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Kiel 18.000 Euro für eine private Ladesäule
Kiel 18.000 Euro für eine private Ladesäule
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06:17 27.12.2019
Von Steffen Müller
Bernd Müller möchte im Garagenhof eine E-Auto-Ladestation installieren lassen. Erst die Förderung durch das Programm Kiel-Flex macht das halbwegs erschwinglich. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

"Eine der größten Herausforderungen ist der Ausbau in bestehenden Wohngebieten", sagt Dr. Roland Drewek, der Geschäftsführer der SW-Kiel Netz GmbH. Wie schwer es ist, eine Ladesäule auf einem Privatgrundstück zu errichten, davon kann die Familie Müller-Witt ein langes Lied singen. Die Eheleute wohnen am Blücherplatz, fahren seit Jahren zwei Euro-Fünf-Diesel und würden gerne auf E-Mobilität umsteigen.

Das Problem: Auf dem Grundstück, auf dem Dr. Bernd Müller und Angelika Witt-Müller zwei Garagen angemietet haben, gibt es keinen Stromanschluss. Damit die Ladesäulen gebaut werden können, müssten rund 165 Meter neue Kabel von einer Trafostation verlegt werden. Kostenpunkt: etwa 18.000 Euro. "Das ist absurd", sagt Bernd Müller. "Für den Preis kann man lange mit dem Taxi fahren."

Seit drei Jahren in Gesprächen mit den Kieler Stadtwerken

Der Familie ist bewusst, dass auf sie Kosten zukommen, und sie will sich auch daran beteiligen. "Aber bei so viel Geld sehen wir davon ab, auf E-Mobilität umzusteigen." Seit mehr als drei Jahren ist ihr Garagen-Vermieter Matthias Hein mit den Stadtwerken im Austausch, zunächst ging es um die Leistung der Ladestationen, dann wurde lange ein Kosten-Angebot ausgearbeitet, hinzu kamen versicherungstechnische Fragen, falls bei den Bauarbeiten an der Grundstückseinfahrt Schäden am benachbarten Wohnhaus entstehen sollten.

Mittlerweile haben sich die Parteien weitestgehend geeinigt. "Es sind noch Details zu klären", sagt Hein, der nun optimistisch ist, dass die Müllers 2020 ihre Ladestation bekommen. Dass es jetzt zu einer Einigung bei den Kosten kam, liegt an dem Forschungsprogramm Kiel-Flex. Dank finanzieller Unterstützung vom Bund zahlen die Stadtwerke die Verlegung der Leitung bis kurz hinter der Grundstücksgrenze, für die restlichen Meter auf dem Garagenplatz kommt der Besitzer selbst auf. Die Selbstbeteiligung liegt ersten Schätzungen zufolge bei etwa 4000 Euro.

6,5 Millionen Euro für Forschungsprogramm Kiel-Flex

Dem Forschungsprogramm Kiel-Flex stehen 6,5 Millionen Euro zur Verfügung, davon stammten 3,7 Millionen Euro aus dem Sofortprogramm "Saubere Luft" des Bundesenergieministeriums. Neben der Christian-Albrechts-Universität, die das Projekt wissenschaftlich begleitet, profitieren unter anderem noch die Kieler Verkehrsbetriebe (KVG) und der Seehafen von der Förderung. Den Stadtwerken stehen rund 1,2 Millionen Euro zur Verfügung, die aus eigenen Mitteln auf drei Millionen Euro erhöht wurden.

Kernaufgabe von Kiel-Flex ist es, das Stromnetz in der Stadt flexibler zu machen. Dazu gehört der Landstrom für Schiffe, aber eben auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos. So werden die Stadtwerke bis Sommer 2020 an öffentlichen Standorten rund 40 neue Ladepunkte in Kiel und der Umgebung errichten, bislang gibt es 20 Standorte mit 28 Ladesäulen und 58 Ladepunkten. Sämtliche Projekte sind vergeben und sollen bis Ende 2020 realisiert werden, die Auswertung läuft bis September 2022.

Private Projekte zur E-Mobilität werden kaum gefördert

Die Familie Müller hatte Glück, dass sie mit ihrem Anliegen einer Ladesäule auf privatem Grund in das Programm aufgenommen wurden, weitere Projekte auf nicht-öffentlichen Flächen werden nicht gefördert. Und hier liegt ein Problem für die Ladeinfrastruktur der Zukunft. Denn der Bedarf an Lade-Möglichkeiten wird äquivalent zur Zahl der E-Fahrzeuge steigen. Das Interesse für teure, private Investitionen wird sich aber in Grenzen halten, ist sich Bernd Müller sicher. "Auf die öffentlichen Ladesäulen angewiesen zu sein, die ständig belegt sind, ist nicht attraktiv."

SW-Kiel-Netz-GmbH-Geschäftsführer Roland Drewek vertritt daher die Meinung, dass eine denkbare Lösung in der fernen Zukunft zentrale Schnell-Ladestationen sind, die wie heutige Benzin-Tankstellen funktionieren, mit dem Unterschied, dass das Laden geringfügig länger dauern wird als das Sprittanken. Damit solche sogenannten Hubs entstehen können, bedürfe es aber gemeinsamer Anstrengungen und finanzielle Beteiligung der Automobilindustrie und der Politik. "Die ausschließlich dezentrale Ladestruktur kann auf Dauer nicht das Modell der Zukunft sein."

2020 sollen 1000 Elektroautos in Kiel zugelassen sein

Im Masterplan „100 Prozent Klimaschutz“ der Stadt ist vorgesehen, dass 2020 ein Prozent aller in Kiel zugelassenen Fahrzeuge elektrisch unterwegs sein sollen. Das entspricht etwa 1000 Autos. Bislang gibt es aber nur knapp 500 Pkw mit Elektroantrieb, etwas mehr als die Hälfte davon sind vollelektrisch, bei den anderen handelt es sich um sogenannte Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge. Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht hat ein Förderprogramm auf den Weg gebracht, das vorsieht, 22 Millionen Euro in die Ladeinfrastruktur des Landes zu investieren. Das Geld soll in den Ausbau von öffentlichen und halb-öffentlichen Ladepunkten – auch für E-Busbetriebshöfe – fließen. Allerdings müssen die Richtlinien noch von der EU abgenommen werden. Ziel ist es, dass das Förderprogramm 2020 startet. 

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