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Kiel Toxikologe: Grenzwerte sind berechtigt
Kiel Toxikologe: Grenzwerte sind berechtigt
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10:02 13.04.2018
Von Martina Drexler
Am Theodor-Heuss-Ring in Kiel werden die Grenzwerte für Stickoxide seit Langem überschritten. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Wie schätzen Sie die Gesundheitsgefährdung von Stickoxiden und Feinstaub als Folge des Diesel-Skandals ein?

Edmund Maser: Stickoxide und Feinstaub können den menschlichen Körper belasten und zu gesundheitlichen Schäden führen. Nach der aktuellen Datenlage und wissenschaftlichen Studien samt Vergleichen sind die Grenzwerte von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid und Feinstaub pro Kubikmeter berechtigt. Ich halte sie für nicht zu niedrig. Die Berechnungen des Bundesumweltamtes, nach denen der Dieselskandal zu 6000 zusätzlichen Toten geführt haben könnte, müssen vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die epidemiologischen Studien hoch komplex sind. Man vergleicht Bevölkerungsgruppen miteinander und versucht den Unterschied daran festzumachen, ob eine höhere Sterblichkeit im Zusammenhang mit Dieselruß festzustellen ist. Aber es gibt ja eine Menge an Störgrößen wie z.B. eine Schadstoffbelastung aus anderen Quellen (Rauchen, Alkohol) oder eine ungesunde Ernährung sowie statistische Schwächen, die die Aussagekraft, dass allein der Dieselruß zu höherer Sterblichkeit führt, in Zweifel ziehen.

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Das hört sich ja an, als sei alles nicht so schlimm.

Nein, das stimmt nicht. Aber die Berechnungen mit der Angabe von zusätzlichen 6000 Toten halte ich für nicht zielführend. Um die Aussagekraft über die Gefahren von Dieselruß zu erhalten, hätte man besser sagen müssen, dass die Schadstoff-Belastung schon zu einem Verlust von Lebensjahren bezogen aber auf die gesamte Bevölkerung in Deutschland geführt hat. Das heißt, eine Gruppe von exponierten Menschen verliert insgesamt an Lebensjahren im Vergleich zu einer Gruppe ohne Belastung. Deshalb muss man auf der Einhaltung der Grenzwerte im Straßenverkehr bestehen. Den Wert von 950 Mikrogramm Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz finde ich demgegenüber zu hoch, auch wenn man davon ausgeht, dass gesunde Arbeiter nur acht Stunden an Werktagen mit der Belastung konfrontiert sind.

Prof. Edmund Maser leitet das Institut für Toxikologie. Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Feinstaub oder Stickoxide – welcher Stoff bedeutet eine größere Gesundheitsgefährdung?

Beide führen in hoher Konzentration zu Schäden. Doch seit 1990 hat die Feinstaub-Belastung zumindest in Schleswig-Holstein etwa durch Maßnahmen wie Einbau von Filtern so deutlich abgenommen, dass sie nicht mehr das große Problem darstellt. Das gilt aber nur für ihre gesamte Menge: Wir haben neuerdings das Problem, dass aufgrund der neuen Diesel-Motoren durch die Verfeinerung des Verbrennungsprozesses die Feinstaub-Partikel immer winziger werden. Das heißt, der Anteil mikroskopisch feiner Partikel an der Gesamtmenge ist angestiegen. Je feiner die Partikel sind, desto tiefer geraten sie in die Lunge. Ultrafeine Partikel schaffen es sogar bis in die Lungenbläschen. Das muss man künftig bei der Berechnung von Grenzwerten berücksichtigen.

(Das ganze Interview lesen Sie in der Freitag-Ausgabe der Kieler Nachrichten.)

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