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Kiel Prof. Liselotte Mettler wird 80
Kiel Prof. Liselotte Mettler wird 80
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11:00 06.06.2019
Von Kristiane Backheuer
Auszeit für die Teilnehmer des internationalen Fortbildungskurses in Reproduktionsmedizin: Die Gastärzte aus aller Welt ließen sich im Mai dieses Jahres unter anderem auch von Prof. Liselotte Mettler (links) schulen. Die Fortbildung wird regelmäßig von der universitären Kinderwunsch-Sprechstunde Kiel angeboten. Quelle: hfr
Kiel

Dass Liselotte Mettler irgendwann einmal Langeweile haben wird, ist nicht zu befürchten. Gerade ist die weltweit führende Reproduktionsmedizinerin, die 1982 half, das erste Kieler Retortenbaby zur Welt zu bringen, auf ihrer ersten Kreuzfahrt.

Mit der „Aidaluna“ ging es hoch zum Nordkap. Für ein kurzes Interview erreichen wir die umtriebige Professorin auf dem Rückweg am Telefon. Sie steht gerade auf dem Fischmarkt im norwegischen Bergen und nimmt sich etwas Zeit für uns.

Die "halbe" Kieler Frauenklinik vom UKSH wird mitfeiern

Pünktlich zu ihrem 80. Geburtstag am heutigen Donnerstag wird sie aber wieder in Kiel einlaufen. Zu Hause in Düsternbrook wird sie zusammen mit der „halben“ Kieler Frauenklinik, Weggefährten und Freunden ihren Ehrentag feiern.

„Wir haben schon Island und Spitzbergen gesehen“, erzählt sie begeistert. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das auf einem Kreuzfahrtschiff 17 Tage lang aushalten würde. Aber es ist klasse.“ Mit dem Aushalten meint Liselotte Mettler vor allem das Nichtstun. Denn die Medizinerin ist auch im Alter noch unglaublich aktiv.

Die Kieler Schule für gynäkologische Endoskopie mitgegründet

Vor Kurzem war sie auf dem Weltkongress für Fertilität und Sterilität in Shanghai. An der staatlichen Uniklinik in Dubai steht sie noch regelmäßig als Gastprofessorin im OP. Sie ist stellvertretende Direktorin der universitären Kinderwunsch-Sprechstunde in Kiel und die „Patronin“ der Kieler Schule für gynäkologische Endoskopie, die sie einst mit aufgebaut hat.

„Zwei Monate im Jahr arbeite ich noch aktiv in Kiel“, sagt sie. Die übrige Zeit besucht sie weltweit Kongresse, hält Vorträge, schreibt Gutachten und Bücher. Ihr mittlerer Sohn Alexander (47) behauptet sogar: „Meine Mutter schreibt im Jahr mehr Bücher, als ihre Söhne lesen können.“

Babys im Reagenzglas

Den Namen Liselotte Mettler kennt in der Fachwelt jeder und unter den Schleswig-Holsteinern vor allem diejenigen, die einen unerfüllten Kinderwunsch hatten. Schon Ende der 70er-Jahre als frischgebackene Professorin sprach sie in ihrer Antrittsvorlesung von Babys aus dem Reagenzglas und erntete Kopfschütteln unter den Kollegen.

Kinderlosen Eltern ihren Lebenswunsch erfüllt

Aus dem „Hirngespinst“ wurde Realität. 1982 konnte sie in Kiel „ihr“ erstes Retortenbaby präsentieren. Dem zweiten Baby überhaupt, das in Deutschland durch künstliche Befruchtung auf die Welt kam. „Wir waren nicht immer erfolgreich“, sagt sie rückblickend. „Aber wir haben vielen kinderlosen Eltern ihren Lebenswunsch erfüllen können.“

Mehr als zehn Millionen Retortenbabys weltweit

Etwa jedes zehnte Paar hat Schwierigkeiten, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen. In den vergangenen 40 Jahren sind weltweit mehr als zehn Millionen Retortenbabys geboren worden.

Kontakt zu „ihren“ ersten Drillingen, die 1982 durch künstliche Befruchtung entstanden waren, hat sie noch immer. „Sie leben auf Föhr. In den ersten Jahren haben sie sogar immer noch ein Geburtstagsgeschenk von mir bekommen“, erzählt sie. Inzwischen seien sie selbst Eltern geworden. „Und das auf natürlichem Weg. Das freut mich sehr.“

Mit Prof. Kurt Semm die Endoskopische Chirurgie vorangebracht

Als Liselotte Mettler nach drei Jahren Tätigkeit im Dschungel-Krankenhaus in Pucallpa, Peru, in Kiel anfing, war sie die einzige Frau unter den Ärzten der Klinik. Nicht immer hatte sie es leicht. Aber aus einem anfangs skeptischen Chef Prof. Kurt Semm wurde später ein Freund. Mit ihm zusammen entwickelte sie die Endoskopische-Chirurgie weiter.

Um große, für den Patienten belastende OP-Schnitte zu vermeiden, hatte Prof. Kurt Semm durch kleine Öffnungen operiert. Die Schlüsselloch-Operation war geboren. Die Ärzteschaft war anfangs ganz und gar nicht begeistert. Heute ist die Technik weltweit gang und gäbe.

„Gerade haben wir 25 indische Ärzte an der Kieler Schule für Gynäkologische Endoskopie geschult“, erzählt die Medizinerin und freut sich, dass sie mit Prof. Nicolai Maass und Prof. Ibrahim Alkatout „super Nachfolger“ hat.

Ihr Mann baute in Kiel das weltberühmte Lymphknoten-Register auf

Liselotte Mettler war seit 1970 mit dem Hämatopathologen Prof. Reza Parwaresch verheiratet und hat drei Söhne. Der gebürtige Iraner baute in Kiel das inzwischen weltberühmte Lymphknoten-Register auf. 2005 verstarb er.

Fünf Jahre später heiratete sie mit fast 70 Jahren noch einmal. Einen amerikanischen Jugendfreund. Ihre Söhne sind erstaunlicherweise nicht Ärzte geworden. Bijan Mettler (49) ist Rechtsanwalt in Miami/Amerika. Der 47-jährige Alexander ist ebenfalls Jurist, sowie Unternehmer im Bereich Medizintechnik und Kliniken und ist vor Kurzem wieder nach Kiel gezogen. Moritz (31) arbeitet für den Kieler Lebensmittelgroßhandel Bela.

Während ihre Mutter nun auf Kreuzfahrt unterwegs ist, bereiten Alexander und Moritz den runden Geburtstag vor. „Wir teilen die Reden ein, mähen schon mal den Rasen, klären einiges für den Auftritt der Musiker von Loungehouse aus Hamburg“, erzählt Alexander Mettler.

Er ist stolz auf seine umtriebige Mutter, die neben der „Kopfarbeit“ äußerst sportlich ist. Sie walkt jeden Morgen, so erzählt er, geht schwimmen, zur Gymnastik und macht Segeltouren mit ihrem eigenen Boot.

Eine Frau mit Leuchtturmcharakter

Dann fällt ihm noch ein, dass sie gerade vor zwei Wochen mit der Ehrenmitgliedschaft von der Berliner Charité geehrt wurde. „Eine höhere Auszeichnung gibt es nicht für Frauenärzte in Deutschland“, sagt er. „Insbesondere für Frauen ist meine Mutter sicherlich ein Leuchtturmcharakter.“

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