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Kiel „Die Burse lebt durch die Studenten!“
Kiel „Die Burse lebt durch die Studenten!“
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09:00 29.06.2019
Von Christian Trutschel
Die 1969 errichteten Gebäude der Deutsch-Nordischen Burse, Kiellinie 81, so wie sie heute aussehen. Quelle: hfr
Kiel / hfr

Da macht es Sinn, an dieser Stelle auch gleich mal den seltsamen Namen zu erläutern. Burse? Das Wort wurzelt tief in der Vergangenheit, kommt von lateinisch bursa für Börse und meinte, vor allem in der Hochphase vom Hochmittelalter bis in die frühe Neuzeit, sowohl ein Gemeinschaftshaus, in dem Studenten aus einer gemeinsamen Kasse lebten, als auch deren Gemeinschaft selbst. 

Die Burse, die 1929 in Kiel gegründet wurde, entsprang revanchistischer Wehmut. Ein konservativer kleiner Kreis von Leuten, darunter preußische Regierungsbeamte in Berlin, hatte auch zehn Jahre nach dem Versailler Vertragsschluss dessen die Weimarer Republik bedrückende Folgen, horrende Reparationszahlungen und die Gebietsabtretungen des Deutschen Reiches – darunter Nordschleswig, der Großteil Westpreußens, Elsaß-Lothringen und Eupen-Malmedy – nicht verwunden. 

Das deutsche Wesen - an Bursen genesen?

Die von ihnen wiederbelebten Bursen sollten „das Deutschtum im Ausland stärken“. Auslandsdeutschen männlichen Studenten sollten sie Herberge und Bildungsstätte sein, auf dass diese nach Examen und Heimkehr deutsche Kultur im weitesten Sinne reimportierten.

Keimzelle und erste Burse war Marburg, neun weitere folgten. „Die anderen Bursen existieren nicht mehr in der Form“, sagt Dr. Hans-Ulrich Johannsen, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Studentenwohnheims und stellvertretender Vorsitzender der Stiftung. 

Zusammen mit dem Stiftungsvorsitzenden Dr. Martin Skaruppe und Ulrich Adolf, Vorsitzender des Förderkreises der Stiftung, sitzt Johannsen beim Pressegespräch in geräumigen Sofas und Sesseln in der Halle des großen Rotklinker-Gebäudes an der Kiellinie. In der Halle fallen auf: ein Billardtisch und immer wieder Studentinnen und Studenten, die durch- und vorbeigehen, grüßend, teils mit Akzent.

Studentinnen und Studenten organisieren ihr Zusammenleben selbst

„Die Burse lebt“, sagt Johannsen, „und zwar durch die Studenten. Sie bestimmen, wie sie hier leben wollen.“ 88 lebten gegenwärtig hier, mehr als 60 Prozent seien Deutsche, andere studieren im Rahmen des europäischen Erasmus-Hochschulprogramms kurz in Kiel, wieder andere kommen aus dem Baltikum, Russland und Osteuropa.

„In den ersten Jahrzehnten waren wir bemüht, Studenten aus dem skandinavischen und baltischen Raum ins Haus zu holen,“ sagt Johannsen, der im Juli 1969 als erster Student einzog, als hier noch gebaut wurde.

Das alte Burse-Haus im Düsternbrooker Weg 14 war im Zweiten Weltkrieg zerbombt worden, die ursprüngliche Zielsetzung „ist komplett fallengelassen worden, die Burse richtete sich nach Norden aus“.

"Wir wollen die europäische Einigung fördern"

Doch seit den 1990ern, als Berlin hochattraktiv wurde, dann auch Rostock, blieben die Skandinavier aus. „Kiel ist nicht mehr die erste Adresse für Studenten aus diesem Raum“, konstatiert Johannsen

Ende Januar hat sich die Deutsch-Nordische Burse eine neue Satzung gegeben. „Wir sind offen für den ganzen europäischen Raum“, erklärt Martin Skaruppe, „wir wollen die europäische Einigung fördern.“

Für Wohnheim-Anwärter gebe es keine Zugangsbeschränkungen, keine politischen oder konfessionellen Vorbedingungen. Bestimmte Studiengänge oder Sprachkompetenzen werden nicht vorausgesetzt.

Bibliothek, Halle, Bar, Musik-, Kino-, Kraft-, Tischtennis- und Wasch-Trocken-Raum stehen zur Verfügung. Das Gemeinschaftsleben bildet sich in kleineren Einheiten aus, vor allem auf den sechs großen Fluren mit je 14 bis 16 Bewohnern.

Im „Olymp“ haben – zurzeit neun – Studenten auf der Zielgeraden und Doktoranden ihre Ruhe.

Außer der Sekretärin und dem Hausmeister sind alle ehrenamtlich tätig

Eine wichtige Rolle spielt der 170-Mitglieder-Förderverein. „Wir unterstützen finanziell“, sagt Ulrich Adolf, „von der Luftpumpe bis zur Rudermaschine. Wir diskutieren mit den Studenten ihre Vorschläge. Abgelehnt haben wir zum Beispiel ein Tretboot mit Rutsche. Wir versuchen, Teamgeist und Engagement zu fördern, sodass sich Netzwerke bilden, die weit über die Zeit hier hinaus Bestand haben.“

Auch die Festschrift, gestaltet von den Studentinnen Lisa Bürger und Berta-Luisa Dette, finanzierte der Förderverein komplett. Und die Modernisierung des gesamten WLAN-Netzes im Haus. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Johannsen.

Hauptamtliche Kräfte seien nur die Sekretärin mit halber Stelle und der Hausmeister, der zu 60 Prozent hier und die weitere Zeit im Gästehaus der Uni nebenan arbeite. Johannsen lobt ihn: „Wir haben einen unendlich tüchtigen und tatkräftigen Hausmeister, Rainer Schultz, dem viel zu verdanken ist.“

Alles andere werde bei der Burse ehrenamtlich geleistet. Man sei Bursianerin und Bursianer, betont er, und wagt die These: „Als einziges Studentenwohnheim in Kiel hat dieses ein von Studenten reichhaltig organisiertes – wie wir sagen – Bursen-Leben. Wer einmal hier war, schickt oft auch seine Kinder her.“

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