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Kiel SUP findet immer mehr Fans
Kiel SUP findet immer mehr Fans
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17:44 22.04.2019
Von Kristiane Backheuer
Am 30. April 2019 erscheint das SUP-Buch von Tom Körber (rechts) und Michael Walther im Wachholtz Verlag. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Michael Walther (38) ist SUP-Pionier der ersten Stunde. Im Neopren und mit dem Board unterm Arm ist der Kieler regelmäßig am Falckensteiner Strand zu finden.

Mit dem SUP vor Grönland

Mit etlichen Aktionen machte er bereits deutschlandweit auf sich aufmerksam. So paddelte der einstige Profisegler durch den Nord-Ostsee-Kanal, war 24 Stunden nonstop von Flensburg nach Kiel auf dem Board unterwegs und packte sein Brett vor Grönland aus, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.

Um mehr Menschen für diesen Sport zu begeistern, hat er jetzt zusammen mit dem renommierten Sportfotografen Tom Körber (54) ein SUP-Buch geschrieben. Nächste Woche kommt es in den Handel. Wir trafen die beiden Freunde zum Interview.

Frage: Hier in Kiel haben wir doch das Paradies auf Erden. Wir können segeln, surfen, kiten, rudern. Wieso braucht man da noch Stand Up Paddling?

Michael Walther: Anfangs war ich auch nicht wirklich überzeugt. Aber als ich es ausprobiert hab‘, war mir schnell klar, dass es richtig Spaß macht. Und obendrein ist das auch noch ein sehr gesunder Sport. Man trainiert beim Paddeln im Stehen den gesamten Körper. Physiotherapeutisch ist das 1a. Zudem ist ein SUP wirklich für jeden geeignet.

Tom Körber: Ich war zu Beginn auch skeptisch. Warum soll man stehend auf dem Wasser paddeln? Als wir bereits 2007 die ersten Aufnahmen von SUPs in Kiel machten, haben erst mal alle dumm aus der Wäsche geguckt. Aber ich hab’ gesehen, dass das gar nicht so blöd ist.

Interaktive Karte: SUP in Kiel

Sieht aber im Vergleich zu den anderen Wassersportarten ziemlich blöd aus. Was ist denn das Besondere am SUPen?

Tom: Es ist die einfachste und schnellste Art aufs Wasser zu kommen. Beim Windsurfen brauche ich einen Riesenberg an Material. Und zudem noch eine halbe Stunde bis alles aufgebaut ist. Genauso beim Segeln. Beim SUPen aber habe ich ein Board, das ich aufpumpe oder vom Autodach ziehe und kann loslegen. Das ist die Einfachheit des Daseins. Egal, ob ich am Meer wohne, in einer Groß- oder Kleinstadt. Irgendwo ist immer Wasser.

Michael: Sonst ist Wassersport aufwendig und kostspielig. Hier gehst Du einfach zum Verleiher, holst Dir ein Board und Paddel und kannst loslegen. Außerdem ist der Sport familienfreundlich und hat auch einen meditativen Charakter.

Dümpelt man mit einem SUP nicht eher langweilig dahin?

Michael: (lacht) Ganz und gar nicht. Ich kann ja selbst entscheiden, wie viel Power ich ins Paddel gebe. Das Schöne ist, dass man je nach Laune entweder sportlich ist oder einfach die Atmosphäre auf dem Wasser genießt.

Rein optisch macht SUPen ja nicht gerade viel her. Wie kann man da ein Buch daraus machen?

Tom: Indem ich mit Umgebung und Licht arbeite. Ich kann das Board auf einen kleinen Fluss setzen, vor einen Sonnenuntergang oder in Wellen. Wir waren für die Aufnahmen in Schweden, Dänemark und an allen möglichen Orten hier in Schleswig-Holstein unterwegs. Da sind wirkliche spannende Aufnahmen entstanden. Ein SUP funktioniert vor allem im Kontext, daher braucht es Spannung im Bild. Für eine funktionierende Aufnahme braucht es dann aber auch noch zusätzlich einen guten Sportler, der aktiv, also mit Körperspannung, auf dem Board steht.

Damit bist Du gemeint, Michael?

Michael: Ich glaub’ schon (lacht). Seit ich sechs bin, segle ich. Ich habe immer schon versucht, so viel Zeit wie möglich auf dem Wasser zu sein. Das SUP kommt mir da perfekt entgegen. Ich kann es flexibel in den Alltag integrieren und für meine Langstreckentouren fast täglich trainieren.

Deine Grönland-Tour auf dem SUP beispielsweise war ja ziemlich sportlich. Im Stehen auf dem kleinen Board vorbei an Walen und schmelzenden Eisbergen. Dazu die eisige Kälte. Warum machst Du solche verrückten Aktionen?

Michael: Um dem Klimawandel ein Gesicht zu geben. Es ist keine fixe Idee, weil das Thema gerade in ist. Ich hab schon vor Jahren mit Segelaktionen angefangen, den Umweltschutz voranzubringen. Ich würde gerne die Menschen wachrütteln. Wir müssen uns dringend Gedanken machen, wie wir besser mit der Natur umgehen.

Tom: Das klingt mir zu politisch korrekt, wenn man Dich nicht kennt. Sag es doch deutlicher: Wir müssen endlich den Hintern hochbekommen. Wir müssen endlich verstehen, dass wir keine Zeit mehr zum Diskutieren haben. Bereits 1979 haben die ersten Wissenschaftler eine Klimaerwärmung festgestellt und ebendiese Auswirkungen beschrieben, die wir heute vorfinden. Wir wissen also seit 40 Jahren, dass sich das Klima erwärmt und keiner hat es bis dato für nötig gehalten, ernsthaft etwas dagegen zu tun. Nur faule Kompromisse. Dumm nur, dass das Klima keine Kompromisse macht.

Die Schüler tun ja mit ihrer „Fridays-for-Future“-Bewegung gerade etwas dagegen.

Michael: Ja, es ist klasse, dass zumindest die junge Generation aufwacht.

Tom: Im Grunde ist es erbärmlich, dass uns erst Schüler darauf aufmerksam machen müssen.

Michael: Stimmt und die Politiker werfen Nebelbomben, statt sich mit dem echten Problem zu befassen.

Tom: Die Politiker müssen endlich Farbe bekennen. Sie haben auf einfache Fragen keine Antworten. Und dafür sollen wir sie wiederwählen? Das ist ein Witz.

Im Mai plant Ihr ja schon eine nächste Aktion für die Umwelt. Du Michael, brichst dann mit dem dreifachen Europameister im Kiten, Mario Rodwald, zum „Emissionsfrei Schleswig-Holstein Rund“ auf. Und Du, Tom, machst wieder Fotos. Was ist das für ein Projekt?

Michael: Vor mehr als zehn Jahren hab’ ich die Initiative „Zero Emissions“ ins Leben gerufen. Mit umweltschonenden Wassersportprojekten versuche ich damit die Klimaerwärmung in die Köpfe der Menschen zu bekommen. Mit „Schleswig-Holstein Rund“ wollen wir zeigen, dass man mit Stand Up Paddelboard und Kiteboard einmal das nördlichste Bundesland umrunden kann, ohne CO2 auszustoßen. 700 Kilometer ohne schädliche Emissionen. Am 18. Mai gibt Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer am Camp 24/7 den Startschuss.

Beim SUPen ist man im Einklang mit der Natur

Tom: Klar, bin ich bei so einer tollen Aktion mit der Kamera dabei. Wir zeigen, dass so ein SUP nicht nur unendlich viel Spaß macht, sondern dass man beim SUPen im Einklang mit der Natur ist. Und das Gute daran ist: Wer sich in der Natur bewegt, lernt sie zu schätzen und zu schützen. Deshalb geben wir die Hoffnung nicht auf. Also kann ich nur allen empfehlen: Rauf aufs Board!

Buch: Tom Körber, Michael Walther, „SUP Stand Up Paddling - Faszination, Abenteuer, Lifestyle“, Wachholtz-Verlag, Erscheinungsdatum 30. April, 22 Euro, ISBN 978-3-529-05032-9.

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