltet werden. Auch diese Darstellung der Stadt löst bei Om Mehra Skepsis aus. Letztlich könne diese Material-Vielfalt der Stände auch zu einer starken Ungleichbehandlung auf dem Internationalen Markt führen: „Manche Großstände in der Mitte des Platzes machen wahrscheinlich so weiter wie bisher“, vermutet der Gastronom: „Andere, so wie ich, sollen hingegen für viel Geld ihre Stände so gestalten, wie die Stadt sich das vorstellt. Das mache ich nicht mehr mit.“

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