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Kiel Darum wollen Kieler Händler keine Bons ausgeben
Kiel Darum wollen Kieler Händler keine Bons ausgeben
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09:30 19.11.2019
Von Steffen Müller
Thomas Böhm (vorne) und Julian von Possel benutzen Registrierkassen. Am Stand vom Hof Großholz wird seit 15 Jahren elektronisch abgerechnet. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Die Vorgabe, die ab 1. Januar gilt, verpflichtet Betriebe, die mit elektronischen Kassen arbeiten, Kunden einen Bon auszudrucken. Hiesige Geschäftsleute können den Sinn dahinter nicht nachvollziehen. "Wir haben beim Finanzamt einen Freistellungsauftrag gestellt", sagt Jens-Dieter Zühlsdorf. Der Verwaltungsleiter der Bäckerei Steiskal glaubt nicht, dass die Kunden den Beleg wollen. Bislang können Bons auf Wunsch ausgegeben werden, doch nur die wenigsten Brötchen-Käufer verlangen nach einer Rechnung.

"Es geht um Müllvermeidung"

Die Technik wäre für die Bäckerei laut Zühlsdorf nicht das Problem, die Kassensysteme in den Filialen sind alle mit einem Drucker ausgerüstet. Bei Steiskal hofft man dennoch, dass das Finanzamt den Antrag auf Befreiung genehmigt, damit in den Filialen weniger Abfall entsteht. "Uns geht es um die Müllvermeidung", sagt der Verwaltungsleiter.

Kunden wollen selten einen Beleg

Anders sieht es im Club Luna an der Bergstraße aus. Erst 2017 wurden die Kassen modernisiert und mit einer Dokumentationsfunktion ausgestattet. Jede Transaktion wird gespeichert und automatisch an das Finanzamt übermittelt. Rechnungen können die neuen Kassen aber nicht ausdrucken. "Unsere Kunden fragen fast nie nach einem Beleg", erzählt Geschäftsführer Kai Hellebrandt.

Nur in den seltensten Fällen, wenn es beispielsweise um einen Geschäftstermin geht, würden die Gäste eine Quittung verlangen, die dann an einem zentralen Drucker erstellt wird. Hellebrandt befürchtet, dass auf seinen Club deutliche Mehrkosten zukommen, da er die drei Kassen mit einem Drucker ausstatten müsste. "Wenn es die Möglichkeit gibt, werden wir versuchen, uns von der Auflage befreien zu lassen."

Das ist die Belegausgabepflicht

Ziel des "Gesetzes zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen" ist es, Steuerbetrug entgegenzuwirken und früh zu erkennen. Bei der elektronischen Übermittlung aller Transaktionen an das Finanzamt soll nach Angaben des Handelsverbands Deutschland der Bon jeweils für die Kunden ausgedruckt werden, damit bei zufälligen Kontrollen nachvollzogen werden kann, ob die Belegausgabepflicht eingehalten wird.

Kritik gibt es an der Umweltbelastung durch die Bons, die zum Großteil aus Thermopapier bestehen, mit der chemischen Verbindung Bisphenol A beschichtet sind und nicht im Altpapier entsorgt werden können. Gegner befürchten, dass die Kassenbelege pro Jahr eine zwei Millionen Kilometer lange Kette bilden würden.

Bon nur drucken, wenn danach gefragt wird

Im Café Oben am Blücherplatz druckt die Kasse nach jedem Bezahlvorgang automatisch die Rechnung aus. Inhaberin Nele Ostwald hätte gerne ein System, das nur einen Bon erstellt, wenn danach gefragt wird. Die Belegausgabepflicht erachtet sie für "unnötig" und sieht darin nur Papierverschwendung.

Kiel: Viele Marktbeschicker von der Pflicht befreit

Etwas entspannter können die Marktbeschicker auf dem Blücherplatz der neuen Vorschrift entgegensehen. Das Gesetz sieht vor, dass nur Registrierkassen, die elektronisch funktionieren, einen Bon ausstellen müssen. Wer eine sogenannte offene Kasse hat, die ohne Strom läuft, wird nicht verpflichtet, aufzurüsten.Die meisten Beschicker auf dem Blücherplatz machen von den offenen Kassen Gebrauch. Die Arbeit mit den Elektronischen hält Stefan Dressler vom Pflanzenhof Dressler für zu aufwendig. "Wir müssten die gesamte Ware einpflegen."

Fehlender Stromanschluss für elektronische Kassen

Außerdem kritisiert der 61-Jährige den Kostenfaktor für die Neuanschaffung, darüber hinaus verfüge nicht jeder Stand auf dem Blücherplatz über einen Stromanschluss. Bei Bedarf stellt Dressler, dessen Kasse eine alte Holzbox ist, die sein Vater vor rund 25 Jahren gezimmert hat, den Kunden einen handschriftlichen Beleg aus.

Ein großer Befürworter der elektronischen Kasse ist dagegen Thomas Böhm vom Bioland Hof Großholz. "Wir haben vor etwa 15 Jahren auf Registrierkassen umgestellt. Der Bezahlvorgang geht schneller, und die Abrechnung am Ende des Tag wird automatisch gemacht", benennt er die Vorteile. Den erstellten Beleg würden die meisten Kunden allerdings nicht mitnehmen. Am Fischstand von Matjes Lange werden ebenfalls Rechnungen ausgedruckt, doch auch hier verzichten die meisten Kunden auf ein Exemplar.

Angst vor Überwachungsstaat

Auch die 37-jährige Julia Martin gehört zu den Markt-Einkäufern, die auf einen Bon verzichten und das Gesetz für unnötig halten. "Wenn man den Händlern nicht mehr traut, führt das zu einem Überwachungsstaat."

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