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Kiel Hätte die Tat verhindert werden können?
Kiel Hätte die Tat verhindert werden können?
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08:00 25.01.2019
Von Karen Schwenke
Marion Muerköster, Leiterin des Kieler Jugendamtes, beim Interview in ihrem Büro im Neuen Rathaus. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

KN-online: Im Jugendamt Kiel erfahren Sie häufig von Kinder-Schicksalen. Wie gehen Sie
mit diesem besonders schlimmen Fall
um?

Marion Muerköster: Das ist ein Fall, bei dem selbst ich – 25 Jahre dabei – lange nicht gut schlafe. Das grausame Ausmaß ist auch für Menschen in der Jugendhilfe schwer aushaltbar.

Das heißt, Sie haben so etwas noch nie erlebt?

Nein, dieser Fall ist außergewöhnlich. Soweit ich weiß, ist so etwas in Kiel noch nicht vorgekommen. Ein kleines Mädchen, das so früh aus dem Leben gerissen wird und so Schreckliches ertragen musste – so ein tragischer Fall sollte auch gar nicht vorkommen.

Können Sie sich trotzdem erklären, wie es zu der Tat kommen konnte?

Ich darf mich aus Gründen des Sozialdatenschutzes zu dem konkreten Fall nicht äußern, da wir in dem Verfahren als Jugendgerichtshilfe eingesetzt sind. Das bedeutet, dass wir den jungen Erwachsenen, der von der Staatsanwaltschaft angeklagt wurde, in der Verhandlung begleiten.

Sie betreuen den Mann also erst jetzt nach der Tat. Hätte das Jugendamt die junge Familie denn nicht schon vorher betreuen müssen? Und hätten Sie so die Tat nicht irgendwie verhindern können?

Wir haben die Familie nicht betreut, da wir keinen Hinweis bekommen haben, dass hier eine Kindeswohlgefährdung bestand. In der Regel bekommen wir Hinweise von Ärzten, Kliniken, Hebammen oder Psychologen. Diese Berufsgruppen sind verpflichtet, mit dem Jugendamt zu kooperieren, wenn sie sich Gedanken über die Kindeswohlgefährdung machen – beispielsweise, wenn ein Kind nicht ausreichend versorgt wird oder wenn die psychische Situation der Mutter oder des Vaters fraglich ist. Dieses war hier nicht der Fall.

Und wenn das Jugendamt informiert gewesen wäre, hätten Sie etwas tun können?

Wir hätten die Familie begleiten können und eventuell gemerkt, wann der junge Mann in eine psychische Krise gerät. Ob das die Tat verhindert hätte, kann ich nicht sagen.

Steckte der 19-Jährige denn Ihrer Meinung nach in einer Krise? Er hat seine Tochter laut Staatsanwaltschaft sexuell missbraucht und sie getötet, um den Missbrauch zu verschleiern. Das klingt doch eher nach einer pädophilen Neigung als nach einer persönlichen Krise.

Meiner Ansicht nach kann kein Mensch, der seine vier Wochen alte Tochter umbringt, bei klarem Bewusstsein sein. Alles andere mag ich mir nicht vorstellen. Die psychiatrische Begutachtung erfolgt aber im Gericht von einem Spezialisten. Unsere Aufgabe als Jugendgerichtshilfe ist es dann unter anderem zu schauen, wie die Strafe für den jungen Mann aussehen könnte und dies im Prozess beizutragen.

Nochmal zur Frage, ob die Tat nicht zu verhindern gewesen wäre. Hätten nicht die Eltern vorab etwas tun können, wenn Sie befürchten, dass ihr volljähriger Sohn ein Risiko für das Baby darstellt?

Eltern können sich jederzeit an das Jugendamt wenden und ihre Sorgen äußern. Mit der Erlaubnis der volljährigen Kinder würden wir sie zusammen zum Gespräch einladen oder auch den jungen Menschen allein einladen. Laut Gesetz müssen junge Volljährige eine Mitwirkungsbereitschaft und eine Mitwirkungsfähigkeit zeigen. Wenn sie aber keine Hilfe annehmen wollen, können wir leider nichts machen.

Die Eltern und auch die Verlobte sind kurz vor der Tat dem 19-Jährigen zu Hause noch begegnet. Er soll von halluzinogenen Pilzen berauscht und unbekleidet nachts aufgetaucht sein. Wieso haben sie den kritischen Zustand und den Rausch ihres Sohnes, ihres Partner nicht bemerkt?

Das werden sich sicherlich viele Menschen fragen, aber ich kann Ihnen die Frage nicht beantworten.

Wissen Sie, wie es der Mutter jetzt geht? Wird auch sie vom Jugendamt begleitet?

Auch hier habe ich wegen der Persönlichkeitsrechte Schweigepflicht. Ich kann nur sagen, dass wir immer Betreuung anbieten, und dass mein ganz persönliches Mitgefühl der Mutter und ihrer Familie gilt.

Die Angehörigen und auch der Täter machen sich sicher Vorwürfe. Wird bei Ihnen jemals wieder Ruhe einkehren und ein normales Leben möglich sein?

Ich bin mir sicher: Alle Beteiligten werden ihr Leben lang das tragische und grausame Geschehen nicht aus dem Kopf bekommen.

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