Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Aus für die Stadtregionalbahn
Kiel Aus für die Stadtregionalbahn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:43 12.05.2015
Von Martina Drexler
Die Stadtregionalbahn brachte vor allem wegen der auf 380 Millionen Euro geschätzten Kosten viele Gegner auf die Barrikaden. Quelle: hfr
Kiel

Das Projekt einer Stadtregionalbahn ist gescheitert. Mit diesen klaren Worten verabschiedete sich am Dienstag Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) von dem heftig umstrittenen 380-Millionen-Euro-Vorhaben. Es sei der richtige Zeitpunkt für eine Zäsur, eine Absage an Schienensysteme sei das aber nicht. Er schlägt der Ratsversammlung nun vor, in den kommenden zwei Jahren in einem „Masterplan Mobilität“ über andere Möglichkeiten zum Ausbau des Nahverkehrs wie etwa über eine Stadtbahn zu beraten.

Nach Angaben der Stadt Kiel fielen in den vergangenen Jahren für das gescheiterte Projekt 810000 Euro an Sachkosten an. Aus Sicht von CDU und FDP war der Kursschwenk der Stadt Kiel längst überfällig. „Seit Jahren wurden die für den schnelleren Ausbau der S4 und S21 dringend benötigten Regionalisierungsmittel für die unsinnige grüne Bimmelbahn in Kiel blockiert“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp.

Schon vor 15 Jahren entstanden erste Pläne, Kiel mit dem Umland über eine Bahn zu verbinden. Vor allem die Kostenschätzungen und Zweifel an der Wirtschaftlichkeit riefen Gegner auf den Plan. Im Dezember 2014 zog sich der Kreis Rendsburg-Eckernförde aus den rot-grün-blauen Plänen zurück, so dass allein der Kreis Plön zusammen mit Kiel an einer abgespeckten Variante festhielt. Dies sei symptomatisch für das Scheitern gewesen, wie Ulf Kämpfer es ausdrückte: Die Stadtregionalbahn habe in den vergangenen Jahren nie die notwendige „kritische Masse der Unterstützung“ erreicht. Gleichzeitig machte er klar, dass das Ende des Projekts nicht gleichzusetzen sei mit einer Absage an den schienengebundenen Verkehr. Kiel und die Region brauchten ein besseres ÖPNV-Angebot, zumal die Zahl der Pendler nach Kiel rein und raus ständig wachse. Er versprach: „Ich werde mich insbesondere dafür einsetzen, dass der Ausbau der Hein-Schönberg-Bahn jetzt möglichst schnell vorangetrieben wird.“

30 Jahre nach Ende der Straßenbahn Linie 4 in Kiel bringen SPD, Grüne und SSW, die sich auf Landes- und Kommunalebene hinter Kämpfer stellen, eine Stadtbahn ins Spiel, die möglicherweise später über die Stadtgrenzen hinaus erweitert werden könnte. Das Ende der Stadtregionalbahn, erklärte Kai Vogel, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, eröffne neue Förderperspektiven. Die Industrie- und Handelskammer zu Kiel dankte Kämpfer für die Entscheidung: Stadt und Wirtschaft sollten nach Ansicht von Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann gemeinsam nach ideologiefreien Lösungen suchen. Zustimmung für Kämpfer kommt auch aus Rendsburg-Eckernförde: Landrat Rolf-Oliver Schwemer sieht die Absage als Chance, gemeinsam andere Projekte voranzubringen.

Mehr zum Thema
Kiel Kreisparteitag in Kiel SPD weiter für Stadtregionalbahn

Kreisparteitag im Legienhof: Die Kieler SPD setzt sich für die Weiterentwicklung von Plänen zur Stadtregionalbahn (SRB) sowie beitragsfreie Kita-Betreuung ein. Für heftige Auseinandersetzungen sorgte aber ein längst nicht mehr aktuelles Thema.

Jürgen Küppers 24.02.2015
Plön Stadtregionalbahn Neue Pläne der Grünen

Die Grünen im Kreis Plön wollen eine abgespeckte Version der gescheiterten Stadtregionalbahn auf die Schienen bringen. Sie soll nur durch Kiel und den Kreis Plön rollen. Eine Nummer kleiner kommt auch der Name daher. „Stadtbahn“ nennen die Befürworter nun die Schienenverbindung.

Hans-Jürgen Schekahn 04.05.2015

Endlich hat einer den Mut, die Notbremse zu ziehen. Spätestens seit dem Ausstieg von Rendsburg-Eckernförde standen die Signale für die Stadtregionalbahn auf Dunkelrot. So kommt die Abkehr des Kieler Oberbürgermeisters Ulf Kämpfer von dem rot-grün-blauen Wunschprojekt alles andere als überraschend.

Martina Drexler 12.05.2015