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Kiel Hier zählt die Gemeinschaft
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18:42 08.03.2015
Von Karina Dreyer
Zwei beste Freundinnen, die sich auch gemeinsam für die Feuerwehr begeistern können: Dajana Panthier (links) und Miriam Niß aus Kiel-Moorsee. Quelle: Karina Dreyer
Kiel

Sein Großvater und Vater sind bei der Feuerwehr, seit zwei Jahren nun auch Finn Ole Franke. Der Zwölfjährige ist Schriftwart der Suchsdorfer Jugendwehr. „Wir treffen uns oft und reden über alle Themen, das gefällt mir“, sagt Finn Ole. Nils Sprenger kam mit elf Jahren zur Jugendfeuerwehr. „Neben meiner Kita war direkt die Feuerwehr, da haben wir immer mitbekommen, wenn was los war“, erinnert der 16-Jährigen den Ursprung seines Wunsches, einmal Feuerwehrmann zu werden. Nun wurde er zum Stadtjugendgruppenleiter gewählt.

 Wer schon in der Jugendfeuerwehr startet, dort an Übungs- und Ausbildungsteilen teilgenommen hat, bei dem verkürzt sich die Ausbildungszeit später in der Einsatzabteilung der Feuerwehr. „Sie müssen dann nur noch einen speziellen Lehrgang machen, um am Einsatz teilnehmen zu können,“ beschreibt Pressewartin Christin Beeck.

 Miriam Niß (16) ist seit sechs Jahren bei der Jugendfeuerwehr Moorsee. „Das ist für mich meine zweite Familie geworden. Wir machen einmal die Woche Dienst und Feuerwehrsport, das macht mir richtig viel Spaß“, sagt sie. Und so hat es nicht lange gedauert, dass ihre beste Freundin Dajana Panthier auch Mitglied wurde.

 Stefanie Strothmann hat viele Ämter bei der Freiwilligen Feuerwehr, unter anderem betreut sie die Jugend. Die 22-Jährige startete mit zehn Jahren in Moorsee, nun ist sie in Suchsdorf und arbeitet mittlerweile auch hauptberuflich als Teamassistentin der Amtsleitung der Berufsfeuerwehr Kiel. „Wenn man in einem Dorf groß wird, ist man auch in der Feuerwehr. Da gehen alle Kinder hin. Den Teamgeist kriegt man auch nirgendwo so hin wie in ländlichen Gegenden“, ist sie sich sicher. Oft gebe es in den städtischen Feuerwehren Studenten, die „auf dem Land aufgewachsen sind und wissen, was sie bei der Feuerwehr am Studienort erwartet: Gemeinschaft“.

 An der Frauenquote bei der Feuerwehr wird noch kräftig gearbeitet. In den Kieler Jugendfeuerwehr gibt es 28 Mädchen und 148 Jungs. „1989 wurde die erste Frau in die FF Wellsee aufgenommen, sie war das erste weibliche Mitglied der Freiwilligen Feuerwehren. In die Jugendfeuerwehren kamen die ersten Mädchen Anfang der 90er Jahre“, weiß Christin Beeck. Manchmal gebe es noch Männer der älteren Generation, „die glauben, dass wir Frauen das nicht können. Aber wir beweisen immer wieder, dass sie unsere Leistung wertschätzen können“, betont Stefanie Strothmann. Sie weiß auch aus Erfahrung: Kaum sei eine Frau in der Gruppe, würden sich die Männer benehmen.

 Wer Interesse an der Jugendfeuerwehr hat, sollte einfach mal vorbeischauen. Es gibt viele Gründe für das Engagement in der Jugendfeuerwehr, zum Beispiel werden Fahrten und Freizeiten angeboten. „Und bei Bewerbungen ist die Mitgliedschaft von Vorteil. Potenzielle Arbeitgeber sehen so, dass die Jugendlichen im Team arbeiten können und auch im Umgang mit anderen Menschen geschult sind“, beschreibt die Pressewartin. Materielle Anreize wie der Mopedführerschein in anderen Orten Schleswig-Holstein gibt es in Kiel nicht. Noch lässt sich der Nachwuchs so begeistern. „Aber auch wir spüren die Konkurrenz durch Schule, Vereine, Aktivitäten und Medien. Wir analysieren aber ständig, wie wir noch attraktiver werden können“, betont sie.