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Kiel Bäckereien führen Pfandsystem ein
Kiel Bäckereien führen Pfandsystem ein
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07:00 03.07.2019
Von Steffen Müller
Foto: Im September soll das einheitliche Pfandsystem an den Start gehen.
Mehr als zehn Bäckereien beteiligen sich an dem einheitlichen Pfandsystem, das im September starten soll. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

"Wir wollen von einem einzelnen betrieblichen Interesse zurücktreten, um etwas gemeinsam im Sinne der Stadt und der Verbraucher zu machen", erläutert Mit-Initiator Andreas Vorbeck von der Bäckerei Lyck die Absicht. Die Vorteile von einem großflächig genutzten System in Kiel liegen auf der Hand. Egal an welchem Standort ein Kaffee im Mehrweg-Becher gekauft wird: Der Pfandbehälter kann überall dort zurückgegeben werden, wo er auch erstanden werden kann.

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"Wenn wir alle mitmachen, sind Akzeptanz, Wirksamkeit und Aufmerksamkeit viel größer und die Umsetzung viel einfacher", warb Vorbeck um Teilnahme. Das Prinzip folgt dem Pfandsystem der Kieler Woche – und passend dazu haben die Bäckereien mit "Cup and More" denselben Anbieter ins Boot geholt, der auch bei Nordeuropas größtem Volksfest für die Umsetzung des Systems verantwortlich war.

Langfristiges Ziel: Anwendung in ganz Deutschland

Mit "Cup and More" wurde ein Anbieter gefunden, der bisher vor allem auf Großveranstaltungen wie dem Wacken Open Air oder bei Fußballspielen im Holstein-Stadion Getränke in Mehrweg-Behältern ausschenkt. Mit einem Pfandsystem für Kaffeebecher betritt die Bad Segeberger Firma Neuland. Kiel wird die erste Station sein, bei der das neu gegründete "Tobego"-Programm zum Einsatz kommt. "Wir wollen die Menschen konditionieren, Mehrweg-Becher zu nutzen", sagt Volker Lange, der den Bäckereien und Kaffee-Läden das System vorstellte. Das langfristige Ziel ist es, das Projekt flächenmäßig auszuweiten, sodass beispielsweise ein Pendler, der sich am Bahnhof in Hamburg einen Kaffee kauft, den Behälter in Kiel zurückgeben kann.

Hygienevorschriften standen bisher im Weg

Anfang 2017 hat die Kieler Ratsversammlung beschlossen, sich für einen geringeren Verbrauch an Einweggetränkebechern einzusetzen. Als Ergebnis trafen sich im März 2017 Vertreter von Kaffeevertrieben, aus der Gastronomie, von lokalen Bäckereien, dem Handelsverband Nord, der Verbraucherzentrale, der Politik und Verwaltung zum ersten Runden Tisch „Kaffee geht Mehrweg“. Zu Beginn lag die Herausforderung darin, die gesetzlichen Bedingungen für ein Mehrweg-System in der Gastronomie zu schaffen. So mussten zunächst die Hygienevorschriften angepasst werden. Denn bis dato war es Kunden verboten, sich Kaffee in ihre mitgebrachten Behälter einschenken zu lassen, da laut Ordnungsamt nicht zu erkennen sei, ob ein eigener Becher hygienisch einwandfrei sei. Um die Hygiene-Anforderungen zu wahren, durften die privaten Gefäße nicht hinter dem Tresen befüllt werden. Mittlerweile hat sich das geändert. Die Gastronomen dürfen selbst entscheiden, ob sie einen mitgebrachten Becher befüllen oder nicht.

Blauer-Engel-Zertifikat für Produkte

Die Pfandpreis beträgt sowohl einen Euro für den Becher als auch für den Deckel. Volker Lange ist zuversichtlich, dass die Produkte in den nächsten Wochen mit dem Blauen-Engel-Zertifikat versehen werden. Dass es auch Pfand-Deckel gibt, ist einer der Hauptgründe, warum sich die Kooperation aus Bäckereien und Kaffeeläden für "Cup and More" als Partner entschieden hat. Zwar gibt es in Kiel mit "Recup" bereits einen Anbieter für Kaffeebecher-Pfand, der von mehreren Geschäften genutzt wird, doch umfasst das Angebot keine Deckel.

Andere Anbieter bereits in Kiel

Unter anderem gibt es "Recup", das deutschlandweit bereits etabliert ist, bei der Gastro-Kette "Dean & David" am Bootshafen. Diese überregionale Verbreitung ist ein Grund, warum sich "Dean & David"-Geschäftsführer Lars Lenßen für "Recup" entschieden hat. Denn die Kette hat eben bereits die Kunden, die als Pendler aus Hamburg kommen und in Kiel ihre Becher zurückgeben.

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Keine Angst vor Flickenteppich

Dass das Pfandsystem in Kiel durch mehrere Anbieter zu einem Flickenteppich zu werden droht, stört Andreas Vorbeck nicht. "Wir fahren auf mehreren Schienen, verfolgen aber dasselbe Ziel." Offen gehen die Initiatoren auch mit einem möglichen Scheitern in der einjährigen Testphase um. "Wir wollen gucken, wie es läuft, um dann ehrlich sagen zu können, ob sich die Einführung lohnt oder nicht", meint Volker Lange. Sollte sich das Mehrweg-Prinzip nicht durchsetzen, werde das auch offen kommuniziert. Wird es ein Erfolg, sei die Politik gefordert, es verpflichtend zu machen.

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